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Nichts geht mehr in Nieferns Herrenwingert bei der A 8-Sperrung im September: Selbst ein Reisebus zwängt sich durch den engen Schleichweg nach Kieselbronn, obwohl die Strecke für Fahrzeuge über sechs Tonnen gesperrt ist.  Foto: Tilo Keller 

Verkehrschaos in Sicht: Protest gegen anrollende Autoflut in Niefern-Öschelbronn

Enzkreis/Pforzheim. Da war was los rund um Niefern-Öschelbronn, als Anfang September die Kreisstraßenbrücke der A8 im Enztal abgebrochen wurde. Über das Wochenende war die Autobahn zu – tausende Fahrzeuge verstopften die Schleichwege in Eutingen und Niefern.

Selbst kleine Wohnstraßen waren dicht: Im Nieferner Vorort zwängte sich gar der Fahrer eines Reisebusses von einer Parkplatzlücke zur nächsten, obwohl die Strecke über den Herrenwingert nach Kieselbronn für Fahrzeuge über sechs Tonnen gesperrt ist. Die reguläre Umleitung über Mühlacker zum A8-Anschluss Pforzheim-Nord scheuten viele Fahrer.

Doch was kann die Gemeinde dagegen machen? Im nächsten Jahr wird die A8 vier Mal geschlossen: Die Überführung der Raststätte sowie die Brücke von Eutingen nach Kieselbronn werden abgerissen, weitere zwei Mal ist die Autobahn für das neue Kreisstraßen-Bauwerk dicht.

"Könnte das Rathaus zum Beispiel ein Feuerwehrauto querstellen, um nur noch Anwohner durchzulassen?", fragte Gemeinderat Erik Schweickert (FW/FDP) Rathauschefin Birgit Förster in der jüngsten Sitzung.

Er führte damit ein Beispiel ins Feld, das Alt-Bürgermeister Jürgen Kurz einmal angeregt hatte – gedacht als Demonstration, wenn es ganz dick kommen sollte. "Das war erneut unsäglich", stimmte Förster Schweickert zu. Aber was nur tun? Die Rathauschefin hofft darauf, dass die zuständige Niederlassung Südwest der Autobahn-Gesellschaft des Bundes Auswege findet.

Doch welche Lehren zieht die für den A8-Ausbau verantwortliche Gesellschaft aus der Staumisere? "Wir sprechen nach jeder Vollsperrung über Verbesserungen", so Sprecherin Petra Hentschel.

Umleitungen werden ignoriert

Das Hauptproblem: Oft würden ortsfremde Autofahrer "die ausgeschilderten Umleitungsstrecken ignorieren und bevorzugt die durch Navigationsgeräte angezeigte kürzeste Route nehmen", so Hentschel. Die Autobahn-GmbH speise offizielle Umfahrungen ins Datennetz des Landes ein.

Jedoch: "Google, TomTom und andere Anbieter von Navigationssystemen verwerten vorrangig die Geo-Daten der Fahrer und ermitteln so die theoretisch schnellste Route für ein bestimmtes Reiseziel." Diese Verkehrswege würden "nicht zwangsläufig der ausgewiesenen Bedarfsumleitung entsprechen."

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Man informiere "im Vorfeld jeder Vollsperrung mit Pressemitteilungen auch überregional und online über die mit den Verkehrsbehörden erarbeiteten ausgeschilderten Umleitungen". Verkehrsteilnehmer hätten allerdings "grundsätzlich das Recht, ihre Fahrtroute selbst zu bestimmen". Zudem sei "die Einflussnahme auf die Methodik der Anbieter von Navigationssystemen nicht möglich, da dies einen Eingriff in deren Geschäftsgrundlage darstellen würde", erklärte Hentschel.

Die Behinderungen im September seien "nicht über das erwartete Maß hinausgegangen", findet sie. Das sahen Gemeinderäte und Rathausleute jedoch anders. Ortsbaumeister Franz Josef Müller: "Bei den nächsten Sperrungen werden die Einwohner nur noch mit dem Fahrrad durchkommen."