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Der Verkehrsexperte Uwe Lahl nimmt Stellung. Foto: Sebastian Berger
Der Verkehrsexperte Uwe Lahl nimmt Stellung. Foto: Sebastian Berger
02.07.2019

Verkehrsexperte Uwe Lahl: Bahnpendler können noch lange nicht aufatmen

Pforzheim/Enzkreis. Im Gespräch mit PZ-news hat der Ministerialdirektor im Landesverkehrsministeriums, Professor Uwe Lahl, eine Reihe von Fragen beantwortet, die den Bahnkunden auf den Nägeln brennen.

Zum Automatenchaos bei den kleinen Haltestellen sagt der Ministerialdirektor: „Der Abbau der alten DB-Fahrkartenautomaten war erst nach dem 9. Juni möglich.“ Die neuen Installationen von Abellio würden nun bis in die aktuelle, erste Juliwoche sukzessive aufgestellt und in Betrieb genommen. Der Auf- und Abbau habe aufgrund der Vielzahl der zu tauschenden Geräte mehrere Wochen in Anspruch genommen. Bis die Umstellung auf die neuen Automaten komplett abgeschlossen sei, könnten die Fahrgäste ihre Fahrkarten im Zug erwerben.

Doch nicht nur aktuell, auch perspektivisch kündigt sich Unheil auf der Residenzbahn an. Das liegt an dem Ausweichverkehr für die Sanierung der im kommenden Jahr auszubessernden Schnellbahntrasse Stuttgart/Mannheim. Hierzu erläutert Lahl: „Uns ist bewusst, dass die Sperrung der Schnellfahrstrecke Auswirkungen auf die Residenzbahn haben wird. Allerdings, wer A sagt, muss auch B sagen. Wir haben von der Netzgesellschaft der Deutschen Bahn und vom Bund immer gefordert, die Schieneninfrastruktur rechtzeitig zu sanieren. Wenn sie das jetzt endlich tun, werden wir mit den Auswirkungen leben müssen.“ Im Übrigen sei der Baustellenfahrplan derzeit noch in der Erarbeitung. Lahl weiter: „Ich bin überzeugt, dass die Nahverkehrsgesellschaft im Auftrag des Verkehrsministeriums hierbei das Bestmögliche für die Fahrgäste auf der Schiene herausholen wird.“

Stuttgart 21 packt den für 2030 anvisierten Deutschlandtakt nicht, heißt es neuerdings bei unabhängigen Fachleuten. Lahl meint dazu: „Der Deutschland-Takt ist mit der Infrastruktur von Stuttgart 21 inklusive großer Wendlinger Kurve geplant worden. Sollte sich hingegen der politische Wunsch verfestigen, den Schienenverkehr zu verdoppeln, so würde Stuttgart 21 an seine Kapazitätsgrenzen stoßen, und es wären sicherlich Ergänzungen erforderlich.“ Dies gelte dann aber auch für viele andere Strecken und Bahnhöfe in Baden-Württemberg und Deutschland, so Lahl auf PZ-Anfrage abschließend.