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Gugge-Chef Hartmut Seifried (links) verkündete gegenüber Bürgermeister Heiko Faber (rechts, als ‚G’schonnene Gaiß) stolz: „Wir haben jetzt die Macht im Ort“. In der Bildmitte Moderator Uwe Weber.  Foto: Manfred Schott 

Verkleidung hilft Bürgermeister nichts - Heiko Faber muss Kieselbronns Rathaus den Narren überlassen

Die Gemeinde Kieselbronn ist eigentlich eine Narren-Diaspora. Doch seit Samstag ist dort nichts mehr, wie es vorher war. Manches steht sogar auf dem Kopf. Schultes Heiko Faber wurde aus dem Rathaus verbannt.

Dann gab’s abends noch Alarm, es hieß: „Gugg em Flägge.“ Über 350 „Krawallos“ aus verschiedenen Hochburgen, in bunten Uniformen und mit teils mächtigen Instrumenten bewaffnet, erstürmten den Dorfplatz vor dem Rathaus. Doch keine Panik. Es läuft alles wieder in geordneten Bahnen. Geplant und veranstaltet hatten diese erstmalige Großveranstaltung zur Fastnachtszeit die „Kieselbronner Gugge Gaiße“ unter der Leitung von Hartmut Seifried. Der Name „Gugge Gaiße“ erinnert an den Spitznamen der Kieselbronner, die „Gaiße-Schenner“, zu Hochdeutsch „Ziegen-Schinder“. Die Altvorderen hatten, um das Kirchendach vom Gras zu befreien, eine Hörnergaiß mit Strick um den Kragen in die Höhe gehievt. Doch siehe da: Als das arme Tier oben ankam, war es schon tot.

Eingeleitet worden war das Spektakel bereits am Abend vor den „Gugg im Flägge“. Die Kieselbronner Gugge Gaiße stellten mit vereinten Kräften am Freitag den ersten Narrenbaum in der Ortsgeschichte vor dem Rathaus auf. Danach, am Samstagabend, folgte erstmals die Rathausübernahme. Heiko Faber ahnte das Geschehen und machte sich im Kostüm einer „G’schonnene Gaiß“ zunächst unauffindbar. Doch raffiniert wie die Narren sind, stiegen sie ins Rathaus. Beim Glockengeläut Punkt 18 Uhr konnte Gugge-Spion Frank Wünsch aus dem Bürgermeisterfenster rufen: „Wir haben ihn.“ Auf der Bühne verkündete Ober-Gugge-Meister Hartmut Seifried unter dem Beifall der vielen Gäste: „So, Herr Faber, und jetzt haben wir die Macht im Ort, zumindest bis Aschermittwoch.“ Heiko Faber nahm’s humorvoll und gestand zu: „Ihr könnt regieren eine gewisse Zeit.“ Als Schirmherr des Events wurde ihm der Narrenschirm überreicht. Die Guggemusik „Dannazäpflen“ aus Schielberg leitete mit einem rhythmisch respektvollen Auftritt zum „Gugg im Flägge“ über. Der musikalische Leiter der Kieselbronner Gugge, Uwe Weber, moderierte das Geschehen. Er konnte bis in die Nacht hinein insgesamt zwölf Gugge-Musik-Kapellen und Hexengruppen aus der näheren und weiteren Umgebung ansagen. So kamen 350 Aktive nach Kieselbronn.