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Schnelle Züge, doch die Fahrgäste müssen warten: Das neue Bahnangebot ab Juni bietet viel mehr Verbindungen, aber Reisende nach Karlsruhe zum Beispiel aus Niefern oder Eutingen müssen dann in Pforzheim immer umsteigen, bis der schnelle IRE kommt. Foto: Hoppe, dpa-Archiv
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Mit diesen Zügen wird ab Juni der Regionalverkehr zwischen Stuttgart und Pforzheim durchgeführt.

Verlängerte Fahrtzeiten kommen: Ausbau des Bahnangebots ist Last für Region

Enzkreis/Pforzheim. Bahnkunden müssen sich auf den nächsten Paukenschlag im regionalen Nahverkehr einstellen. Dieses Jahr machten die Geburtsfehler beim neuen BW-Tarif den Fahrgästen zu schaffen.

Das Landesangebot macht Reisen aus Pforzheim und dem Enzkreis über den Verbund hinaus nach Karlsruhe oder Stuttgart günstig, doch die Buchung der Tickets klappte lange nicht, wie die PZ berichtete. Nach und nach bügelte die Bahn die dicken Klopse in Automaten und Onlineprogrammen aus. In drei Monaten kommt nun ein zusätzlicher großer Wechsel: Mit neuen Zügen lösen die Anbieter Go Ahead und Abellio am 9. Juni die Züge der Deutschen Bahn (DB) ab. Auf der Linie von Karlsruhe über Pforzheim nach Stuttgart fährt der Interregio-Express (IRE) künftig öfter. Doch für Fahrgäste aus Illingen, Enzberg, Niefern oder Eutingen dauert die Reise nach Karlsruhe länger: Der Regional-Express (RE) von Abellio, der weiter die Zwischenstopps bedient, endet in Pforzheim – die Kunden müssen im Hauptbahnhof immer in den IRE umsteigen und dabei bis zu 20 Minuten lange Pausen in Kauf nehmen.Offen ist außerdem, wie oft die Stadtbahnen des Karlsruher Verbundes (KVV) ab Juni fahren. Die S-Bahn 5, die bisher von Bietigheim über Mühlacker in die Region kam und wie der RE in allen Orten hielt, startet künftig nur noch von der Goldstadt in Richtung Karlsruher Innenstadt.

Was genau ändert sich im Fahrplan?

Als Verlierer der Umstellung sieht sich Christoph Schulze aus Niefern. „Von Niefern zum Job in Karlsruhe-Durlach brauche ich morgens mit dem RE zurzeit 25 Minuten, künftig muss ich zum einen in Pforzheim umsteigen und dort noch 15 Minuten auf den IRE warten“, ärgert sich der Pendler – „dass ich dann 40 Minuten benötige, ist nicht akzeptabel.“ Von Beruf Verkehrsplaner, beklagt Schulze: „Es gibt keine umstiegsfreie Verbindung mehr aus den Gemeinden des östlichen Enzkreises nach Karlsruhe, was also soll einen Autofahrer gerade angesichts des jahrelangen Ausbaus der A8 im Enztal dazu bewegen, den Zug zu nehmen?“ Ob er der Bahn treu bleibt, ist offen: „Ich überlege, künftig mit dem Auto nach Durlach zu fahren.“

Wie sieht es mit dem schnellen IRE-Zug aus?

Der Zug mit den Doppelstock-Wagen pendelt auf der Residenzbahn aktuell alle zwei Stunden zwischen Karlsruhe und Stuttgart und wechselt sich in diesem Rhythmus mit dem Fernzug Intercity ab. Mit dem neuen IRE von Go Ahead bietet das Land künftig jedoch deutlich mehr Verbindungen an – in den Hauptverkehrszeiten gibt es den Direktzug IRE dann alle 30 Minuten.


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Was heißt das zum Beispiel für Niefern?

Pendler stehen heute im Berufsverkehr von 6.30 Uhr bis 9.30 Uhr Richtung Karlsruhe zwei RE-Verbindungen sowie ein S-Bahn-Eilzug zur Verfügung. Fahrtzeit: jeweils rund eine halbe Stunde. Nach dem Fahrplanwechsel Anfang Juni sind es doppelt so viele Züge – allerdings geht das nur mit dem Umstieg zum IRE in Pforzheim. Fahrtzeit: zwischen 40 und 50 Minuten. Ursache für die länger dauernde Reise sind die etwa zehnminütigen Pausen bis zur Abfahrt des IRE.

Und was ist mit der S-Bahn nach Karlsruhe?

„Der Karlsruher Verbund ist meine letzte Hoffnung“, sagt Schulze. Sprinterzüge würden optimal zum besseren Bahnverkehr passen, so der Pendler. Doch der KVV hat noch nicht veröffentlicht, wie oft künftig die S 5 ab Pforzheim fährt. Der neue Fahrplan hat für Reisende aus dem Raum Mühlacker und Niefern noch eine weitere Konsequenz: Wer mal kurz und direkt nach Ispringen oder Königsbach will, erreicht die S-Bahn erst nach einem Umstieg im Pforzheimer Hauptbahnhof.

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