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Symbolbild: dpa

Vermisstensuche auf Facebook und Co: Wie Ermitteln im Schatten der Sozialen Medien zur Routine wurde

Enzkreis/Pforzheim/Karlsruhe. Am Ende lief beim jüngsten Beispiel alles glatt. Eine Realschülerin aus dem Enzkreis hatte am Montag zwar das elterliche Haus verlassen, war aber nicht in der Schule aufgetaucht. Früh begannen Familie und Freundeskreis über Soziale Netzwerke nach der Jugendlichen zu suchen – auch über ein Flugblatt mit Bild, das die Familie so verbreitete. Die Polizei wurde früh eingeschaltet.

In der Nacht schließlich konnte der Vater den Ermittlern Entwarnung geben: Das Kind war wohlbehalten wieder nach Hause gekommen.

So war das ein Stück Polizeiroutine – aber eines, das in einem Punkt typisch dafür ist, wie sich solche Routinen gerade bei Vermisstenfällen verändert haben. Denn Privatpersonen suchen mittlerweile häufig auf digitalem Wege mit. Parallel zur Polizei. Am grellsten zeigt sich das derzeit bei dem bundesweit diskutierten Fall der vermissten 15-jährigen Rebecca aus Berlin. Dort suchen Familie und Freunde nicht nur öffentlichkeitswirksam nach der jungen Frau, von der die Polizei glaubt, sie sei getötet worden. Verwandte machen dort auch immer wieder Einschätzungen zum Schicksal Rebeccas öffentlich – oft im Widerspruch zu Erkenntnissen der Polizei.

So riefen Rebeccas Verwandte auf Instagram zur Suche auf:

Wie geht man als Ermittler damit um? Die PZ hat beim Polizeipräsidium Karlsruhe nachgefragt. Ein Ermittler, zu dessen Aufgabenbereich auch solche Vermisstenfälle zählen, hält es für entscheidend, dass die Polizei engen Kontakt zu den betroffenen Familien hält. Das sei das beste Mittel gegen den schlechtesten denkbaren Fall: nämlich dass Informationen, die über Netzwerke bei den Privatpersonen eingehen, nicht bei den Ermittlern landen. So könnten der Polizei Ermittlungsansätze verlorengehen. In der Regel funktioniere das vertrauensvolle Zusammenspiel aber. Und das sei entscheidend, meint der Ermittler: So gehe keine Zeit verloren, ehe die Profis neue Hinweise auf Orte oder Personen überprüfen können, die ein Vermisster möglicherweise aufgesucht hat.

Suchbilder genau abwägen

Im Alltag sind verworrene Situationen wie im Berliner Fall Rebecca demnach die Ausnahme. Aber was noch auffällt, ist die Tatsache, dass in Sozialen Netzwerken oft Namen und Bilder der Vermissten in Umlauf sind, während die Polizei auf eine solche Veröffentlichung noch verzichtet. Denn die Ermittler wägen die Persönlichkeitsrechte sehr genau ab gegen eine mögliche Gefährdung von Gesundheit oder gar Leben der Vermissten. Sehen die Ermittler eine solche Gefahr, dann geht ein Suchaufruf mit Namen und oft auch mit Bild an die Öffentlichkeit. Allerdings: Bilder für eine Vermisstensuche werden von der Polizei nicht einfach ins Netz gestellt. Diese Fotos sind nur über Links zu finden. Damit haben es die Polizisten auch selbst in der Hand, das Material sofort wieder zu löschen, wenn zum Beispiel ein Vermisster gefunden ist. Bei den privaten Bildern im Netz ist das bekanntermaßen kaum möglich.

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