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Ein Baum stürzt aufs Dach: Zahlt das die Versicherung? © Ketterl
Eine Tanne ist auf ein Haus in Pforzheim gestürzt. © Ketterl
27.10.2013

Versicherungsfragen nach ersten Sturmschäden in Region

Pforzheim/Enzkreis. Mächtig Wind hat der Herbst am Sonntag gemacht und in der Region erhebliche Schäden angerichtet. Nicht wenige Bürger müssen sich nach dem Sturm mit der Versicherungsfrage befassen.

Bildergalerie: Herbststürme fegen über die Region

Bis 19 Uhr hatte die Leitstelle am Sonntag sturmbedingt 20-mal Alarm für die Feuerwehren in Pforzheim und dem Enzkreis ausgelöst. Grund waren meist umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste, die auf Fahrbahnen fielen und diese blockierten.

Spezialfirma soll’s richten

An der Hirsauer Straße am Ortsausgang von Dillweißenstein in Richtung Unterreichenbach stürzte eine 25 Meter hohe Tanne aufs Dach eines Wohnhauses auf dem Nachbargrundstück. Da der Baum mit der Ausrüstung der Feuerwehr nicht beseitigt werden konnte, muss eine Spezialfirma ran. Laut Feuerwehr gibt es keine Hinweise, dass Menschen verletzt wurden.

Da Straßenabläufe sturmbedingt von Laub verstopft waren, wurden auch vereinzelt Fahrbahnen durch den kräftigen Niederschlag überflutet. Besonders betroffen waren die Straßen in den Waldgebieten. Dort sorgte nasses Blattwerk auf der Fahrbahn für zusätzliche Gefahr. Allein im Stadtgebiet gibt es rund 15 000 Kanaleinläufe am Straßenrand, die im Herbst verstärkt kontrolliert und gereinigt werden müssen.

Wer zahlt?

Stürzt ein Baum bei einem Unwetter aufs Grundstück des Nachbarn, muss der Besitzer nicht unbedingt für Schäden bezahlen. Denn war es ein gesunder Baum und hat der Besitzer ihn regelmäßig auf Schäden kontrolliert, handele es sich um höhere Gewalt, erläutert Inka-Marie Storm vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin. Dann muss die Versicherung des Nachbarn den Schaden übernehmen. Der Baumbesitzer ist allerdings haftbar, wenn der Baum morsch, krank oder schwach war. „Es gibt kein höchstrichterliches Urteil“, sagt die Referentin für Immobilienrecht. „Aber die Rechtsprechung geht davon aus, dass man Bäume zweimal im Jahr, einmal mit Laub und einmal ohne, kontrollieren muss.“

Drohen Äste abzubrechen oder ist das Wurzelwerk nicht mehr tragfähig, muss der Besitzer handeln und einem Schaden durch Sturm oder Unwetter so verbeugen.  Fällt ein Baum auf das Grundstück, sollte man direkt den Nachbarn verständigen. Ist der nicht da, kümmere man sich am besten darum, dass die Schäden nicht noch größer werden. „Durch ein Loch im Dach kann es ja hineinregnen“, nennt Storm ein Beispiel. Aber sie rät, in solchen Fällen die Polizei einzuschalten. „Denn es handelt sich um fremdes Eigentum, und man könnte mir Hausfriedensbruch vorwerfen.“ Außerdem müsse entweder die eigene Haftpflichtversicherung verständigt werden oder der Nachbar seine Gebäudeversicherung kontaktieren.

Des einen Leid, des anderen Freud. Für die Kinder, die Herbstferien haben, schafft der Wind gerade in Höhenlagen ideale Bedingungen fürs Drachensteigen. Auch für den Montag hatte der Deutsche Wetterdienst zwei Warnungen vor Böen bis zu 70 Stundenkilometern ausgegeben. Im Laufe der Woche soll sich die Lage beruhigen. Es wird aber auch deutlich kühler.