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Anneliese Kunzmann an ihrem Lieblingsplatz im Garten. Foto: Gegenheimer.
Anneliese Kunzmann an ihrem Lieblingsplatz im Garten. Foto: Gegenheimer.
20.08.2017

Viel erlebt und viel gereist: Anneliese Kunzmann aus Birkenfeld feiert 100. Geburtstag

Birkenfeld. Nein, aus dem Fenster steigen und verschwinden wie im Buchtitel des Bestsellerromans wird sie nicht. Aber ja, 100 Jahre wird sie am Montag alt, Anneliese Kunzmann aus Birkenfeld. Verschwinden wäre schon deshalb nicht angesagt bei ihr, weil sie sich pudelwohl fühlt im Haus von Tochter Helga und Schwiegersohn Ernst Voth.

„Wenn mich jemand fragt, wie’s mir geht, sage ich gern: Ich bin in guter Pflege“, sagt sie, „auch wenn meine Tochter das nicht hören mag.“ Da lachen beide miteinander, und die 78-jährige Tochter nimmt ihre 100-jährige Mutter in den Arm. Herzlichkeit ist Lebenselixier für die Jubilarin, die zwar nur noch kleine Strecken gehen kann, aber gern auf ihrem Lieblingsplatz auf der Terrasse sitzt. Auch ihrem Hobby Lesen frönt sie noch immer: „Am liebsten meine alten Lieblingsromane.“ Und die Pforzheimer Zeitung, seit 50 Jahren abonniert: „Was in Pforzheim und drum herum passiert, interessiert mich.“ Die Augen wollen zwar nicht mehr ganz so – aber sie liest ohne Brille. Geistig ist die Ur-Birkenfelderin fit. „Ich bin zufrieden mit mir“, sagt sie humorvoll-bescheiden.

Vor 100 Jahren kam Anneliese Kunzmann geborene Kusterer in Birkenfeld zur Welt. Die Mutter aus Birkenfeld, der Vater aus Waldrennach, verschlug es die Familie der Versetzung des Vaters zum Zoll wegen nach dem 1. Weltkrieg an die Schweizer Grenze. Waldshut und später Waldkirch waren die Stationen, wo Anneliese mit drei jüngeren Geschwistern aufwuchs. Mit 14 Jahren kam sie zurück nach Birkenfeld. Da war ihr Großvater verstorben und Unterstützung für die Großmutter notwendig. Bei ihr erlernte die Jubilarin das Handwerk der Polisseuse.

Unterstützung von der Familie

Mit 20 Jahren heiratete sie Otto Kunzmann, der in Birkenfeld eine Schuhmacherei betrieb. 1937 kam Sohn Alfred, 1939 Tochter Helga zur Welt – mitten in den 2. Weltkrieg hinein. Es war keine einfache Zeit. Anneliese arbeitete von 1951 bis zu ihrer Rente bei der Firma „Rowi“ in Pforzheim. Oftmals, so Tochter Helga, „wurde Vaters Schuhmacherleder mit Mutters Zahltag beglichen, weil die Leute ihre Schuhe nicht gleich bezahlen konnten und anschreiben ließen.“

Seit 20 Jahren, nach einer Krebserkrankung, lebt sie bei Tochter und Schwiegersohn, die ihr bei allen täglichen Herausforderungen behilflich sind. Auch Enkelin Sabine unterstützt sie. „Wir waren schon gemeinsam auf Reisen – von Griechenland bis zum Nordkap“, schwärmen beide.

Sabine hat mit ihrer Tochter für den Festtag einen Kuchenmarathon eingelegt. Denn alle werden zum Ehrentag da sein. Die Birkenfelder und auch die Familie von Sohn Alfred, die im Raum Nürnberg lebt. Dazu insgesamt fünf Enkel, von denen vier noch leben, mit ihren Familien, einschließlich drei Urenkeln und zwei Ururenkeln. Und natürlich Mischlingshund Socke – der sicher auch an diesem Abend am Fußende wacht, bis Anneliese Kunzmann gut ins Bett gekommen sein wird.