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13.05.2009

Von Wassermassen überrollt - Drittes Unwetter in Folge

NORDSCHWARZWALD/PFORZHEIM. Bereits zum dritten Mal in Folge gab es am Mittwochabend starke Regengüsse. Bis Mitternacht gab es deshalb 20 Einsätze für die Pforzheimer Feuerwehr, von größeren Ereignissen blieb die Feuerwehr allerdings dieses Mal verschont, ganz anders als am Dienstag. Unter Wasser stehende Keller, Wohnungen und Schulturnhallen, herausgedrückte Gullydeckel, im Wasser watende Kühe, Geröll auf der Fahrbahn und überflutete Straßen – die Feuerwehren in der Region hatten am Dienstagabend alle Hände voll zu tun.

Zwei Schneepflügen mussten vom Hagel verstopfte Straßen eisfrei machen. Die Bahnhofsunterführung in Ispringen stand unter Wasser. Am schlimmsten erwischte es den Ellmendinger Hausbesitzer Sven Renckly. Das Wasser hatte sich laut Feuerwehr auf einer Terrasse seines Hauses an der Straße Am Keulebuckel im Baugebiet „Klamm“ bis zu einem Meter hoch gestaut. Die Terrassentür hielt dem Druck nicht mehr stand, so dass die Wohnung von einer Schlamm- und Wasserlawine verwüstet wurde.

Nicht besser erging es dem Dietlinger Landwirt Claus Bischoff in den Steinäckern. „Zwei Abende hintereinander ist das Wasser ungebremst vom Hang in meinen Hof geschossen“, beklagt er die zunehmende Versiegelung, auch in seiner Nähe beim Häckselplatz. Seine Kühe standen im Wasser. Dagegen kamen die Winzer mit einem blauen Auge davon.

Turnhalle wird Schwimmbad

Nicht schlecht staunten in Neuenbürg einige Sportler als sie die Halle des Gymnasiums betraten: Ein Teil des Hallenbodens war mit riesigen Pfützen übersät. Im höher liegenden Außenbereich der Anlage hatte sich das Wasser gestaut und sich den Weg über den Notausgang in das Innere der Halle gesucht. Hausmeister Egbert Müller, der viel Erfahrung als Feuerwehrmann besitzt, sorgte dafür, dass die Halle schon am Mittwoch wieder genutzt werden konnte.

Wegen starkem Regenfall und Windböen rückten die Feuerwehren der Stadt Pforzheim und des Enzkreises zwischen 19.30 und 22 Uhr zu 26 Einsätzen im Stadtgebiet ausrücken. Im Enzkreis pumpte die Wehr bei 34 Einsätzen eingedrungenes Wasser aus Kellerräumen und einer Unterführung, dazu waren einige Straßen überflutet. In Pforzheim spülten die Wassermassen mehrere Gully-Deckel aus, die die Feuerwehr sichern musste. Auch im Stadtgebiet Pforzheim galt es, einige Keller leer zu pumpen.

Vom Unwetter waren neben Pforzheim schwerpunktmäßig die Gemeinden Birkenfeld, Ispringen, Kämpfelbach, Keltern, Neuenbürg, Niefern-Öschelbronn und Straubenhardt betroffen. Waren die Einsatzstellen in Pforzheim über das gesamte Stadtgebiet verteilt, so gab es im Enzkreis einen Schwerpunkt im Bereich Keltern Dietlingen und Ellmendingen. 

Auf der Autobahn wurde bei Kilometer 239 der rechte Fahrstreifen Richtung Karlsruhe bis zu zehn Zentimeter überflutet. Es kam allerdings zu keinen wesentlichen Verkehrsbehinderungen.

"Winterliche Straßenverhältnisse" im Kreis Calw

Das schwere Unwetter zog am Dienstagabend ab 20.13 Uhr für rund eine Stunde nahezu durch den ganzen Landkreis Calw. Der Niederschlag von Hagelkörnern war teilweise so heftig, dass zwei Schneepflüge verstopfte Fahrbahnen räumen mussten. Die Bad Wildbader Polizei meldete von durch Hagelkörner überflutete Straßen und Fahrbahnen, auf die Geröll gerutscht war. Schwerpunkt war die Bundesstraße 294.

Teilweise, so die Polizei, hätten sogar „winterliche Straßenverhältnisse“ mit einer bis zu zehn Zentimeter dicken Hagelschicht vorgelegen. Auf der Kreisstraße zwischen Calw-Holzbronn und dem Waldecker Hof war die Fahrbahn mit Hagelkörnern bis zu 15 Zentimeter Höhe bedeckt. In Wildberg-Gültlingen stellten Polizeibeamte fest, dass sich in Senken Hagelkörner bis zu einem halben Meter hoch angesammelt hatten.

Im Kreis Calw wurden zwei Autofahrer zu Unfallopfern der auf den Straßen liegenden Hagelkörner. Ein 35-jähriger Audi-Fahrer prallte bei Wildberg-Gültlingen nach einer Schleudertour frontal gegen einen Baum. Bei Seitzental geriet ein 31-jähriger Mercedes-Fahrer ins Schleudern und stieß gegen zwei Leitplanken.

Rund 100 Notrufe bei der Feuerwehr in Pforzheim

Gegen 19 Uhr erkannten die Spezialisten in der Feuerwehrleitstelle nach Auswertung der vorhandenen Wetterprogramme, dass auf Pforzheim und den Enzkreis eine größere Gewitterfront zukommt. In Abstimmung mit dem Einsatzführungsdienst der Berufsfeuerwehr Pforzheim wurde entschieden, die im Regeldienst mit zwei Disponenten besetzte Feuerwehrleitstelle vorsorglich mit zehn weiteren Disponenten und Führungspersonal aufzustocken. Diese wurden aus Personal der diensthabenden Wachbesatzung und dienstfreien Kräften der Berufsfeuerwehr Pforzheim rekrutiert.

Zwischen 19.35 und 22 Uhr kamen rund 100 Notrufe über den Notruf 112. Daraus ergaben sich 60 Einsätze, die von den Feuerwehren in Pforzheim und dem Enzkreis abgearbeitet wurden.