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Eva Ehrenfeld, die Geschäftsführerin der Hölderlin-Gesellschaft in Tübingen, beleuchtete das schwierige Verhältnis Hölderlins (rechts) zu seiner Mutter.  Foto: Frommer 

Vortrag in Maulbronn beleuchtet komplizierte Beziehung Hölderlins zu seiner Mutter

Maulbronn. Die Klosterstadt ehrte Friedrich Hölderlin am Donnerstagabend mit einer weiteren Veranstaltung. „Vor 250 Jahren“, so rief Bürgermeister Andreas Felchle bei seiner Anmoderation kurz in Erinnerung, „wurde Hölderlin in Lauffen am Neckar geboren“. Eva Ehrenfeld, die Geschäftsführerin der Hölderlin-Gesellschaft in Tübingen, beleuchtete mit ihrem Vortrag „…und nenne mich Ihren Sohn Hölderlin“ das Verhältnis des Dichters zu seiner Mutter Johanna Christiana Gok, verwitwete Hölderlin (1748–1828).

„Mit dem Literaten Hölderlin setzen sich viele Publikationen auseinander“, machte Eva Ehrenfeld eingangs deutlich. Und: „Der Schriftsteller Peter Härtling sieht auch das Drumherum“. Aus seinen Aufzeichnungen spricht, so Ehrenfeld weiter, Härtlings Bewunderung für diese Frau. Als ihr zweiter Mann stirbt, „ist sie 30; hat noch 50 Jahre vor sich. Ohne Gefährten. Ohne Rat und Rückhalt“. Friedrich, den ältesten Sohn wünschte sie sich als Begleiter und Tröster. Anders als seine beiden überlebenden Geschwister durfte er dank der Geschäftstüchtigkeit seiner Mutter studieren: Sie vergab 170 Kleinkredite und wusste von den Zinsen das Leben ihrer Familie zu bestreiten. Friedrich Hölderlin wünschte sie sich im Priesteramt versorgt. Den Briefwechsel zwischen dem Dichter-Sohn und seiner Mutter schilderte Ehrenfeld als eine Art „Schlagabtausch ihrer Anträge und Friedrichs vorsichtiger Ablehnung“. 52 Jahre führte Johanna Christiana Gok das Ausgabenbuch für Hölderlin. Doch „der Sohn geht ihr verloren“, konstatierte Eva Ehrenfeld in der Maulbronner Stadthalle: „Er greift nach den Sternen. Er veröffentlicht Gedichte. Sie hortet aus Erfahrung: Hat sie ihn schon nicht mehr, so hat sie wenigstens etwas für ihn“, zitierte Eva Ehrenfeld Peter Härtling.

Nicht weniger als 116 Briefe Hölderlins an seine Mutter sind erhalten geblieben. Auch ein einziger der Mutter an den Dichter. Ihre Fragen und Anregungen ließen sich aber, so Eva Ehrenfeld weiter, aus seinen Antworten rekonstruieren. „Ich fürchte“, sagte die Hölderlin-Expertin, „sie hat ihn nicht verstanden“.

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