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Bettina Mettler und Matthias Leyn verfehlten nur knapp die absolute Mehrheit.
Bettina Mettler und Matthias Leyn verfehlten nur knapp die absolute Mehrheit. © PZ-Archiv
08.02.2015

Wahl in Schömberg: Mettler und Leyn knapp an der Mehrheit vorbei

Der Wahlabend in Schömberg war an Spannung kaum zu überbieten. Geradezu nervenzerfetzend war es, wenn Wahlleiter Joachim Zillinger das Ergebnis eines neuen Wahlbezirks vorstellte: Mal hatte Amtsinhaberin Bettina Mettler knapp die Nase vorne, mal zog ihr Konkurrent aus dem Rathaus, Bauamtsleiter Matthias Leyn, um wenige Prozente an ihr vorbei. Schnell war klar: Das wird ganz knapp. Und so war es am Ende auch, als beide Kandidaten praktisch gleichauf lagen. Bettina Mettler erhielt 48,49 Prozent der Stimmen, für Matthias Leyn votierten 48,25 Prozent – ein Unterschied von acht Stimmen.

Den Sprung über die 50-Prozent-Hürde, der im ersten Wahlgang für einen Sieg nötig ist, schafften beide nicht. Nun wird die Wahl im zweiten Anlauf entschieden und die Bürger können am 1. März erneut ihre Stimme abgeben. Dann reicht die relative Mehrheit aus.

Enttäuschte Gesichter

Ein Blick in die versteinerten Gesichter zeigte, wie enttäuscht beide über dieses Ergebnis waren. Sowohl die 44-jährige Rathaus-Chefin als auch der 38-jährige Bauamtsleiter hatten sich bessere Chancen ausgerechnet. „Ich hatte mir gewünscht, es reicht im ersten Wahlgang“, so Mettler. Und Leyn fast wortgleich: „Ich hatte gehofft, dass es reicht.“ Der Bürgermeisterin fehlten zum Teil die Worte, um das Ergebnis zu kommentieren – beispielsweise die Tatsache, dass der Ort praktisch gespalten ist. Während sie noch nach einer Erklärung suchte, meinte der Schömberger Roland Helber an die Adresse der CDU gerichtet: „Das ist die Folge von acht Jahren Dauerwahlkampf.“ Mettler betonte, sie habe sich acht Jahre lang für die Gemeinde eingesetzt und geackert. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“

„Nicht nur Prügel einstecken“

Ihren kämpferischen Wahlkampfstil, bei dem sie auch mit Angriffen auf ihren direkten Konkurrenten und die CDU nicht sparte, verteidigte sie. Sie habe dafür viel Zuspruch bekommen, weil sie ausgesprochen habe, was viele denken, so Mettler. Und ihr Mann Marco ergänzte: „Man kann nicht immer nur die Prügel einstecken.“ Jetzt werde sie sich der Herausforderung stellen und den verlängerten Wahlkampf in Angriff nehmen. Aber zunächst stehe heute ein normaler Arbeitstag an.

Im Rathaus wird sie auch ihrem Konkurrenten begegnen: Der Urlaub, den Bauamtsleiter Matthias Leyn für die heiße Wahlkampfphase genommen hatte, ist vorbei. Eine Erklärung für das Ergebnis hatte der 38-Jährige, der mit seiner Frau und den beiden Kindern ins Rathaus gekommen war, am Wahlabend noch nicht. „Ich habe nicht gedacht, dass es so eng wird“, meinte er. Er werde nun weiter versuchen, die Wähler zu überzeugen, kündigte er an.

Die drei übrigen Kandidaten spielten praktisch keine Rolle. Lothar Lipsky aus Kämpfelbach und Andreas Fischer aus Berlin von der Nein-Idee erhielten nicht einmal ein Prozent der Stimmen. Beide waren übrigens nicht vor Ort, um das Ergebnis zu erfahren. Und selbst der ehemalige Kur-Chef Torsten Zink schaffte es nicht, einen Achtungserfolg zu erzielen: Nur knapp zwei Prozent der Wähler entschieden sich für ihn. Er habe erwartet, dass er eine größere Rolle spiele, meinte der 50-Jährige enttäuscht. „Aber die Bürger haben so entschieden.“ Für ihn werde es ein einmaliger Ausflug in diese Richtung bleiben, betonte Zink, der noch gestern Abend nach München zurück fahren wollte.

Wahlbeteiligung niedriger

Im Rathaus verfolgten zwei Nachbar-Bürgermeister den Wahlabend: Carsten Lachenauer aus Unterreichenbach und Bastian Rosenau aus Engelsbrand, dessen Wiederwahl am kommenden Sonntag ansteht. Neben zahlreichen Bürgern waren auch Vertreter der Schömberger Narrenzunft gekommen. „Wir waren auf einem Umzug, wollten aber wissen, wie die Wahl ausgegangen ist“, meinten sie. Als erster Wahlbezirk lieferte der kleinste Ortsteil Oberlengenhardt bereits gegen 18.15 Uhr seine Ergebnisse. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 54 Prozent – deutlich weniger als bei der letzten Wahl vor acht Jahren. Damals gaben mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Eine Erklärung dafür hatte Wahlleiter Joachim Zillinger. „Wir hatten am Vormittag eine geschlossene Schneedecke.“ Das habe vielleicht so manchen davon abgehalten, ins Wahllokal zu gehen. „Auch, wenn das Wetter am Nachmittag dann schön war.“

Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 54,06 % (3359 Wähler von 6214 Wahlberichtigten). Nur 22 Stimmen waren ungültig.