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Der Eine geht, die Andere kommt: Bürgermeister Jürgen Kurz beglückwünschte Birgit Förster als seine Nachfolgerin an der Rathausspitze von Niefern-Öschelbronn. Sie wurde überraschend gleich im ersten Wahlgang mit 52,9 % gewählt. © Ketterl
Bürgermeister Jürgen Kurz im Gespräch mit seiner Nachfolgerin Birgit Förster bei der Wahlveranstaltung im Ameliussaal. © Ketterl
Stimmenauszählung: Sieben Kandidaten standen auf den Wahlzetteln der Bürgermeisterwahl in Niefern-Öschelbronn. © Ketterl
Bürgermeister Jürgen Kurz hat nach 38 Jahren im Amt auf eine Wiederwahl verzichtet. Foto: Tilo Keller, Archiv © Tilo Keller
08.05.2016

Wahl-Liveticker zum Nachlesen: Birgit Förster beerbt Jürgen Kurz

Er wirft einen langen und breiten Schatten: Jürgen Kurz war vier Jahrzehnte lang Bürgermeister in Niefern-Öschelbronn. Seit Sonntagabend weiß man, wer die Nachfolge antritt. Bei der Bürgermeisterwahl hatten sieben Kandidaten um den Chefsessel von Schultes Kurz, der auf eine Wiederwahl verzichtet hatte, gekämpft. Gewonnen hat Birgit Förster mit 52,9 % gleicht im ersten Wahlgang. 

Bildergalerie: Birgit Förster gewinnt Bürgermeister-Wahl in Niefern-Öschelbronn

Im Wahl-Liveticker von PZ-news können Sie die letzten zwei Stunden vor der Ergebnisverkündung im Ameliussaal in Niefern nachlesen.

--------- LIVETICKER ---------- 

Nachtrag: Die Wahlbeteiligung lag bei 48,66 %

Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihr Interesse am Wahl-Liveticker und möchten auf die Montagausgabe der "Pforzheimer Zeitung" verweisen, in der ausführlich über Hintergründe der Wahl berichtet wird und Kommentare von Wahlinsidern zu lesen sein werden. 

Da hat sich die frisch gewählte Bürgermeisterin viel vorgenommen. Aber sie hat ja auch rund acht Jahre Zeit, um das alles zu verwirklichen. Viel wird davon abhängen, wie sich die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat entwickelt, wie sehr einzelne Fraktionen kooperieren oder sich quer legen. Auch ganz wichtig: Birgit Förster muss in Niefern und Öschelbronn die Herzen der Bürger gewinnen. 

Was will Birgit Förster, wie sieht sie ihre Aufgabe, wo liegen die Hauptaufgabenbereiche in Niefern-Öschelbronn? Da ist das Wort von der "Mitmach-Gemeinde" gefallen. Ihre Aussage: Das Rathaus soll Impulsgeber und Impulsnehmer für Ideen und eine zentrale Anlaufstelle für alle sein. Als Bildungsstandort müsste Niefern-Öschelbronn weiter ausgebaut werden. Da Gewerbeflächen begrenzt seien, müssten die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Standortsicherung der heimischen Firmen Vorrang haben. Und dann will Birgit Fischer noch an der optischen Präsentation der Gemeinde arbeiten und eine Wohlfühlatmosphäre in der Gemeinde schaffen.

Bei der Ergebnisverkündung gab es viel Beifall für die Wahlsiegerin, die danach reichlich Hände schütteln musste. Niefern-Öschelbronn hat sich klar entschieden. Nach 40 erfolgreichen Jahren mit Jürgen Kurz an der Rathausspitze soll nun eine Frau die Chance bekommen, die Geschicke der Gemeinde zu lenken. Die nächsten Monate werden zeigen, ob es einen klaren Kurswechsel oder einen völlig neuen Politikstil in Niefern-Öschelbronn geben wird. 

 

Stimmen

%

Förster, Birgit

2.397

52,74

Wilhelm, Alfred

184

4,05

Walter, Stephan

168

3,70

Raus, Guerreiro

90

1,98

Schmid, Viktoria

355

7,81

Klempin, Marcus

825

18,15

Stiel, Richard

453

9,97

Sonstige

73

1,60

Wer den Wahltag nach 18 Uhr verfolgt hat, konnte nicht unbedingt erwarten, dass es nur einen Wahlgang gibt. Gut möglich, dass der Nieferner Markus Klempin bei den Öschelbronnern doch nicht so gut ankam wie in Niefern. Das wäre eine Erklärung, warum der Vorsprung von Birgit Förster so groß ist und es keine wenigstens halbwegs gleichteilige Stimmenhäufung für beide gab.

Endlich. Die große Überraschung. Birgit Förster hat mit 52,9 % die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang erreicht und wird neue Bürgermeisterin von Nieferm-Öschelbronn.

Die Gerüchteküche brodelt inzwischen. Was wir mit gutem Gewissen weitergeben können, ist das, was im Grunde schon unten aufgeführt wurde. Birgit Förster und Markus Klempin dürfen mit einem guten Ergebnis rechnen. Bislang gibt es auch nur einen bekannten Grund, warum die Auszählung so lange dauert. Bürgermeister Kurz hat die hohe Anzahl von Briefwählern als Ursache für die Verzögerung genannt. Oder gibt es doch ein so knappes Rennen, dass ein Kandidat an die 50-%-Marke herankommt und nachgezählt wird, wie schon im Ameliussaal behauptet wurde?

Dass die Wahlveranstaltung im Ameliussaal keine Wahlparty ist, kann man vielleicht daran ablesen, dass hier kein Alkohol ausgeschenkt wird. Aber dafür liegt eine Spannung in der Luft, die mit jeder Minute Warten größer wird. Und: Die Bürger harren aus

Geht man nach der positiven Ausstrahlung und dem Lächeln der Kandidaten, scheint Birgit Förster ganz weit vorne zu landen. Sie wird auch sehr oft angesprochen. Doch Genaues weiß sie erst, wenn Jürgen Kurz das Ergebnis vorstellt.

Die Warterei und Anspannung kennen Mario Weisbrich aus Wimsheim und Luca Wilhelm Prayon aus Remchingen nur zu gut. Auch sie wurden einst als Bürgermeister gewählt und hofften bei der Ergebnisverkündung auf den Spitzenplatz.

19.05 Uhr. Bürgermester Jürgen Kurz tritt ans Mikrofon. Atem anhalten, Ohren gespitzt - und dann gibt es doch noch keine Erlösung für die ganz besonders Neugierigen im Ameliussaal. Kurz bittet um etwas Geduld. Das Auszählen der vielen Briefwahlstimmen dauert noch etwas.

Hoffentlich ist bei der Auszählung alles ruhig gelaufen. Aber noch liegt die Bürgermeister-Wahl in Niefern-Öschelbronn gut in der Zeit. Auch der Nein-Idee-Kandidat ist inzwischen im Ameliussaal eingetroffen. Mit einem dicken Stimmenpaket darf er allerdings nicht rechnen. 

"Spannender als ein Tatort." Eine Bürgerin bringt die Stimmung im Ameliussaal auf den Punkt. 

Warten. Warten. Warten. Das gilt auch für Hans-Ulrich Rülke, FDL-Landtagsfraktionsvorsitzender, und Erik Schweickert, stellvertretender Bürgermeister und Landtagsabgeordneter, sowie die Bürgermeister Helge Viehweg aus Straubenhardt, Heiko Faber aus Kieselbronn und Jörg-Michael Teply aus Wurmberg.

Es wird also doch ein bisschen später als die angekündigten 18.45 Uhr für die Ergebnisverkündigung. Es sollen etwa 400 Besucher im Ameliussaal darauf warten.

Der Ameliussaal ist sehr gut gefüllt, bis auf Alfred Wilhelm (Nein-Idee) sind alle Kandidaten vor Ort, dazu zahlreiche Bürgermeister aus dem Enzkreis, die einen möglichen Kollegen schon einmal vorab in Augenschein nehmen wollen. Die Spannung steigt.

Wie sehr wird sich das Wahlergebnis von Niefern und Öschelbronn unterscheiden? Zählen heutzutage noch alte Animositäten? 

Rund 150 Besucher hat PZ-Redakteur Gerhard Ketterl bereits im Ameliussaal gezählt. Tendenz steigend. Die Bürger erwarten gegen 18.45 Uhr das Wahlergebnis. Birgit Förster strahlt und unterhält sich angeregt mit den Anwesenden. 

Die Zuspitzung in Niefern auf die beiden Kandidaten Birgit Förster und Markus Klempin könnte wohl dazu führen, dass ein zweiter Wahlgang notwendig wird, wenn sie zwei starke Bewerber die Stimmen streitig machen.

Unterdessen erhält Jürgen Kurz immer mehr Stimmen. Für einen Überraschungssieg des Noch-Bürgermeisters, der nicht mehr kandidieren wollte, wird es aber wohl nicht langen. Eine Stimme gab es in Niefern bislang für den katholischen Pfarrer.

Im Augenblick haben wir nur zwei Stimmbezirke in Niefern im Blick. Das könnte für Markus Klempin ein Vorteil sein. Ob er als Nieferner auch bei den Öschelbronnern punktet, wird sich erst noch zeigen.

Gemeinderat Richard Stiel scheint gute Chancen zu haben, auf dem dritten Platz zu landen.

Die zweite Frau im Rennen um den Chefposten im Rathaus, die frühere Landtagsabgeordnete Viktoria Schmid, konnte von ihrem Politikerbonus bislang nicht profitieren. Ihr Stimmenstapel zählt nicht zu großen in der Runde. Das gilt auch für Stephan Walter vom Regierungspräsidium, der die Wähler offenbar nicht besonders nachhaltig begeistern konnte.

Nur ein erster Eindruck, eine Momentaufnahme mit eventuell begrenzter Haltbarkeit: Im Wahlbezirk 1 in der Grundschule Niefern wird der Stimmenstapel für Markus Klempin aus Niefern größer als die Stapel der anderen sechs Kandidaten. Im Wahlbezirk 2 dagegen wächst der Stapel von Birgit Förster aus Altensteig sehr deutlich. 

Jetzt wird ausgezählt. Die Wahlbeteiligung ohne Briefwähler liegt so im Schnitt bei 40 %. Jürgen Kurz hat bereits eine Stimme bekommen, auch wenn er nicht auf dem Wahlzettel stand. Aber die Bürger haben das Recht, eigene Kandidatennamen aufzuführen.

Der letzte große Wählerschwung in der letzten Stunde vor dem Schließen der Wahllokale ist ausgeblieben. War das Wetter zu schön? Oder ist der Zweitliga-Fußball im Fernsehen wichtiger? 

"Wie beim VfB Stuttgart: Die Hoffnung stirbt zuletzt." Mit diesem Spruch verweist ein Nieferner Wähler auf die Möglichkeit, im zweiten Wahlgang eventuell neue Kandidaten zur Wahl zu haben. So richtig gut fand er die sieben Kandidaten, die am Sonntag auf dem Wahlzettel standfen, wohl nicht. Von Montag, 9. Mai bis Donnerstag, 12. Mai können sich noch neue Bewerber für den zweiten Wahlgang anmelden.

PZ-Redakteur vor Ort, Ralf Steinert, hat mit einigen Wählern gesprochen. Das große Thema sei gewesen: Gibt es einen zweiten Wahlgang? Der wäre am Sonntag, 5. Juni. 

Wie hoch wird die Wahlbeteiligung ausfallen? In der Grundschule Niefern hängt im Wahllokal ein DIN-A4-Blatt, auf dem um 17 Uhr scheinbar magere 43 % angegeben sind. Aber: Erstens dürften noch bis 18 Uhr einige Wähler kommen, die das gute Wetter für ihr Freizeitvergnügen genützt haben und zweitens kommen ja noch die Briefwahl-Stimmen dazu. Und bei 1312 Briefwählern von 9457 Wahlberechtigten sieht in der Summe nach einer hohen Beteiligung der Wahlbürger aus.

Bürgermeister Kurz wird als Leiter des Gemeinde-Wahlausschusses bei der Verkündigung des Wahlergebnisses seinem eigenen Nachfolger gratulieren können.

In der Regel gilt, dass bei einer größeren Anzahl von Kandidaten meistens erst im zweiten Wahlgang eine Entscheidung fällt. Aber es gibt auch Ausnahmen. Wenn kein Bewerber um den Chefsessel im Rathaus von Niefern-Öschelbronn am Sonntag die 50 % plus mindestens eine Stimme holt, wird es in einem zweiten Wahlgang einen Gewinner geben.

Sieben Kandidaten, Ortsansässige und Externe, stehen zur Auswahl, darunter sind zwei Frauen. Da hat man als Bürger von Niefern-Öschelbronn wohl die Qual der Wahl.

Als die Wähler ihn 2009 zum fünften Mal bestätigten, fehlte das Salz in der Suppe: Jürgen Kurz, Bürgermeister von Niefern-Öschelbronn, hatte keinen Gegenkandidaten.

Jetzt aber wird es richtig spannend – 9457 Wahlberechtigte in der Gemeinde konnten am Sonntag den Gang an die Urnen antreten. Bis um 18 Uhr können noch Kreuzchen hinter den Kandidatennamen gemacht werden.