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Hier geht’s steil bergab: Blick auf eine Naturverjüngungsfläche Richtung Würmtal: Revierförster Martin Fischer (rechts) mit dem Vorsitzenden des Genossenschaftswaldes Hamberg, Helmut Sickinger, samt Karte vom „Wald der 52 Bürger“. Foto: Marx
Hier geht’s steil bergab: Blick auf eine Naturverjüngungsfläche Richtung Würmtal: Revierförster Martin Fischer (rechts) mit dem Vorsitzenden des Genossenschaftswaldes Hamberg, Helmut Sickinger, samt Karte vom „Wald der 52 Bürger“. Foto: Marx
Helmut Sickinger am Brüderbergweg mit Magazin für die Nummerierplättchen, die er an den gefällten Stämmen anbringt. Foto: Marx
Helmut Sickinger am Brüderbergweg mit Magazin für die Nummerierplättchen, die er an den gefällten Stämmen anbringt. Foto: Marx
03.03.2017

Waldmanagement: Hamberger Genossenschaft lässt komplette Betriebsführung machen

Neuhausen-Hamberg. Der Förster als Servicedienstleister: Auch so kann man die vielfältige Tätigkeit von Martin Fischer interpretieren. Der Leiter des Reviers Neuhausen-Nagoldtal kennt Land und Leute seit über 30 Jahren. Mehr noch. Sein Beruf ist für Fischer Berufung und er sucht das persönliche Gespräch mit allen Waldnutzern.

Eine feste Sprechstunde ohne Voranmeldung im Rathaus von Neuhausen (immer donnerstags zwischen 17 und 18 Uhr, außer in den Schulferien) erleichtert die Kontaktaufnahme mit Fischer. Er weist darauf hin, dass das Landeswaldgesetz eine fachliche Förderung der Privatwaldbesitzer ermögliche. Etwa durch eine kostenfreie Beratung oder durch eine günstige Betreuung. Bei der Betreuung kann der Betreffende eine „Vollmacht für Tätigkeiten der fallweisen Betreuung im Privatwald“ ausfüllen. Dieses gestaltet sich in Modulbauweise, das heißt, der Waldbesitzer kann sich genau die vertraglichen Bausteine heraussuchen, die ihm genehm sind. Wählt der Privatwaldbesitzer das Komplettpaket, wird das Holz in seinem Auftrag auch verkauft, was unterm Strich bedeutet, dass er nur noch seine Kontonummer angeben muss und ansonsten mit seinem Wald nicht mehr viel am Hut hat.

Tatsächlich gleichen die Besitzverhältnisse im Privatwald aufgrund des hiesigen Realteilungsrechts einem Flickenteppich. Hinzu kommt der sozioökonomische Wandel: Künftige Erbengenerationen sind in einer globalisierten Arbeitswelt gar nicht mehr in der Lage, selber vor Ort einzugreifen und daher froh, dass sich eine kompetente Institution um die Verwaltung kümmert. Welche Folgen sich aus dem laufenden Kartellrechtsverfahren nicht nur für die Holzvermarktung, sondern auch andere Dienstleistungen des staatlichen Forstes ergeben, wird sich in Kürze ergeben. Tatsächlich sind die Angebote für Privatwaldbesitzer aktuell auch deshalb so kostengünstig, weil sie de facto vom Land subventioniert werden. Das, so Fischer, entspreche freilich auch dem gesamtwirtschaftlichen Interesse des Landes, aus einem kleinparzelligen Privatwald Nutzholz entnehmen zu können.

Auch wer keine Betreuung, sondern nur Tipps bei einem konkreten Anlass suche, könne die Forstexperten als Anlaufstelle aufsuchen. Im Erbfall sei zwar ausdrücklich ein Waldwertgutachten ausgeschlossen, sehr wohl könne aber eine vorsichtige Schätzung vorgenommen werden. Auch das sei für eine erste Einordnung für Erben wichtig, die sich vorher womöglich noch nie mit dem Thema Wald beschäftigt hätten. Aufgrund der Kleinteiligkeit der Privatbesitzverhältnisse im Forst könne der Förster zwar keine Grenzen ziehen, aber immerhin dabei behilflich sein, Grenzen überhaupt ansatzweise zu finden, erläutert Fischer. Dass die Grundbuchämter zentralisiert worden seien, erschwere leider die Arbeit. Der Leiter des Reviers Neuhausen-Nagoldtal sagt, dass es Jahrzehnte dauert, bis man das Vertrauen der Privatwaldbesitzer gewonnen habe. Beim Treffen mit der „Pforzheimer Zeitung“ mit Helmut Sickinger von der Waldgenossenschaft Hamberg unterstreicht der Vorstand, dass man früher in einem Förster einen Beamten gesehen habe. Glücklicherweise habe man es bei Fischer mit einem Menschen zu tun, mit dem man schwätzen könne und der das Vertrauen auch der Waldgenossenschaft besitze.