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Sieht so unschuldig aus: Waschbären sind sehr intelligent – und verleiben sich als Allesfresser alles Mögliche ein.
Sieht so unschuldig aus: Waschbären sind sehr intelligent – und verleiben sich als Allesfresser alles Mögliche ein. © Chiriko (dpa)
27.05.2009

Waschbär tötet in Öschelbronn mehrere Haustiere

NIEFERN-ÖSCHELBRONN. Ein Waschbär treibt in Öschelbronn sein Unwesen. So possierlich das Tier auch aussehen mag: Drei Kaninchen und ein Meerschweinchen sind dem Mini-Bären bereits zum Opfer gefallen.

Familie Breinlinger ist das Lachen inzwischen vergangen, wenn das Gespräch auf Waschbären kommt. Immer wieder hatten die Breinlingers im Lauf der vergangenen Woche ungebetenen Besuch, berichtet Herbert Breinlinger. Der Waschbär brach ins Kaninchengehege ein und tötete mehrere Tiere, auch ein Meerschweinchen zerfetzte er. Die Bohnensamen buddelte das Tier aus dem Gemüsebeet – und wagte sich mittlerweile über die Terrasse einmal sogar bis ins Wohnzimmer der Breinlingers. Große Sorgen macht sich die Familie wegen des forschen Gastes zwar nicht. Aber es sei schon länger bekannt, dass der Waschbär in Öschelbronn unterwegs sei, sagt Herbert Breinlinger: „Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir wenigstens unsere Tiere über Nacht ins Haus genommen.“

Jetzt hat Breinlinger eine Falle aufgestellt. Geht der Waschbär da hinein, könnte er im Pforzheimer Wildpark ein neues Zuhause finden. Diese Möglichkeit will Wildparkförster Carsten Schwarz zumindest prüfen. Sollte es sich bei dem Tier um eine Fähe, also ein Weibchen, mit Jungen handeln, müsste er es wieder laufen lassen – der Schonzeit wegen. Auch geschossen werden dürfen die Waschbären deshalb zurzeit nicht, sagt der Öschelbronner Revierförster Uli Schiz. Wo der Waschbär herkommt ist unbekannt. Wildparkförster Schwarz stellt allerdings klar: „Bei uns ist der nicht ausgebüxt.“ Eigentlich stammen die Kleinbären aus Amerika. Im letzten Jahrhundert wurden viele Waschbären nach Europa eingeführt, um sie in Pelztierfarmen zu züchten. Einige sind daraus entflohen, andere wurden absichtlich freigelassen, um sie in freier Wildbahn zu jagen. Heute sind sie in fast ganz Deutschland anzutreffen. Und sie sind – auch von Gesetzes wegen – ein Bestandteil der heimischen Tierwelt geworden. Im nordhessischen und südniedersächsischen Raum sowie in Brandenburg liegen die Schwerpunkte ihrer Verbreitung. Dort sind sie teilweise zu einer richtigen Plage geworden.

Andernorts längst eine Plage

Das kann Frank Becker aus Kassel bestätigen. Dort richten Waschbären mittlerweile „Schäden in fünfstelliger Höhe“ an, wenn sie sich etwa unter den Dächern von Wohnhäusern einmal eingenistet haben. Der Inhaber eines Forstbetriebes hat sich darauf spezialisiert, die Tiere wieder zu vertreiben. Herr werden könne man der Plage schon gar nicht mehr, glaubt Becker: „Dass ein Waschbär hier durch einen Garten marschiert, das ist längst normal.“ Und wundert sich darüber, dass es in Öschelbronn „nur einen“ Waschbären geben soll. Davon ist derzeit noch auszugehen. Allerdings bekommen die Pelztiere etwa Anfang April zwei bis fünf Junge. Wäre das im Öschelbronner Fall so, würde der Nachwuchs sich voraussichtlich in den ersten Juni-Tagen in der Öffentlichkeit blicken lassen – vermutlich auf dreister Ausflugstour zusammen mit der Frau Mama.

www.waschbaerschutz.de