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Trotz des relativ kühlen und teilweise regnerischen Wetters hatten sich viele Besucher des Kelterner Weinwandertags auf zu einem Spaziergang durch die Reblagen gemacht.  Foto: Ossmann 
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Wie andere Winzer so warteten beim Kelterner Weinwandertag auch Rudi Armbruster und Ehefrau Rita vom Weingut Weinstein mit verschiedenen Weinspezialitäten und Gaumengenüssen auf.  Foto: Ossmann 

Weinwandertag in Keltern: Edle Tropfen, klare Worte und ein Naturerlebnis

Keltern. Nicht gerade ungetrübte Stimmung herrscht derzeit bei den heimischen Winzern – das lag beim Weinwandertag in Keltern am Sonntag aber nicht nur an dem kühlen und wechselhaften Wetter. Vielmehr plagen die Weinerzeuger derzeit auch andere Probleme. Zum einen ist dies der in diesem Jahr bei weitem hinter dem Rekordergebnis von 2018 liegende Ertrag und zum anderen das Thema Bienensterben, genauer gesagt, das Volksbegehren Artenschutz – „Rettet die Bienen“.

Ernteausfall als schlimme Folge

Wenngleich die Thematik mit dem Weinwandertag aktuell nur indirekt etwas zu tun hatte, so wies doch schon bei der Eröffnung der Organisator und Hobbywinzer Walter Appenzeller darauf hin, dass bei entsprechendem Gesetzesbeschluss der Weinbau quasi vernichtet würde. Mit diesen drastischen Worten wies er darauf hin, dass dann unter anderem keine Pflanzenschutzmittel in bestimmten Gebieten und Reblagen ausgebracht werden dürften. Somit gäbe es keine Möglichkeiten, die Reben gegen Pilzkrankheiten zu schützen – auch nicht mit biologischen Mitteln. Die Folgen wären 100 Prozent Ernteausfall und das Ende des Weinbaus. Dabei unterstrich der Grünen-Ortsvereinsvorsitzende und ehemalige Grünen-Gemeinderat Walter Appenzeller, dass man keineswegs gegen Insekten oder Bienen sei, aber das Thema müsse differenziert betrachtet und behandelt werden, um „das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten“.

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Trotz Regen: Kelterner Weinwandertag zieht viele Interessierte an

Auch Kelterns Bürgermeister Steffen Bochinger, der zusammen mit Weinkönigin Nadine und Weinknecht den Weinwandertag eröffnete, stimmte Appenzeller zu und ergänzte: „Wichtig ist es, die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren, um das Kulturgut Weinbau zu erhalten.“ Welche Arbeit und welche Bemühungen die Winzer für den heimischen Rebensaft unternehmen, verdeutliche Alexander Deeg bei der ersten geführten Wanderung durch die Weinberge. Trotz einsetzendem Nieselregens lauschten die Teilnehmer aller Altersklassen den Ausführungen und konnten anschließend an zahlreichen Ständen die Vielfalt des heimischen Weinbaus genießen. Wenngleich wegen der kühlen Witterung und des Niederschlags in diesem Jahr nicht so viele Weinliebhaber wie die Jahre seither gekommen waren – die Winzer und ihre Helfer waren trotzdem zufrieden. Und zwar zufrieden, mit den Weintrinkern und Weinliebhabern ins Gespräch gekommen zu sein und mit den vielfältigen Weinspezialitäten und Gaumengenüssen, die ihnen viel Freude bereitet zu haben. Heitere Stimmung war dann der Dank der Besucher dafür.

53. Weinfest in Keltern kommt trotz gewisser Improvisation gut an

Auf eine zweite Amtszeit konnte der Vorsitzende des Musikvereins Ellmendingen, Marco Kronenwett, mit Kelterns Weinkönigin Nadine beim 53. Weinfest anstoßen – dieses Mal vor der historischen Kelter. Was als Novum in die Geschichte des Ortes eingehen wird, könnte vielleicht längeren Bestand haben. Da die Winzerhalle, in der seither gefeiert wurde, wegen baulicher Mängel und des für die Gemeinde verloren gegangenen Rechtsstreits (die PZ berichtete) aktuell nicht zur Verfügung stand, wurde anstatt drei Tage in der Winzerhalle nun zwei Tage auf der Straße vor der Alten Kelter, in der etwa 100 Personen fassenden Kelterhalle und einem 150-Mann-Zelt gefeiert. Wenngleich es beim Fest tagsüber noch gewisse Platzreserven gab, war es am Abend gut besucht. Gleich zu Beginn am Samstagnachmittag konnte der Ellmendinger Musikverein zwei weitere Premieren bekanntgeben. So wird in der laufenden Saison der Weinkönigin Nadine nun auch ein Weinknecht zur Verfügung stehen. Tobias Kern heißt er, ist 21 Jahre alt, waschechter Ellmendinger und studiert derzeit in Ingolstadt Elektrotechnik und Elektromobiliät. Er spielt – wie auch Weinkönigin Nadine – im Ellmendinger Blasorchester und wird sie nun bei offiziellen Anlässen begleiten. Eine weitere Neuerung beim Weinfest gab es mit der Premiere des Musikvereins Dillweißenstein unter Vizedirigent und Vorsitzendem Oliver Hiller. Mit insgesamt vier weiteren Blasorchestern und mit Musik von DJ „Ups“ genossen Jung und Alt das zweitägige Fest. Wo und wie das Weinfest 2020 gefeiert wird, konnte allerdings weder Kronenwett noch Kelterns Bürgermeister Steffen Bochinger, der am Sonntag den Kelterner Weinwandertag eröffnete, zum jetzigen Zeitpunkt beantworten. Einhellig gelobt wurde jedoch die Tatsache, dass trotz der gewissen Improvisation bei der Festausrichtung und des nur mäßigen Wetters das weithin bekannte Weinfest nur wenig von seiner Anziehungskraft verloren habe.