nach oben
Knieoperation in der RKH-Klinik Markgröningen: Für solche planbaren Eingriffe fahren Patienten gerne auch weit zu Spezialisten. Foto: rkh-kliniken
Knieoperation in der RKH-Klinik Markgröningen: Für solche planbaren Eingriffe fahren Patienten gerne auch weit zu Spezialisten. Foto: rkh-kliniken
10.02.2018

Weiter Weg zum besten Krankenhaus

Enzkreis/Stuttgart. Die Kliniklandschaft verändert sich nicht nur im Enzkreis rasant. Wenn sich die Häuser spezialisieren, müssen Patienten weiter anreisen.

Die CDU-Kreistagsfraktion löchert die Spitzen der Regionalen Kliniken Holding (RKH) und des Krankenhauses Mühlacker am Donnerstagabend mit Fragen – als Vorbereitung zu einer Klausur im Frühjahr, bei der die Kreisräte formal die 14 Jahre alte Weichenstellung für eine Klinikzukunft in öffentlicher Hand bestätigen müssen. Am selben Tag liefern sich Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne), AOK-Landeschef Christopher Hermann und der Tübinger Medizinethiker Urban Wiesing im Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs vor Pressevertretern bei der Initiative Tageszeitung ein emotionales Duell um die Frage, wie fit die Krankenhäuser für die Zukunft eigentlich sind.

Zwei ganz unterschiedliche Gesprächsrunden, die zeigen, wie stark die Krankenhauslandschaft in Bewegung ist. Angeheizt vom Dauerdruck knapper Finanzen und roter Zahlen. Befeuert von wissenschaftlichen Untersuchungen, die zeigen, dass Patienten in großen medizinischen Zentren mit spezialisierten Ärzten und neuester technischer Ausstattung auf bessere Behandlungsergebnisse zählen können. Und beschleunigt von Anstrengungen von Klinikgesellschaften, Leistungen zu konzentrieren und in immer größeren Netzwerken abzustimmen.

In Ländern mit radikal anderen Krankenhausstrukturen wie Dänemark fahren Patienten zum Beispiel weit für eine möglichst gute Behandlung. Sie gehen in ganz wenige, riesige Klinikzentren. Würde man dieses System auf Deutschland übertragen, meint Medizinethiker Wiesing, bräuchte man bundesweit 330 Krankenhäuser – tatsächlich sind es rund 1950. Die AOK hat eine Forsa-Studie in Auftrag gegeben, die zeigt, dass Patienten gerne für hohe Qualität weit fahren – wenn es um geplante Eingriffe wie eine Knie-OP geht. Das beste Beispiel ist das hoch spezialisierte Gelenkzentrum Schwarzwald in Neuenbürg und bald auch Mühlacker. Viele Patienten kommen aus einem Umkreis von 40 Kilometern dorthin.

Diese Spezialklinik, da ist sich etwa Aufsichtsratsmitglied und CDU-Kreistagsfraktionschef Günter Bächle sicher, hat damit seit 2016 das einst todgeweihte 82-Betten-Haus in Neuenbürg vor der Schließung gerettet. Allerdings: Patienten sind wankelmütige Wesen, wie die aktuelle Studie auch zeigt. Bei akuten Leiden wollen sie doch lieber ins nächstgelegene Krankenhaus.

Mehr lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.