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Ansturm auf Staatsanwalt Philipp Zinkgräf (links) nach dem Freispruch für Harry Wörz: Der Ankläger will erst das schriftliche Urteil des Landgerichts Mannheim durchlesen, bevor er über weitere Schritte entscheidet.
Umstrittener Fingerling eines Einweghandschuhs in der Opfer-Wohnung: Für das Mannheimer Gericht hatte das Teil mit DNA-Spuren von Wörz keinen Bezug zur Tat.
23.10.2009

Wendung im Wörz-Fall: Polizist in Innendienst versetzt

BIRKENFELD/MANNHEIM. Die Pforzheimer Polizei zieht nach dem Freispruch für Harry Wörz die Konsequenzen. Der Polizist Thomas H., den das Gericht als neuen Hauptverdächtigen ansah, wurde in den Innendienst versetzt.

Bildergalerie: Urteil im Harry-Wörz-Prozess: Freispruch

Die Polizeidirektion Pforzheim sei nach dem Urteil des Landgerichts Mannheim im Wörz-Prozess auf einer Gratwanderung, so Leiter Burkhard Metzger. Was tun mit einem Beamten des Streifendiensts, den die Richter unverblümt als den Täter benannten, der im April 1997 seine Geliebte, die Ex-Frau von Wörz, töten wollte?

„Eine vorschnelle Festlegung und eine Vorverurteilung, die im Lauf des Verfahrens verschiedenen Seiten vorgeworfen wurde, will ich nicht vornehmen“, so Metzger. Den 50-jährigen Beamten aber unter diesem Verdacht weiter in seinem Revier auf Streife schicken? Das ging nicht mehr. „Im operativen Dienst kann er zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr eingesetzt werden“, sagte Polizeichef Metzger. Er ordnete gestern an, Thomas H. in den Innendienst zu versetzen.

„Schnelle Klärung wichtig“

Richter Rolf Glenz hatte angekündigt, die Kammer werde den Tatverdacht gegen den Polizeibeamten im schriftlichen Urteil noch genauer erläutern. „Der Polizei ist eine schnelle Klärung der Vorwürfe wichtig“, erklärte der Leiter der Polizeidirektion. „Wir werden die Arbeit der Staatsanwaltschaft, wenn das erforderlich sein sollte, jederzeit rasch und konstruktiv unterstützen“, so Burkhard Metzger.

Wer das Heft in die Hand nimmt, ist noch nicht geklärt. Staatsanwalt Philipp Zinkgräf aus Mannheim sagte nach der Urteilsverkündung, zuständig seien seine Kollegen in Pforzheim. Gestern hat sich die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe eingeschaltet. Frühestens nächstes Jahr könne gegen den Beamten ermittelt werden. Erst wenn die schriftliche Begründung vorliege, werden Schritte geprüft, sagte Jürgen Gremmelmaier von der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe. Die Frist dafür beträgt elf Wochen. Falls gegen Thomas H., der schon kurz nach der Tat neben Wörz zum Kreis der Verdächtigen gehört hatte, erneut ermittelt werde, werde man möglicherweise die Staatsanwaltschaft Karlsruhe mit den Ermittlungen betrauen und nicht die Außenstelle in Pforzheim, so Gremmelmaier.

Nachdem der Pforzheimer Polizeichef Holger Trunk bereits 2005 öffentlich Pannen bei der Spurensicherung bestätigt hatte, räumte gestern auch Burkhard Metzger Fehler „in der ersten Phase“ ein – „so hätten der Tatort versiegelt, Tatverdächtige früher festgenommen und die Sachbearbeitung von einer anderen Dienststelle übernommen werden müssen.“ Die Kripo habe damals vermutet, das Opfer Andrea Z., eine Polizeikollegin, werde aufwachen und den Täter dann benennen.

Hans Jäger, zuständiger Dezernent der Kriminalpolizei war Ende April 1997 im Urlaub, als die Ermittlungen begannen. „Als er den Fall übernahm, ist jedoch genau und mit der erforderlichen Professionalität gearbeitet worden“, so Metzger.

Diese Ermittler haben in den vergangenen zwölf Jahren schwierige Fälle aufgeklärt, so die Polizei. Da war der Brand im Pforzheimer „Bajazzo“, als sich herausstellte, dass der Gastronom seine Räume angezündet hatte. Da wurde ein Doppelmord in Pforzheim aufgeklärt – ein Finanzberater wollte ans Geld eines Rentner-Ehepaares kommen. Auch nach einem Raubüberfall auf dem Pforzheimer Buckenberg seien die Täter rasch ermittelt worden. „Die Beamten aus der Wörz-Ermittlungsgruppe, die heute noch bei der Polizei sind, haben mein volles Vertrauen und seit 1997 bewiesen, dass sie es verdienen“, sagt Metzger.