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Stress im Arbeitsalltag, körperliche Belastung und wenig Freizeit bringen meist schlecht bezahlte Berufe in der Gastronomie mit sich. Foto: Symbolbild dpa

Wenn die Nachteile im geliebten Job überwiegen: Der Alltag einer Servicekraft

Nordschwarzwald. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) übte vergangene Woche deutliche Kritik am Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), die PZ hat berichtet. Durch immer längere Arbeitszeiten werde die Gesundheit der Beschäftigten aufs Spiel gesetzt, kritisiert die NGG Region Stuttgart in einer Pressemitteilung.

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Anlass für das Schreiben sind die laut Statistischem Bundesamt gestiegenen Übernachtungszahlen im Nordschwarzwald. Diese starke Bilanz, so NGG-Geschäftsführer Hartmut Zacher, sei nur mit dem starken Engagement der Beschäftigten möglich. Gleichzeitig hat die Branche ein Nachwuchsproblem. Doch sind die Arbeitsbedingungen für Köche und Servicekräfte im Nordschwarzwald tatsächlich so besorgniserregend, wie von der Gewerkschaft angeprangert? Eine Teilzeitkraft, die in einem Hotel im Verbreitungsgebiet der PZ-Nordschwarzwald-Ausgabe arbeitet, berichtet im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“ von ihrem Berufsalltag. Sie möchte anonym bleiben, um berufliche Nachteile zu vermeiden.

Die Frau ist zweifache Mutter und arbeitet als Servicekraft hauptsächlich an den Wochenenden. Aber auch unter der Woche springt sie in dem kleinen Hotel ein, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Seit 17 Jahren ist sie in der Gastronomie tätig. „Ich habe schon alles gemacht, von der Spitzengastronomie bis zum Dönerschneiden“, sagt sie und lacht. Sie liebe ihren Beruf, auch wenn er einige handfeste Nachteile habe. Ein geringes Gehalt (sie verdient 9,20 Euro pro Stunde), Wochenendarbeit, Überstunden, kaum Freizeit und eine enorme körperliche Belastung nennt sie als Stichworte. Dabei sei sie inzwischen in der guten Lage, nur noch Teilzeit zu arbeiten. „Die Vollzeitkräfte haben es noch viel schwerer. Ich bin hier die harmlose Variante“, betont sie. Nicht selten hätten die Kollegen Arbeitstage, an denen sie zwölf bis fünfzehn Stunden auf den Beinen seien.

„Was wir leisten, wird finanziell nicht anerkannt“, kritisiert sie. Dies betreffe nicht nur die Servicekräfte, auch die Köche stünden unter einer Dauerbelastung – vor allem an den Wochenenden. „Zwischen Frühstück, Mittagessen und Abendessen gibt es kaum Pausen“, berichtet die Frau. Sie selbst hat nach all den Jahren in der Gastronomie starke Rückenprobleme und Schmerzen in den Gelenken, die physiotherapeutisch behandelt werden müssen. So sehr sie ihren Job auch liebe, „auf Dauer werde ich das sicher nicht mitmachen“, resümiert sie.

Und doch möchte sie den Schwarzen Peter nicht alleine den Arbeitgebern zuschieben. Durch immer höhere Auflagen mache es der Gesetzgeber kleineren Hotel- und Gastronomiebetrieben sehr schwer zu überleben, hat sie festgestellt. „Die ganzen Auflagen kosten doch alle enorm viel Geld“, ärgert sie sich. Das sei ein ewiger Kreislauf: Die Umsetzung der Auflagen kostet Geld, das bei kleinen Betrieben für die personelle Ausstattung fehlt.

Mehr lesen Sie am Freitag, 22. März, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.