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Um die einzelnen Gestöre miteinander zu verbinden, muss der Neuenbürger Zimmermeister Martin Stoll die Holzstämme für das Schaufloß auf der Enz mit der Motorsäge auf die gleiche Länge bringen. Hegel
Um die einzelnen Gestöre miteinander zu verbinden, muss der Neuenbürger Zimmermeister Martin Stoll die Holzstämme für das Schaufloß auf der Enz mit der Motorsäge auf die gleiche Länge bringen. Hegel
23.06.2019

Werbung fürs Flößerfest: Schaufloß auf der Enz in Neuenbürg gebaut

Ein falscher Schritt und schon wird’s nass. Das musste mancher Helfer beim Schaufloßbauen für das kommende Flößerfest in Neuenbürg am eigenen Leib erfahren. 18 Holzstämme wollten vom Transporter verladen und auf der gestauten Enz an der Eisenfurt verschnürt werden. Was in diesen ruhigen Gewässern als lustiger Ausrutscher mit feuchten Kleidern endet, kann für die Flößer später auf der Enz tödlich sein.

Fürs Flößerfest rücken traditionell die Flößer aus Unterreichenbach mit ihrem eigenen 100 Meter langen Floß an. Dagegen ist das Schaufloß, das am Samstag von der Neuenbürger Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) Pforzheim vom Freibad-Parkplatz ins Wasser gelassen wurde, mit seinen 45 Metern ein gutes Stück kleiner. Den Überblick über die Aktion behält vom Ufer aus auch Paul Westerkamp. Als Hobby-Flößer ist er in Neuenbürg der letzte seiner Art – und wird am Flößerfest wahrscheinlich auch wieder bei den Unterreichenbachern aufs Floß steigen.

„Nicht ungefährlich“

Währenddessen werkeln zehn Helfer auf dem Floß mit Bohrer und Motorsäge. Auf einmal gerät Zimmermeister Martin Stoll aus Neuenbürg auf einem der nassen Holzstämme ins Straucheln. Ein anderer Helfer landete schon zuvor kopfüber im Nass. „Das Ganze ist nicht ungefährlich“, sagt Westerkamp und zeigt ein Video von der Enzdurchfahrt vor vier Jahren, „einer von uns fiel vom Floß und wäre beinahe zwischen Holzstamm und Ufer gedrückt worden. Er konnte im letzten Moment drunter durchschwimmen. Sonst hätte das tödlich geendet.“

Deshalb arbeiten hier auch Leute mit, die Ahnung vom Material haben – wie der Zimmerer Stoll, der 2017 das Gelände seines Vorgängers Stefan Krum an der Bahnhofstraße übernahm und zum ersten Mal mithilft. Unterstützt werden die Neuenbürger von Jugendlichen des THW, bei denen das fachgerechte Verarbeiten von Holz zur Grundausbildung gehört. Die Stämme kommen von der Stadt und können sechs Jahre lang gelagert und für den Floßbau verwendet werden.

Drei Stoffpuppen in Flößertracht, die von Stefanie Nittel und Team restauriert wurden, zieren schließlich das stehende Floß. Als Nachtwächter sind die stummen Zeitgenossen aber weniger geeignet. „Vor ein paar Jahren haben Jugendliche die Stahlseile gekappt, mit denen das Floß festgehalten wird“, erzählt der Vorsitzende des Musikvereins Andreas Lötterle. „Deshalb haben wir jetzt sichere Verbindungen, die ohne Werkzeug nicht zu öffnen sind.“