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11.02.2010

Widerstand zwecklos: Narren stürmen Rathäuser

ENZKREIS.  Wenn Narren zur Hochform auflaufen, nützt kein Widerstand. Am schmotzigen Donnerstag übernahmen sie in der Region das Regiment. Rathäuser, eine Schule und ein Marktplatz fielen ihnen in die Hände.

Bildergalerie: Narrenstürme in der Region

Ersingen: Gefesselt getanzt
Schneetreiben, Hexensturm und Schunkelwalzer auf dem Ersinger Kirchberg, das waren am schmotzigen Donnerstag die sicheren Zeichen der traditionellen Schulstürmung. Die Ersinger waren traditionell damit schneller bei ihrem Eroberungszug als die anderen Narren in der Region, die erst am gestrigen Abend das Kommando übernahmen.
Die Fleckenhexen in ihren Flickenkostümen machten zur Freude der Schüler in allen Gebäuden der Ersinger Kirchbergschule närrische Razzia auf die Lehrerschaft. Gefesselt musste diese mit ihren Peinigerinnen zu den Klängen der Musikkapelle tanzen. Rettung konnte in dieser Situation nur noch vom Kinderprinzenpaar Luis I. und Sarah II. kommen. Als Sachwalter der Schüler zeigten sich die beiden verhandlungsbereit. Rektorin Inge Schneidenberger, selbst als Zauberin machtlos, blieb nur die Schlüsselübergabe und das Heimschicken der Schüler übrig. Auch musste versprochen werden, dass die Kinder bis Aschermittwoch von der Schule ferngehalten werden. Ein zünftiges Narrenfrühstück im geheizten Musiksaal war ebenfalls Bedingung für eine rasche Befreiung und eine fröhliche Versöhnungsfeier.

Ittersbach: Schultes geflohen
Ganz offensichtlich hat sich die Obrigkeit mit Karlsbads Bürgermeister Rudi Knodel und Ittersbachs Ortsvorsteher Günter Metz noch rechtzeitig vor dem Rathaussturm dem fasenachtlichen Treiben entzogen. Nachdem trotz sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen in den letzten Jahren zwischenzeitlich auch in der Karlsbader Kasse Ebbe herrscht, mussten Vize-Schultes Peter Kiesinger und der stellvertretende Ortsvorsteher Michael Gossenberger ob der gemeindlichen Misswirtschaft in den eiskalten Narrenkäfig. Dort müssen sie gemäß Beschluss des Zunftrates der Ittersbacher Narrenzunft bis einschließlich Aschermittwoch bei Wasser und Brot darben, verkündete Zunftmeister Armin Sackmann unter dem Jubel des versammelten Narrenvolkes. Zur Freude der kleinen Narren wurden allerdings in der Gemeindekasse noch einige hunderte „Schokoladen-Taler“ zum spontanen Genuss entdeckt. Pünktlich um 19.11 Uhr stürmten „Jaköblen“ und „Stöckmädlen“ zusammen mit den Hexen der Ittersbacher Narrenzunft das Rathaus. Mit dem Hexentanz ums große Feuer unter den Klängen des Narrenmarsches, gespielt vom Musikverein Edelweiß, wurde die Machtübernahme gefeiert. Im Anschluss daran zogen die Hästräger durch die örtlichen Gastwirtshaften.

Wilferdingen: Würde und Hürde
Die Narren waren nicht zu überhören, als sie das Wilferdinger Rathaus bevölkerten, um die Macht und den Rathausschlüssel zu erobern. „Unser Bürgermeister – noch ein ganz Neuer, es ist ihm nicht geheuer. Seit ein paar Tagen erst in Amt und Würde, schon kommt mit uns die erste Hürde“, sagte das Prinzenpaar Lara I. und Christian I. „Viel getan hat er bei uns noch nicht, drum gehen wir mit ihm noch nicht ins Gericht.“ Aber die Narren lauern, bis er ins erste Fettnäpfchen tritt. Mehr Licht auf den Straßen habe er im Wahlkampf versprochen, aber bis jetzt hängt immer noch die Weihnachtsbeleuchtung. Sie schlugen Wege für die Vereinsförderung vor. Bis Aschermittwoch wollen die Narren ihre Untertanen mit Humor und Freude regieren und hofften, dass vom letzten Geld in der Gemeindekasse Brezeln und Sekt bestellt wurde. Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon zeigte keinerlei Berührungsängste mit den Narren. Erblondet und mit Strohhut gab er sich erfreut, dass die Narren den Schneeräumdienst in den nächsten Tagen verantworten. In 365 Tagen wird er sich wieder dem Narrengericht stellen, aber wie gesagt „Wahlversprechen sind eben Wahl-Versprechen.“ wg

Gräfenhausen: Meute greift an
Zum 33. Mal stürmten die Narren der Karnevalsgesellschaft „Die Klemmer“ mit einem dreifach donnernden „Klemm-Rio“ das Gräfenhausener Rathaus. Grund genug bietet das 3 mal 11. Jubiläum allemal, um die Einnahme des Dorfoberhaupt-Sitzes besonders festlich zu feiern. Nach dem zünftigen Warmlaufen am Landgasthof „Bären“ gingen die schwarzen Waldameisen zum Angriff über und zogen als fackeltragende Meute durch den Flecken in Richtung Rathaus. Dort wartete Bürgermeister Reiner Herrmann schon ungeduldig darauf, endlich in Urlaub gehen zu können. „Klemmerland ist Narrenland, die Macht, die geb' ich gerne aus der Hand“, ließ sich der Schultes nicht lange bitten und überreichte das Objekt der Begierde, den Rathausschlüssel. Nachdem sämtliche Amtssachen erledigt waren, durften sich die Klemmer um Ameisenprinzessin Nicole Brand und Klemmerpräsident Harald Pfisterer an der mit Sekt und Hefezopf gedeckten Festtafel stärken. mb

Neuhausen: Farbenfroher Himmel
Nach einen lauten Böllerschuss im wilden Schneetreiben war es endlich soweit. Die Neuhausener Narrengruppen stürmten von allen Seiten, von den Tönen der Guggenmusik begleitet, auf den Marktplatz. Die Glöckchen der Bietschellen schellten, während sie zusammen mit Vogelscheuchen, Monbachtrolls, Jongen Hexen und den Teenies vom Hau-Hu von viele Zuschauern umringt um den Marktplatz tanzten.Der langjährige Sitzungspräsident Reimund Kristof begrüßte all die anwesenden Fasnachtsfans mit drei donnernd-kräftigen „Hau-Hu“. Nachdem die Hau-Hüte über der Ortsmitte gehisst worden waren, rissen die Narren Bürgermeister Oliver Korz das Zepter aus der Hand und übernahmen die Regentschaft des Dorfes –zumindest bis zum Ende der fünften Jahreszeit.
Nach der traditionellen Bietschellentaufe traten die verschiedenen Fußgruppen beim vierten Neuhausener Narrenrennen gegeneinander an. Beste Sicht auf dieses Spektakel hatte das Prinzenpaar Nina I. und Robby I. und die anderen jungen Prinzenpaare, die sich die ausgefallenen Fahrzeuge der Narren ganz genau anschauten. Beim Narrenrennen gewinnt nicht das schnellste, sondern originellste und lustigste Gefährt. Nachdem die Jury die einzigen Teilnehmer, die Jonge Hexen und die Monbachtrolls, beide als Gewinner gekürt hatte, ließ ein großes Feuerwerk den Himmel über dem Dorf in bunten Farben erleuchten. nika