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•Erschreckende Bilder: Am 8. Juni waren Teile von Ölbronn überflutet worden. Der Landgasthof Bahnhöfle am Ortsausgang Richtung Kleinvillars wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Foto: PZ-Archiv
•Erschreckende Bilder: Am 8. Juni waren Teile von Ölbronn überflutet worden. Der Landgasthof Bahnhöfle am Ortsausgang Richtung Kleinvillars wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Foto: PZ-Archiv
14.07.2016

Wie wird man schneller vor der nächsten Flut gewarnt? - Tipps für Steuerminderung

Unwetterwarnungen gab es durchaus in den Tagen Anfang Juni, als schließlich Stein, Ölbronn, Teile Neulingens und Ötisheims von schweren Überflutungen getroffen wurden. Dass die Regenmassen aber genau dort zu erwarten waren, konnten die Menschen nicht wissen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) will künftig exakter warnen können. Das, finden Bürgermeister wie Ölbronn-Dürrns Norbert Holme und Hilfe-Profis wie Kreisbrandmeister Christian Spielvogel und Pforzheims stellvertretender Feuerwehrkommandant Guido Lobermann, wäre schon eine gute Sache.

Freilich: Die Wassermassen aufhalten könnte man auch bei jeder noch so guten Vorwarnung nicht. „Aber den Leuten würde vielleicht Zeit bleiben, ihr Auto aus der Garage zu fahren oder Sandsäcke aufzuschichten“, sagt Holme. Für Lobermann ginge es vor allem um die Chance, das Personal in der Integrierten Leitstelle aufzustocken. In normaler Besetzung würden die Experten von 100 Notrufen binnen einer Stunde, wie sie bei schweren Unwettern möglich seien, schlicht überrollt.

Die Berufswehr kann dabei wie Kreisbrandmeister Spielvogel bereits heute auf weitergehende Wetterinformationen aus vielen Quellen zurückgreifen. Pforzheim nutzt etwa ein Feuerwehr-Informationssystem des DWD. „Je konkreter die Warnung, desto besser“, sagt Spielvogel: für die Bewertung der Lage genauso wie für die Einsatzvorbereitungen. Allerdings sind die Wehren ohnehin für schnelle Reaktionen gewappnet. „Ein Großbrand kündigt sich ja auch nicht vorher an“, sagt Lobermann. Doch bessere Informationen hin oder her: Spielvogel macht ein ganz anderes Grundproblem aus. Wie bringt man die Warnung im Ernstfall zu den Bürgern?

Am Mittwoch hat er darüber mit den Rathauschefs Holme, mit Heiko Genthner aus Königsbach-Stein und Werner Henle aus Ötisheim gesprochen. Er hat Chancen aufgezeigt, die neue Apps bieten können. Konzepte gebe es einige, so Spielvogel, vom DWD bis hin zum Sparkassenversicherungsverband. Doch was ist mit denjenigen, die mit der entsprechenden Technik nicht umgehen können. Holme ist froh, dass Ölbronn und Dürrn noch über jeweils eine alte Warn-Sirene verfügen, die er von Hand auslösen könne. Ansonsten blieben Medieninfos oder schlicht die Fahrt der Feuerwehr durch die Straßen, so Spielvogel.

Die Hilfe für Opfer der jüngsten Fluten läuft weiter. Neben dem Sofortprogramm des Landes, Spenden wie durch den Musikverein Stein stellt auch das Finanzamt unbürokratische Steuererleichterungen in Aussicht. Laut dem Pforzheimer Vorsteher Cornelius Cersowsky können viele Gebäude- und Einrichtungsschäden für eine Minderung bei der Einkommensteuer geltend gemacht werden.

Finanzamt hilft den Opfern von Überschwemmungen

Kosten für die Schadensbeseitigung können die Steuer mindern

„Durch die starken Regenfälle und Überschwemmungen im Mai und Juni 2016 kam es auch in Pforzheim und in einigen umliegenden Gemeinden zu enormen Schäden, die bei den Betroffenen zu erheblichen finanziellen Belastungen führten. Das Finanzamt Pforzheim wird den Geschädigten durch steuerliche Maßnahmen unbürokratisch helfen und so dazu beitragen, unbillige Härten zu vermeiden“, erläuterte der Vorsteher des Finanzamts Pforzheim, Cornelius Cersowsky.

Das Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg hat in einem mehrseitigen Schreiben (abrufbar im Internet www.fm.baden-wuerttemberg.de) die zur Unterstützung der Opfer getroffenen Maßnahmen zusammengefasst; sie gelten für Betriebe ebenso wie für Bürgerinnen und Bürger. Danach sind Erleichterungen bei der Stundung von bereits fälligen Steuerforderungen und Anpassungen der Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer vorgesehen. In begründeten Fällen ist es außerdem möglich, dass Vollstreckungen aufgeschoben werden, ohne dass dafür Zuschläge gezahlt werden müssen. „Auskünfte im konkreten Einzelfall erteilen die steuerberatenden Berufe und das Finanzamt“, so Cersowsky.

Auch in privaten Haushalten haben die Unwetter große Schäden verursacht. Um die Privatpersonen bei der Einkommensteuer zu entlasten, können Aufwendungen für die Wiederbeschaffung oder Reparatur von existentiell notwendigen Gegenständen als außergewöhnliche Belastung steuermindernd berücksichtigt werden. Solche Gegenstände sind Hausrat und Kleidung, nicht aber ein Pkw. Ebenfalls können die Aufwendungen für die Beseitigung von Schäden an der eigengenutzten Wohnung im eigenen Haus die Einkommensteuer mindern.

Voraussetzung ist, dass die Betroffenen die Kosten in ihrer Steuererklärung 2016 angeben und die Rechnungen für Wiederbeschaffungen oder Reparaturen aufbewahren. Die Aufwendungen müssen ihrer Höhe nach notwendig und angemessen sein. Sie dürfen nicht höher sein als der Wert des Gegenstands vor dem Schadenseintritt. Wenn eine Versicherung den Schaden teilweise oder vollständig ersetzt, können sich die Kosten insoweit bei der Steuerfestsetzung nicht auswirken. Schließlich muss die Wiederbeschaffung oder Schadensbeseitigung innerhalb von drei Jahren erfolgen.

Liegen außergewöhnliche Belastungen vor, sind diese Aufwendungen um einen Eigenanteil zu kürzen, die sogenannte zumutbare Belastung. Die Differenz mindert dann die Steuer. „Ich empfehle allen Betroffenen die Kosten in der Steuererklärung anzugeben. Denn wie hoch die steuerliche Entlastung im Einzelfall ist, kann erst nach einer umfangreichen Berechnung gesagt werden“, hob der Amtsleiter hervor.

Betroffene müssen für eine steuerliche Entlastung allerdings nicht bis zur Abgabe der Steuererklärung warten. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können die monatlich einzubehaltende Lohnsteuer vermindern, indem sie beim Finanzamt einen Antrag auf Ermäßigung der Lohnsteuer stellen. Hat das Finanzamt Einkommensteuer-Vorauszahlungen festgesetzt, kann ein Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen gestellt werden.