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Im Enzkreis ist die Gemeinde Straubenhardt mit der Björn-Steiger-Stiftung seit einiger Zeit dabei, AED-Geräte aufzustellen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Foto: Fotolia
Im Enzkreis ist die Gemeinde Straubenhardt mit der Björn-Steiger-Stiftung seit einiger Zeit dabei, AED-Geräte aufzustellen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Foto: Fotolia
15.02.2019

Wiederbelebungsoffensive für die Region: Entschlossene Hilfe und die Chance aufs Überleben

Ein sonniger Weg, Schritte knirschen über den Kies, das reine Idyll – doch dann liegt am Boden eine leblose Gestalt. Die Spaziergängergruppe stürzt hin und fühlt sich sofort hilflos. Der Unbekannte scheint nicht zu atmen. Was tun? Zum Glück funktioniert das Telefon beim Notruf: Ein Ansprechpartner der Rettungsleitstelle beruhigt die Nerven der überforderten Helfer und lotst sie zum Handeln.

Er beschreibt, wie man die Hände übereinander in die Mitte der Brust des Bewusstlosen legt und sofort kräftig und schnell zu drücken beginnt. Rund 100-mal pro Minute tief in den Brustkorb. Er erklärt, dass man nicht damit aufhört und sich lieber einmal ablöst, bis Rettungswagen und Notarzt da sind und Profis die Hilfe übernehmen.

Im geschilderten Fall dauert das nicht ganz acht Minuten. Die Erleichterung bei den Spaziergängern ist riesig – obwohl sie eigentlich Journalisten in einer simulierten Übung im medizinischen Trainingszentrum der Regionalen Kliniken Holding sind. Doch das Szenario ist so realistisch, die eigene Unsicherheit so groß, dass das Adrenalin in den Körper schießt. Am Ende hätten die Übungsteilnehmer trotz schlechter Erste-Hilfe-Kenntnisse dem Herzpatienten eine Überlebenschance gegeben. Ein gutes Gefühl.

Das ist genau der Grund, warum die Lions in der Region eine Wiederbelebungsoffensive für den Enzkreis und Pforzheim starten. „Die Hemmschwellen einzugreifen sind das große Hindernis für eine bessere Hilfe“, sagt der letztjährige Lions-District-Governor Thomas Paulus aus Tiefenbronn. Und der Pforzheimer Kardiologe Dr. Kai Weinmann spricht über verbreitete Ängste vor Fehlern: „Dabei ist der einzige schlimme Fehler, den man begehen kann, dass man gar nichts tut.“ Ein Zeuge eines Notfalls sei zugleich erstes Glied der Rettungskette. Sein Handeln bis zum Eintreffen von Sanitätern und Arzt gewinne entscheidende Zeit.

Die Lions setzen gemeinsam mit den Spezialisten der Björn-Steiger-Stiftung auch auf immer mehr „Automatisierte externe Defibrillatoren“ (AED) gegen gefährliche Rhythmusstörungen oder Kammerflimmern. Gebe es genügend leicht zugängliche Geräte, rette auch das viele Leben. Zumal diese Defibrillatoren sich selbst erklären. Buchstäblich. Auch sie lotsen den Laien von Schritt zu Schritt und messen selbst, ob ein Schockimpuls nötig ist oder nicht.

Kreis Freudenstadt als Vorreiter

Vorbilder beim Kampf gegen den Herztod gibt es bereits: Im Enzkreis ist die Gemeinde Straubenhardt mit der Björn-Steiger-Stiftung seit einiger Zeit dabei, AED-Geräte aufzustellen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Als Landkreis ganz vorne bei diesen Anstrengungen ist Freudenstadt. Der Süden der Region Nordschwarzwald muss bei 117.000 Einwohnern statistisch betrachtet jährlich 85 Todesfälle wegen Herz-Kreislauf-Stillstands beklagen, so die Björn-Steiger-Stiftung. Sie geht davon aus, dass man die Hälfte bis 70 Prozent davon retten kann, wenn genügend Bürger Herzdruckmasssagen geben können und ausreichend Defibrillatoren vorhanden sind. Seit 2016 sind im Kreis Freudenstadt über 120 AED-Geräte öffentlich verfügbar gemacht worden – etwas mehr als eines pro 1000 Einwohner. Das Ziel der Lions für Enzkreis und Pforzheim ist mindestens ein Gerät pro 1500 Einwohner.

Mehr lesen Sie am Samstag, 16. Februar, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.