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Knapp vier Jahrzehnte lang war Erika Barchet mit Leib und Seele bei der Feuerwehr.
Knapp vier Jahrzehnte lang war Erika Barchet mit Leib und Seele bei der Feuerwehr.
Am Funk in der Zentrale koordinierte Erika Barchet die Einsätze.
Am Funk in der Zentrale koordinierte Erika Barchet die Einsätze.
15.02.2016

Wildbader Wehr verabschiedet eine Pionierin

Bad Wildbad. Ein Luxusproblem hatte die Wildbader Stadtabteilung bei ihrer jüngsten Feuerwehrhauptversammlung: Wo andere Wehren ihre ersten Frauen begrüßen, haben sie ihre Pionierin verabschiedet. 36 Jahre lang war Erika Barchet aktives Mitglied. Als Pionierin sieht sich Barchet, geborene Günthner, aber nicht. „Ich wollte einfach dort Sinnvolles leisten, wo ich nützlich sein konnte“, sagt sie bescheiden.

So gestaltete sich ihr Eintritt in die Wehr unüblich: Der Posten des Funkers, damals im Feuerwehrmagazin in der Wilhelmstraße fest installiert, war bei den auf Einsatz orientierten Feuerwehrleuten wenig beliebt. Eines Tages wurde Barchet von ihrem Bruder Dieter, ebenfalls Mitglied der Wehr, gefragt: „Du könntscht doch...?“ Sie sagte beherzt zu.

Statuten für sie angepasst

Zum Januar 1980 wurde sie Mitglied, im März schließlich verpflichtet. Zum Glück war zwei Jahre zuvor das Feuerwehrgesetz dahingehend geändert worden, dass Frauen überhaupt eintreten konnten. Die Statuten der Wildbader Wehr wurden eigens für das neue Mitglied angepasst.

„Für mich war von vornherein klar“, erklärt Barchet, „dass ich nicht mit hinausfahre zu Einsätzen. Schon körperlich sah ich da meine Grenzen. Aber genau um den Funkplatz im Magazin ging es ja.“ Fortan war Barchet über Jahre bei jedem Einsatz „in der ersten Schleife“ dabei, die alarmiert wurde, eilte entweder vom Rathaus, wo sie in der Kasse arbeitete, oder von ihrer Wohnung – praktischerweise um die Ecke in der Hinteren Gasse – ins Feuerwehrhaus, um unter Umständen stundenlang am Funk zu sitzen.

Sie informierte Arbeitgeber, dass ihre Mitarbeiter später kämen, gab besorgten Ehefrauen Auskunft zum Einsatzstand oder rief den Bürgermeister an, wenn sein Kommen erforderlich erschien. Und kommunizierte natürlich mit den Kameraden. Klare Ansage des seinerzeitigen Kommandanten Walter Bott: „Bei Alarm schliesch du des Feuerwehrhaus uff und gehsch an den Funk!“ In Zeiten ohne Mobilfunk und Handy unerlässlich.

„Ich war akzeptiert“

„Die Kameradschaft war stets sehr gut, ich war akzeptiert“, beschreibt Barchet ihre aktive Zeit. Immerhin absolvierte sie, weil es seinerzeit noch keine Grundausbildung gab, das Feuerwehr-Leistungsabzeichen in Bronze, zweimal in Silber und bereits 1984 in Gold. Ein Novum auch für die damaligen Prüfer, war sie doch die erste Feuerwehrfrau im Landkreis Calw überhaupt.

Ende der 1980er-Jahre war sie für die samstäglichen Probealarme zuständig, die sie von der Funkzentrale manuell in Calw bei der Leitstelle anmelden musste. „Da hatte ich einmal bereits unseren Sohn Max dabei. Und prompt hat er mitten hinein gesprochen!“

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