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Die wilden Faschingsschönheiten Dietlinde Hess und Renate Rauser (von links) und Veronica Joos (rechts) haben dem armen PZ-Medienberater Martin Cicka am Donnerstag die Krawatte unsanft gekürzt. © Ketterl
16.02.2012

Wilde Weiber auf Krawattenjagd

Enzkreis. Sechs Rathäuser und ein Schulhaus in der Region haben die Narren am schmotzigen Donnerstag gestürmt. Damit haben sie symbolisch das Zepter für die fünfte Jahreszeit übernommen.

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Bis Aschermittwoch stehen die Fasnetshochburgen ganz im Zeichen der Hästräger – da half auch keine Gegenwehr der politischen Rathauschefs. In die tollen Tage durchgestartet ist man auch im karnevalsbegeisterten Rheinland zur traditionellen Weiberfastnacht.

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Die Narren sind los. Vor allem wilde Weiber treiben ihr Unwesen. Da heißt's Krawatte ab und auf die Straßen. Mit Ratschen, Trommeln und Kostümierung wird ausgelassen gefeiert. Endlich startet der Südwesten in die heiße Phase der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Mit dem «Schmotzigen Dunschtig» (Schmutziger Donnerstag) beginnt die Weiberfastnacht und in vielen Gemeinden haben die Narren damit das Sagen.

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Der Donnerstag wird wieder einer der Höhepunkte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Mit Musikkapellen und Fanfarenzügen ziehen die Narrenzünfte durch die Dörfer und «befreien» Schulen, Kindergärten oder Hochschulen. Zahlreiche Bürgermeister zwischen Bodensee, Oberschwaben, Breisgau, Schwäbischer Alb oder Schwarzwald müssen ihre Rathausschlüssel abgeben. Zum Essen gibt's dazu Leckereien wie Fasnetskückle, Krapfen oder Waffeln. Am Abend startet die Fastnacht dann richtig durch.

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Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler muss sich dabei am Abend in Stockach (Kreis Konstanz) vor dem «Stockacher Narrengericht» verantworten. Der FDP-Politiker werde sein gelbes Fähnlein hochhalten müssen, um im schwarzen Stockach und grünen Ländle nicht sein blaues Wunder zu erleben, teilte das Gericht mit. Auf Gnade kann der Vizekanzler offenbar nicht hoffen: Das Gericht kenne auch bei der FDP keinen Minderheitenschutz, hieß es.

Bereits in der Vergangenheit haben die Liberalen mit der Verurteilung von Hans-Dietrich Genscher im Jahr 1984 die volle Härte des Gerichts zu spüren bekommen. Auch im aktuellen schwarz-gelben Bundeskabinett sitzen einige ehemalige Verurteilte - allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die 2001 zu anderthalb Eimern Wein (150 Flaschen) verdonnert wurde, die sie den Narren zahlen musste. Ein Jahr später stand der heutige Außenminister Guido Westerwelle (FDP) vor dem Gericht. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) beschäftigte als erste Frau 1997 das Gericht.

Die traditionell am Donnerstag vor dem Aschermittwoch beginnende Weiberfastnacht gilt im gesamten Rheinland sogar als inoffizieller Feiertag, an dem ab mittags an den Arbeitsplätzen meistens nicht mehr gearbeitet wird. Als „Unsinniger Donnerstag“ wird der Tag außerdem in Bayern, Tirol und Südtirol bezeichnet. Am Tag darauf folgt ihm der „Rußige“ oder „Bromige Freitag“. dpa/hol