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Unter einem Lindenbaum erklärt Ortrud Grieb (rechts) den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Wildkräuterspaziergangs die positive Wirkung der Blüten.  Foto: Biermayer 
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Margeriten können mit ihrer Schärfe einen Salat aufwerten, meint Grieb.  Foto: Biermayer 

Wildkräutertage zeigen: Die Schömberger Natur ist Apotheke und Speisekammer

Schömberg. Das Wissen, dass Pflanzen und viele Kräuter auch Heilkräfte oder kulinarisches Potenzial haben, ist heute etwas in Vergessenheit geraten. Die Buchautorin Ortrud Grieb schuf im Rahmen der Schömberger Wildkräutertage bei einem Spaziergang Abhilfe.

Alle paar Meter blieb Grieb stehen. Dann war ihr wieder etwas ins Auge gesprungen. „Eigentlich kann man alle Rosen essen“, ließ sie noch im Kurpark wissen. Die Blütenblätter hätten ein süßliches Aroma, allerdings nur die hellen. Die dunklen hätten einen bitteren Geschmack.

Unter einer Linde stehend, erklärte sie die gesundheitlichen Vorteile der Blüte. Zu einem Tee aufgekocht, könnte sie bei Erkältungen helfen. Da dieser Tee das Immunsystem aktiviere, solle man ihn aber nicht dauerhaft trinken, obwohl er sehr gut schmecke. Die Tanne habe viele Vorteile. Die ätherischen Öle ihrer Nadeln wirkten beruhigend. Die jungen Triebe seien auch essbar. Die alten Nadeln hingegen könnten nach Terpentin schmecken. Die Triebe ließen sich auch zu einem Tee aufkochen. Auch ein Rezept für Badesalz erklärte Grieb. Sieben Teile Tannennadeln klein hacken und mit einem Teil Salz mischen und in einem Glas im Kühlschrank aufbewahren. Diese Mischung könne man ins Wasser geben, um von den Ölen zu profitieren. Das Rezept funktioniere auch mit allen anderen Kräutern.

Der Efeu sei leicht giftig. Drei Blätter als Tee in einer Tasse könnten aber Husten lindern. Grieb empfahl hier jedoch eher die Efeu-Präparate aus der Apotheke.Bei einer Blasenentzündung oder Nierenbeschwerden helfe wegen der enthaltenen Kieselsäure der als Zinnkraut bekannte Acker-Schachtelhalm. Dafür müsse man die Pflanze aber bis zu einer Stunde auskochen und drei Tassen am Tag trinken.

Die Blüten des Mädesüß wirkten als Tee wie Aspirin. Darin sei nämlich der gleiche Wirkstoff enthalten. Mariendistelsamen schützten die Leber. Auch hier empfahl Grieb aber den Gang in die Apotheke. Das Öl der Nachtkerze lindere oral eingenommen die Beschwerden bei Neurodermitis. Walnuss-Blätter wirkten antiseptisch und könnten zur Wundversorgung eingesetzt werden.

Die Blätter und Blüten der Margerite könne man in einem Salat verwenden. Allerdings solle man vorher testen, ob einem die Schärfe schmecke. Gänseblümchen wären ein etwas milderer Ersatz. Auch Primelblüten machten sich gut im Salat. Allerdings gebe es in freier Wildbahn kaum noch welche, weil die Wurzeln früher vielen als Grundlage für die Schnapsherstellung gedient hätten.

Manchmal ist man sich laut Grieb über die Wirkung der Pflanzen uneins. In anderen Ländern schreibe man den gleichen Kräutern andere Wirkungen zu. In Deutschland prüfe eine Kommission alles auf wissenschaftlicher Basis.