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Rasant vermehren sich die Schwarzkittel in Baden-Württemberg. Nun beginnt die Saison der Drückjagden. Foto: David Ebener/dpa
Rasant vermehren sich die Schwarzkittel in Baden-Württemberg. Nun beginnt die Saison der Drückjagden. Foto: David Ebener/dpa
13.11.2016

Wildschweine halten Jäger in Atem – Waidmänner hoffen auf strengen Winter

Enzkreis/Kreis Calw. Das Laub ist unten, die Jagdsaison kommt in Fahrt und Kreisjägermeister Dieter Krail wünscht sich Frost, damit die Jagden aufs Schwarzwild nicht ins Wasser fallen so wie mit nur vier erlegten Tieren am Freitag im Hagenschieß.

„Bei Regen hört man sie nicht kommen“, sagt Krail. Am Tag zuvor in Langenalb – wo die Wildschweine deutliche Spuren auf den Feldern hinterlassen haben – wurden 15 Wildschweine geschossen. Im vergangenen Jagdjahr waren es in Pforzheim und dem Enzkreis 2000 Tiere. Nicht viel und nicht wenig, wie Krail einordnet. Anders als landesweit. Baden-Württembergs Jäger liefen in der vergangenen Saison zu Höchstform auf: Sie erlegten bis April rund 68 000 Wildschweine. In einigen Landesteilen war das die höchste Strecke, die jemals geschossen wurde – nur 2012 gab es in Baden-Württemberg höhere Abschusszahlen. Auch im Kreis Calw lief es rund für die Jäger. Nach Angaben von Markus Weber von der Abteilung Forst und Jagd im Landratsamt Calw wurden mit 1300 Tieren rund 500 mehr als im Vorjahr erlegt.

Krail: Realitätsfernes Gesetz

In dieser Saison hoffen die Jäger auf eine Fortsetzung. „Es wird davon abhängen, wie erfolgreich die Drückjagden sind und ob wir Schnee haben“, sagt Martin Bürner, Geschäftsführer des Landesjagdverbands. Die weiße Pracht habe in der vergangenen Saison eben gefehlt, so Krail. „Ohne einen strengen Winter gibt es keine Spitzenstrecke“, betont der Kreisjägermeister. Der helle Schnee erlaubt den Jägern gute Sicht auf das Schwarzwild, das sich immer weiter ausbreitet.

Keine Hoffnung setzt Krail indes auf das jüngst durch den Landtag gelockerte Jagdgesetz.

Dieses erlaubt nun einen Abschuss der Tiere im Wald auch während der Schonzeit im März – sofern Schnee gute Sicht erlaubt. „Das ist nur, dass was gemacht ist“, kritisiert Krail. Zusammen mit dem nach wie vor bestehenden Verbot der Lockfütterung in dieser Zeit gehe die Lockerung an der Realität vorbei. „Wie oft gibts denn im März Schnee bei uns?“, fragt der Jäger. Und: „Rund 70 Prozent der Wildschweine werden an den Kirrungen erlegt.“

„Grundsätzlich ist es bundesweit und international zu sehen, dass Bestände zunehmen“, sagte der Leiter der Wildforschungsstelle Aulendorf, Janosch Arnold. Die Tiere werden zunehmend zur Plage für Bauern, die Schäden an Feldern beklagen. Immer häufiger zieht es das Schwarzwild auch in Menschennähe. Vor einigen Jahren waren vier Schwarzkittel sogar vormittags in ein Bekleidungsgeschäft im Maulbronner Zentrum gerast (die PZ berichtete).

Grund für die zunehmende Verbreitung ist nach Ansicht von Wildforscher Arnold unter anderem der Klimawandel, der mildere Winter und mehr Futter für die Tiere bringt. „Das sind die Rahmenbedingungen, in denen sich die Wildschweine optimal entwickeln“, erklärte Arnold. Die Krux: Je mehr Futter die Tiere finden, desto schneller werden sie geschlechtsreif. Zugleich kommen immer weniger von ihnen an die Lockfutterstellen der Jäger, was die Jagd auf die dämmerungsaktiven Borstentiere erschwert.

Jagd auf Umleitungsstrecke

Während die Strecke von Engelsbrand zur B 294 und ein Teil der Bundesstraße zwischen Neuenbürg und Höfen noch gesperrt sind, ist eine der Umleitungsstrecken von Langenbrand nach Waldrennach am 16. November ebenfalls voll gesperrt. Im Bereich rund um diese Straße wird am Mittwoch landkreisübergreifend gejagt. Will man zwischen 8 und 16.30 Uhr von Engelsbrand nach Neuenbürg, muss man über Büchenbronn nach Pforzheim und dann zurück ins Enztal.

Die Jäger erhoffen sich von der seit dem Frühjahr geplanten Drückjagd mit bis zu 60 Jägern, dem Schwarzwild Einhalt gebieten zu können.