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24.06.2008

Windel-Energie

"Windelpioniere!" Da greift die Deutsche Presseagentur (dpa) aber ganz tief in die sprachliche Wundertüte, in ihrer Berichterstattung zur künftigen Entsorgung kleinkindlicher Stinkbomben im Landkreis Calw.

Nur mal zur begrifflichen Klärung: Pioniere sind Leute wie Henry Ford, der das Fließband in der Automobilproduktion eingeführt hat. Oder Charles Lindberg, der als erster Mensch ganz alleine über den Atlantik geflogen ist. Insofern ist die Leistung des Landkreises Calw, gebrauchte Baby-Windeln künftig gesondert, aber kostenlos einzusammeln, sicher vorbildlich – aber längst noch keine Pioniertat.

Dafür hätten die Müllstrategen konzeptionell noch eine Schippe drauf legen müssen. Man kann ja durchaus mit dem Gedanken spielen, was sich in einer prall gefüllten Windeltüte tut, die rein rechnerisch nur einmal im Monat abgeholt wird.

Wenn die Biologie ihren Lauf nimmt und Gase entstehen, gegen die die Blähungen der Neugeborenen nur laue Lüftchen sind, dann ist der Visionär im Pionier gefordert: Man sieht sie vor dem geistigen Auge, die windeltütenbetriebenen Miniblockheizkraftwerke, die reizende Häuser von noch viel reizenderen jungen Familien mit Energie versorgen. Man denkt an Gastwirte, die Heizpilze für frierende Raucher nicht mehr mit Propangas sondern mit Biotreibstoff aus Kinderzimmern befeuern. Und man wärmt sich am Gedanken an gemütlich flackernde Straßenlaternen, gespeist aus den Zerfallsprodukten verwester Pampers.

Okay, okay: Pioniere denken eben in anderen Kategorien – als Menschen, die einfach nur Windeln entsorgen wollen.