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Fliegerei, Lärm, Umweltfolgen, Wirtschaftlichkeit und Transparenz: Diese Punkte spielten bei der Erörterung der geplanten Windkraftanlage in Straubenhardt eine wichtige Rolle.  DPA-Archiv
Fliegerei, Lärm, Umweltfolgen, Wirtschaftlichkeit und Transparenz: Diese Punkte spielten bei der Erörterung der geplanten Windkraftanlage in Straubenhardt eine wichtige Rolle. DPA-Archiv
13.01.2016

Windpark-Pläne in Straubenhardt zu Ende erörtert

Insgesamt vier Tage lang wurde in der Conweiler Turn- und Festhalle heftig diskutiert. Nun haben die Verantwortlichen und die Kritiker des geplanten Straubenhardter Windparks ihre Argumente ausgetauscht. Gestern gegen 17 Uhr ist die Erörterung unter Führung des Landratsamts zu den vorgesehenen elf Windkraftanlagen doch noch schneller als nach den ersten Verhandlungstagen gedacht zu Ende gegangen. Am Montagabend und am Dienstag wurden noch die ausstehende Hälfte der Diskussionsthemen abgearbeitet.

Hier geht es zu den Gutachten zum Windpark.

Selbst für das federführende Landratsamt war ein Verfahren in dieser Größenordnung eine neue Erfahrung. Die Fülle der Einwendungen und der zu beackernden Themen genauso wie die Intensität der Debatten. Die Protokolle der tagelangen Erörterung müssen nun einige Wochen lang durchgesehen werden. Erst dann sind diese im Internet und beim Landratsamt einsehbar. Auch die Gegner des Mammutprojekts haben nach dem teils langwierigen Verfahren alle Hände voll zu tun. Die PZ fasst die wichtigsten Streitpunkte aus der Conweiler Turn- und Festhalle noch einmal zusammen:

Wirtschaftlichkeit: Schon am ersten Erörterungstag Anfang Dezember hat das Thema Windhöffigkeit die Gemüter erregt. Die Projektgegner sahen hier viel Klärungsbedarf. Bürger, Vertreter der Bürgerinitiative (BI) Gegenwind und deren Rechtsvertreter zweifelten die beiden vom Betreiber Wircon in Auftrag gegebenen Gutachten an. Das Unternehmen entgegnete, dass in Straubenhardt genug Wind wehe. Von den Einwendern und ihren Anwälten angeprangert wurde die Unvollständigkeit der Rohdaten sowie deren Erhebung. Auch die Auswertung durch den TÜV Süd sowie das Unternehmen RSC wurde kritisiert. Der prominente Anwalt der BI, Wolfgang Baumann, hatte daraufhin gefordert, die Rohdaten offenzulegen sowie ein drittes Gutachten erstellen zu lassen.

Infraschall: Großer Streitpunkt bei der Errichtung von Windkraftanlagen ist auch immer wieder das Thema Infraschall. In Conweiler wurde darüber bereits am ersten Erörterungstermin eineinhalb Stunden lang diskutiert. Ausländische Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Niederfrequenzen würden hierzulande auf taube Ohren stoßen, warfen die Kritiker den Behörden vor. Gerade bei großen Windkraftanlagen sei der Ausstoß an Infraschall enorm. „Infraschall kann schädigend sein, aber das hängt vom Pegel ab“, erwiderte Markus Schmerbeck vom Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW). Bei den angesprochenen Studien seien Ratten einer hohen Intensität an Infraschall ausgesetzt gewesen. Teils hätten die Tiere die Wellen direkt ins Ohr bekommen – mit einer Intensität an der Schmerzgrenze. Die Bürger und deren Anwälte ließen diese Argumentation nicht gelten.

Lärm: Auch beim hörbaren Lärm gab es unversöhnliche Auffassungen. Für die Betreiber wäre der Windpark weit genug weg von den Orten, um Anwohner zu stören. Die Kritiker störten sich an den Grundlagen der Berechnungen, von denen einige den Prüfern vorgegeben gewesen seien – durch den erwartbaren Schall bestimmter Anlagentypen etwa.

Flugbetrieb und Ausgleich für gefällte Bäume: Wie berichtet, dominierten am Montag Sorgen der Segelflieger die Debatte, ob die Gutachter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt die Risiken für den Flugbetrieb richtig einschätzen. Bei der Frage, ob der Verlust von Tausenden Quadratmetern Wald richtig ausgeglichen würde, rügte Anwalt Baumann, dass nicht einkalkuliert sei, was für den Transport der Bauteile gerodet werden müsse.

Transparenz: Es war der Dauerstreitpunkt der Erörterung. Aus Sicht von Betreibern und Behörden lagen die wichtigen Untersuchungen für die Öffentlichkeit auf dem Tisch. Die Anwälte der Kritiker widersprachen dem bei vielen Gutachten. Informationen seien zu spät, zu unvollständig oder überhaupt nicht öffentlich gewesen. Besonders Anwalt Baumann folgerte daraus immer wieder eines: Er halte den Windpark-Antrag für rechtlich nicht haltbar.

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