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Wer verlegt in Neuenbürg Glasfaser: Die Gemeinde über den Zweckverband oder eine private Firma?  Foto: dpa 

Wirbel um vorschnelle E-Mails in Neuenbürg: Glasfaser-Firma startet unbeabsichtigt Werbeoffensive

Neuenbürg. Das ging nach hinten los. Wie Anfang des Jahres erfolgreich in Engelsbrand, hat die Firma BBV (Breitbandversorgung) Rhein Neckar jetzt auch die Werbung für ihre Glasfaseranschlüsse in Neuenbürg gestartet und örtliche Vereine in einer E-Mail angeschrieben. Bürgermeister Horst Martin zeigte sich überrascht und findet das Vorgehen der Firma „sehr bedenklich“. Es stellt sich heraus: Auch die BBV-Geschäftsleitung wusste nichts von der Werbeoffensive – es handle sich um den Alleingang eines Mitarbeiters.

In der Rundmail, die wohl an mehrere Neuenbürger Vereine versendet wurde, ruft das Unternehmen zur Mitarbeit auf. Für jeden neu gewonnenen Kunden, den der Verein der Firma beschert, gibt es 25 Euro für die Vereinskasse. Mit dem gleichen Vorgehen hat es BBV zuvor geschafft, mehr als die Hälfte aller Engelsbrander für ihre Verträge zu gewinnen – und baut jetzt den gesamten Ort auf eigene Kosten mit modernen Glasfaserkabeln aus (siehe „In Engelsbrand steht der Spatenstich bevor“).

Dass die Firma auch Interesse hatte, in Neuenbürg zu investieren, war bekannt (PZ berichtete). Der Vorstoß kam jetzt dennoch für alle überraschend. „Unser Mitarbeiter ist da offensichtlich übers Ziel hinausgeschossen“, sagt BBV-Pressesprecher Thomas Fuchs:

„Wir diskutieren intern über eine Ausweitung des Vermarktungsgebietes. Hierzu ist aber noch gar keine Entscheidung gefallen.“

Mit Erstaunen hat Bürgermeister Horst Martin von dem Vorstoß der BBV in Neuenbürg erfahren. „Ich wusste nichts von den Aktivitäten“, sagt Martin: „Die Stadt als Behörde ist hier nicht mit einbezogen worden.“ Laut Telekommunikationsgesetz steht es BBV frei, auch ohne Erlaubnis der Gemeinde Glasfaserkabel zu verlegen. In Engelsbrand dagegen fand ein reger Austausch mit der Verwaltung statt – die Firma stellte ihre Pläne auch im Gemeinderat vor. Zehn Millionen Euro in Gefahr? In Neuenbürg wird sie, so scheint es, aber alles andere als mit offenen Armen empfangen.

Mehr lesen Sie am Mittwoch, 29. Juli, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

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Constantin Hegel

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