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08.05.2009

Wörz-Prozess: Alibi des Polizisten erneut bestätigt

BIRKENFELD/MANNHEIM. Liebe und enttäuschte Gefühle, Ängste am Ende von Beziehungen, das alles lässt im Wörz-Verfahren vor dem Landgericht Mannheim die Wogen immer wieder hochschlagen. Zwar prüft das Strafgericht nüchtern die Ergebnisse der Polizeiermittler nach, die Harry Wörz für den Täter halten, der vor zwölf Jahren in Birkenfeld seine frühere Frau, die Polizistin Andrea Z., zu töten versuchte. Aber vor der 3. Strafkammer werden auch Seelenleben haarklein ausgebreitet. Gestern hat der Vorsitzende Richter Rolf Glenz die Öffentlichkeit ausgeschlossen, um die Intimsphäre einer wichtigen Zeugin zu schützen.

Die Ehefrau des Polizisten Thomas H., der sich damals in seine Kollegin Andrea Z. verliebt hatte, trat mit einer Anwältin in den Zeugenstand und wollte nicht vor Zuhörern aussagen. Ihrem Mann, der kurzzeitig Tatverdächtiger war, hatte die heute 52-jährige aus Pfinztal damals ein Alibi gegeben. Auch gestern habe sie versichert, dass ihr Mann zur Tatzeit neben ihr im Bett lag, sagten Staatsanwalt Philipp Zinkgräf und Nebenkläger Michael Schilpp.

Kampf mit harten Bandagen

Gleich nach der Trennung von ihrem Ehemann Harry Wörz im März 1996 hatte sich die 26-jährige Polizistin Andrea Z. in den älteren Kollegen Thomas H. verliebt. Seine Ehefrau kämpfte mit harten Bandagen um ihn. Sie fuhr wütend zu der Rivalin nach Birkenfeld, aber im handfesten Streit mit der jungen Polizistin hatte sie keine Chance.

Am 28. April 1997, an einem Montag, konnte die Ehefrau ihr Glück kaum fassen. Ihr Mann kehrte überraschend ins Haus im Karlsruher Raum zurück, obwohl er das ganze Wochenende bei der Freundin in Birkenfeld verbracht hatte. Am Dienstag gegen 2.30 Uhr, versuchte ein Mann, Andrea Z. mit einem Wollschal zu erdrosseln. „Mein Mann war es sicher nicht“ – das habe sie gestern einmal mehr ausgesagt, so Schilpp. Die Eheleute sind nicht mehr zusammen, sie haben sich scheiden lassen.

Von Klickgeräuschen geweckt

Wörz-Verteidiger Hubert Gorka versuchte schon im Wiederaufnahmeverfahren 2005, das Alibi der Ehefrau zu erschüttern. Da sie schwerhörig war, so Gorka, hätte sie es vielleicht nicht bemerkt, wenn ihr Mann aus dem Haus gegangen wäre. Sie habe zwar schlecht gehört, sei jedoch meist schon von den Klickgeräuschen aufgewacht, wenn ihr Mann nachts vom Dienst heimkam und den Schlüssel in eine Keramikschale legte, habe sie gestern erläutert, so Schilpp.

Die Aussagen der Frau von Andreas Liebhaber schlugen schon im vergangenen Wörz-Prozess 2005 Wellen, weil die Fallanalytiker des Bundeskriminalamts (BKA) in einem Gutachten den Täter als einen Mann beschrieben, der unter hoher innerer Spannung stand. Aus Gorkas Sicht schilderte das BKA eine Gemütsverfassung, wie sie bei Thomas H. vorgeherrscht hätte. Die Ehefrau hatte ihren Mann unter Druck gesetzt. „Wenn du jetzt noch einmal zu Andrea gehst, ist es aus“, sagte sie ihrem Mann. „Gestern erklärte sie dem Gericht auch, sie habe nicht einschlafen können, in der Angst, dass ihr Mann sich doch wieder ins Auto setzt und zu Andrea Z. fährt“, sagte Gorka.