nach oben
Akribisch: Der Vorsitzende Richter Rolf Glenz hakte bei Harry Wörz immer wieder nach.
Akribisch: Der Vorsitzende Richter Rolf Glenz hakte bei Harry Wörz immer wieder nach. © Ketterl
28.04.2009

Wörz-Prozess: Schwierige Suche nach alten Spuren

BIRKENFELD/MANNHEIM. Heute vor genau zwölf Jahren hat ein Täter versucht, die junge Polizistin Andrea Z. in Birkenfeld zu töten. Ob Harry Wörz, ihr damaliger Ehemann, von dem sie sich getrennt hatte, den Ermittlern der Polizei Täterwissen offenbarte, wollte das Landgericht Mannheim am Dienstag am zweiten Prozesstag akribisch herausfinden.

Kassiber abgefangen

Doch Erinnerungen beginnen zu verschwimmen oder überlagern sich mit Gehörtem und Gelesenem. „Mir denkt das nicht mehr“, sagt Wörz oft. Was ist noch persönliche Erfahrung und was hat er dem Aktenstudium entnommen? Der Vorsitzende Richter Rolf Glenz ließ sich von solchen Überlagerungen allerdings nicht beirren und hakte immer wieder nach.

Wörz war am 29. April 1997 frühmorgens in Gräfenhausen festgenommen worden, beteuert indes seither seine Unschuld. In einem Kassiber, den er drei Tage später aus dem Heimsheimer Gefängnis schmuggeln wollte, schrieb er seiner Freundin: „Es kommt nur auf Andrea an, wenn sie sagt, ich wäre es gewesen, bin ich für Jahre im Knast.“

Dieser Satz sei eine Art Geständnis, meinen Staatsanwaltschaft und der Pforzheimer Rechtsanwalt Michael Schilpp als Nebenkläger der Familie von Andrea Z.. Denn warum sollte der Bauzeichner befürchten, dass ihn seine frühere Frau zu Unrecht belastet? „Das ist ein heikles Thema“, sagte freilich Richter Glenz – einem Vernehmungsprotokoll sei zu entnehmen, dass die „Beamten selber eine solche Bezichtigung in den Raum stellten“.

Andrea Z. konnte nicht mehr sagen, wer sie mit einem Wollschal erdrosseln wollte. Sie ist seither schwerst hirngeschädigt. Auf Genauigkeit bedacht, versuchten die Richter auch zu klären, warum Harry Wörz die Auseinandersetzungen mit seiner Frau nach der Trennung zuerst in seinem Computer, später mit einem Tonbandgerät aufzeichnete. Hatte sich „alles bereits gut eingespielt“, wie Wörz sagte? Oder gab es doch Streit um das Umgangsrecht mit dem gemeinsamen Kind, weil der „Sohn nicht bei mir, aber bei allen anderen übernachten durfte“? Genau wollte Richter Glenz auch wissen, wie Wörz eine verschmutzte Hose in seiner Badewanne abgelegt hatte. Hat er die Jogginghose absichtlich ausgewaschen, um Spuren zu beseitigen? Oder ist sie beim Haarewaschen nur „zufällig benetzt worden?“, fragte Glenz. Kriminaltechniker hatten die Hose zunächst in der Wohnung gelassen, weil sie „noch tropfnass über dem Hahn hing“.