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Das Alt Brettheimer Volk schlägt die Württemberger in die Flucht.
Das Alt Brettheimer Volk schlägt die Württemberger in die Flucht. © Block
04.07.2011

Zahlreiche Besucher beim Peter- und Paul-Fest

Wieder einmal drehte sich beim Peter-und-Paul-Fest in Bretten alles um den kläglich gescheiterten Versuch von Herzog Ulrich von Württemberg, anno 1504 das kurpfälzische Alt Brettheim einzunehmen. Erst wurde sich zum Kampf gerüstet, dann gekämpft, gehuldigt und zunftgemäß gefeiert. Ohne die Vereinigung Alt Brettheim, die das Fest nach dem zweiten Weltkrieg in seinen historischen Bezügen aufleben ließ, ist das legendäre Spektakel mit Schäfersprung, Schützenfest und Zapfenstreich undenkbar.

Ebenso nicht fehlen dürfen die überwiegend im mittelalterlichen Gewand gekleideten Besucher, die sich dem geschichtsträchtigen Treiben lustvoll hingeben. Noch wichtiger aber ist das fleißige Brettener Volk, das getreu dem Mottos „Eine Stadt lebt ihre Geschichte“ und „Nach dem Fest ist vor dem Fest“ die Melanchthonstadt ein ganzes Jahr lang auf Peter-und-Paul vorbereitet. „Viele geschichtsbewusste Bürger sorgen mit ihrem weltoffenen Bürgersinn für eine unverwechselbare Atmosphäre“, würdigt Stadtvogt Peter Dick die Gemeinschaft.

Auch ohne Landsknechte wäre das Fest nicht das, was es heute ist. Als vor 25 Jahren der Verein der Landsknechte 1504 das Licht der Welt erblickte, war zwar das Thema „Mittelalter“ schon lange das wesentliche Merkmal des ersten Juli-Wochenendes, doch beschränkten sich seinerzeit die Feierlichkeiten auf den Empfang der Gäste mit anschließendem Beisammensein. Mittlerweile sind die „Spießträger“ mit über 180 aktiven Mitgliedern und Abteilungen wie Marketenderei, Sudlerei und Schwertkämpfer eine der stärksten Gruppen in Bretten. „Das Aufschlagen der Zelte vor dem Amtsgericht war ein Impuls zur Lagerbildung in der Altstadt“, erinnert sich der heutige Vereinsvorstand Peter Beyle auch noch gut an den 25 000 Mark-Kredit, der vor 25 Jahren als Geburtshilfe aufgenommen wurde. Doch die Investition hat sich gelohnt, schließlich ist die von den Landsknechten initiierte nachgestellte Schlacht um Alt Brettheim zur Hauptattraktion geworden.

Alljährlich wird beim Simmelturm die Belagerung durch das württembergische Heer in Szene gesetzt. Klammheimlich, so die Chronik von Georg Schwarzerdt, sollen sich die Angreifer angeschlichen haben. Die dichten Stadtmauern müssen schon übel zerschossen gewesen sein, als sich das Brettheimer Volk endlich aus der Umklammerung befreien konnten.

Neben den vielseitigen kämpferischen Darstellungen kann sich von der neumodernen Einöde abgewendet und nach Herzenslust dem aufregenden mittelalterlichen Leben hingegeben werden. So wird die eigene Geschichte so überzeugend und mit Begeisterung gelebt, dass die Besucher das Gefühl bekommen, die Württemberger müssten heute noch abgewehrt werden. Ganz Brettheim ist an Peter-und-Paul eine Zeitmaschine, die jeden in das Jahr 1504 katapultiert. So mancher wird noch lange brauchen, bis er wieder in das Heute zurück findet.

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