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12.05.2017

Zahnzusatzversicherung - lohnt sich der Abschluss überhaupt?

Zahnzusatzversicherungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Verfügten im Jahr 2005 erst 7,79 Millionen Kassenversicherte in Deutschland über eine private Zahnzusatzversicherung, hat sich die Zahl bis 2015 fast verdoppelt (14,95 Millionen Policen).

Manche Zusatzversicherungen kosten nur wenige Euro im Monat, andere verlangen 50 oder gar 60 Euro im Monat - was zeichnet eine gute Zahnzusatzversicherung aus? Worauf sollte man achten? Und lohnt sich das überhaupt? Verschiedene Fragen, denen wir auf den Grund gehen möchten.

Lohnt sich eine private Zahnzusatzversicherung überhaupt?

Eine Zahnzusatzversicherung lohnt sich nur in Einzelfällen, meint zumindest Jens Trittmacher vom Bund der Versicherten. Kürzlich veröffentlichte er einen Blog-Beitrag zum Thema Zahnzusatzversicherungen, wo er sich kritisch äußert. Er führt an, dass sich speziell für seine eigene Situation eine Zahnzusatzversicherung nicht gerechnet hätte. Er hat sich nach Rücksprache mit dem Zahnarzt entschieden, lieber eine Geldrücklage anzulegen. Einen aktuellen Leistungsfall, wo es um den Ersatz eines Zahnes geht, kann er nun gut aus diesem angesparten Guthaben finanzieren. Trittmacher rechnet in seinem Blog-Beitrag vor, dass er für eine Zahnzusatzversicherung innerhalb der Mindestvertragslaufzeit von 2 Jahren mindestens zwischen 650 und 1000 Euro hätte einbezahlen müssen. Anhand des aktuellen Schadenfalles hätte er im Schnitt noch 20% der Gesamtkosten selbst tragen müssen, was bei einer Implantatversorgung für 2.000 Euro rund 400 Euro gewesen wären. Für ihn persönlich hätte sich eine Zahnzusatzversicherung damit nicht gelohnt – so sein Fazit.

Maximilian Waizmann, Geschäftsführer des Online-Portals www.zahnzusatzversicherung-experten.de hat eine etwas andere Sichtweise. „Eine Versicherung ist keine Geldanlage, die unter dem Aspekt der „Rendite“ betrachtet werden darf. Man versichert sein Haus ja trotzdem gegen Feuer und andere Gefahren, auch wenn man nicht davon ausgeht, dass das Haus morgen abbrennen wird.“ Eine Versicherung kann insofern nicht für jeden zur lohnenswerten Geschichte werden. Natürlich könnte man auch für die Zähne monatlich 20 oder 30 Euro zurücklegen und dann einige Jahre später, Zahnersatz aus dieser Rücklage selbst tragen. Doch nicht für jeden wird diese Rechnung aufgehen. Bei vielen scheitert es schon allein an der Spardisziplin - die Verlockungen der Konsumgüterindustrie sind allgegenwärtig - da geht das Sparguthaben schon mal für einen Urlaub oder eine schicke Handtasche drauf.

Eine Betrachtung der Versicherung auf zwei Jahre, wie sie Jens Trittmacher vom BDV vornimmt, ist auch etwas kurz gedacht. Es ist in der Tat lebensfremd, dass man direkt innerhalb von 1 oder 2 Jahren so gravierende Zahnschäden hat, dass sich die Versicherung schon deutlich lohnt im Sinne von „mehr Leistung als gezahlte Beiträge“. Eine Versicherung soll unvorhergesehene Schäden absichern, mit denen man gerade eben nicht rechnen konnte. Eine Wurzelentzündung, die zum Zahnverlust führen kann, lässt sich beispielsweise in den meisten Fällen nicht vorhersehen. Ein Implantat schlägt schnell mit über 2.000 Euro zu buche, die nicht unbedingt jeder „locker“ mal nebenbei aufbringen kann. Wem seine Zähne wichtig sind, der kann sich durchaus überlegen, sein Geld in eine Zahnzusatzversicherung zu investieren. Langfristig können beim Zahnarzt durchaus Kosten in Höhe von 10.000 bis 20.000 Euro entstehen - durchaus eine Summe deren Absicherung „lohnenswert“ ist.

Welche Zahnzusatzversicherung ist empfehlenswert?

Hat man die Entscheidung gefasst, eine Zahnzusatzversicherung abzuschließen, geht es um die Frage, welche Versicherung man wählen sollte. Schier unzählige Angebote der privaten Versicherer machen die Auswahl nicht gerade leicht. Die Kosten für eine private Zahnzusatzversicherung beginnen etwa bei rund 5-10 Euro monatlich, in der Spitze geht es bis rund 60-70 Euro hoch. Zunächst einmal sollte eine gute Zahnzusatzversicherung eine ordentliche Leistung im Bereich Zahnersatz bieten. Gerade Tarife mit sehr niedrigen Beiträgen kommen daher eigentlich nicht in Frage - diese Tarife orientieren ihre Leistung häufig nur am Zuschuss der gesetzlichen Krankenkasse oder bieten nur eine geringe Deckung von z.B. 20 oder 30% der Gesamtkosten. Gerade bei Implantaten oder Inlays wo sich die GKV nur minimal beteiligt, hilft eine solche Zusatzversicherung nicht besonders weiter. Gute Zahnzusatzversicherungen sollten daher mindestens 80% der Gesamtkosten bei Zahnersatz decken.

Tarife, die diese Basisanforderung erfüllen, kosten je nach Alter etwa ab 10-25 Euro monatlich, z.B. Inter Z90 oder Hallesche dentZE90. Höher fallen die Beiträge im Regelfall aus, wenn die Zahnzusatzversicherung nicht nur Zahnersatz absichert, sondern auch Leistungen für Prophylaxe und Zahnbehandlung. Preisgünstige Tarife in dieser Leistungsklasse gibt es je nach Alter ab rund 15 bis 40 Euro Monatsbeitrag, z.B. die Universa uni-dent|Privat oder den Allianz DentalBest. Einen guten ersten Einstieg ins Thema bieten Verbraucherzeitschriften wie z.B. die Stiftung Warentest, die gerade im November 2016 wieder einen Test zum Thema Zahnzusatzversicherungen veröffentlicht hat. Auf Online-Vergleichsportalen im Internet lassen sich die Tarife ebenfalls gut vergleichen. Ob ein Tarif den eigenen Vorstellungen entspricht, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Checkliste: darauf müssen Sie bei der Zahnzusatzversicherung achten

Vor dem Abschluss einer Zahnzusatzversicherung sollten Sie verschiedene Leistungsdetails prüfen. Mit unserer Checkliste, können Sie die wichtigsten Punkte abhaken.

Leistungshöhe bei Zahnersatz:

Zusammen mit dem Festzuschuss der gesetzlichen Kasse sollten mindestens 80% abgesichert sein. Manche Anbieter erhöhen diesen Wert, wenn man regelmäßige Zahnkontrollen mit einem Bonusheft nachweisen kann. Optimal ist natürlich eine Absicherung von 90 oder 100%, wobei solcher Tarife natürlich auch vom Beitrag her teurer sind.

Allgemeine Vertragsklauseln:

Versicherungen sind einfallsreich wenn es um die Formulierung von einschränkenden oder ausschließenden Klauseln geht. Manche Anbieter beispielsweise machen es zur Bedingung, dass die GKV eine Leistung für Zahnersatz erbringt - ist das nicht der Fall gibt es auch von der Zusatzversicherung kein Geld. Implantate sind auch ein gutes Beispiel; viele Tarife sehen hier Einschränkungen vor, sei es auf eine bestimmte Anzahl oder einen festgeschriebenen Höchstbetrag. Je mehr Einschränkungen der Vertrag vorsieht, desto schlechter ist das später im Leistungsfall. Gerade sehr günstige Tarife haben oftmals Einschränkungen in den Bedingungen, die erst bei genauem Hinsehen auffallen.

Wartezeiten und Summenstaffeln:

Achten Sie darauf, ob anfänglich Wartezeiten und Summenbegrenzungen bestehen. Gerade wenn Sie z.B. ältere Füllungen oder Kronen haben, sollten Sie eine Versicherung wählen, die auf Wartezeiten verzichtet und die Leistungen in den ersten Jahren nicht zu stark einschränkt.

Kalkulation der Beiträge (Alterungsrückstellungen):

Die meisten Anbieter kalkulieren ihre Beiträge ohne Alterungsrückstellungen. Bei diesen Angeboten steigen jüngere Menschen günstig ein, die Beiträge erhöhen sich jedoch vorprogrammiert mit dem Älterwerden. Das kann dennoch eine günstige Alternative zu Tarifen mit Alterungsrückstellungen sein, deren Beiträge schon von Anfang an höher kalkuliert sind. Prüfen Sie, zu welchen Altersklassen sich die Beiträge der einzelnen Tarife ändern.

Zusatzleistungen für Prophylaxe und Zahnbehandlung:

Wenn Sie regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt machen lassen, können Sie darüber nachdenken, eine Zahnzusatzversicherung zu wählen, die auch diese Kosten trägt. Achten Sie darauf, dass die Versicherung in etwa den Leistungsumfang bei der Prophylaxe bietet, den Sie individuell voraussichtlich ausschöpfen werden. Es macht keinen Sinn, eine Zusatzversicherung mit unbegrenzter Prophylaxe-Leistung zu wählen, wenn Ihnen dafür z.B. nur einmal jährlich Kosten entstehen. Bei Wurzel- und Parodontosebehandlung wird häufig zwischen Behandlungen mit und ohne Vorleistung der gesetzlichen Kasse unterschieden - prüfen Sie, in welchen Fällen die Zusatzversicherung die Kosten tatsächlich übernimmt. Der Teufel steckt häufig im Detail.