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Die Narren waren los beim Nachtumzug in Schellbronn. © Günther
15.01.2012

Zehnmal mehr Narren als Einwohner in Schellbronn

Schellbronn. Tausende Narren haben am Samstagabend die Straßenfasnet mit dem Nachtumzug in Schellbronn eingeläutet. Nachdem der Umzug im vergangenen Jahr wegen des Schnees abgesagt werden musste, war die Freude nun um so größer.

Bildergalerie: Nachtumzug in Schellbronn - Teil 3

Ein Riesenspektakel war der Nachtumzug in Schellbronn. Über 10 000 Narren, davon allein rund 2500 Hästräger, bevölkerten das 1400-Einwohner-Dorf. Gut gelaunt kamen rund 90 Narrenzünfte der Alemannischen Fasnet mit ihren Fußgruppen aus dem weiten Südwestdeutschen Raum ebenso wie die Zuschauer, die dicht gedrängt die zwei Kilometer lange Umzugsstrecke säumten. Das Dorf war eine einzigartige Partymeile.

Bildergalerie: Nachtumzug in Schellbronn - Teil 2

Bildergalerie: Nachtumzug in Schellbronn - Teil 1

Viele der Zuschauer waren mehr oder weniger verkleidet, aber alle in bester Stimmung und mit purer Lust auf Fasnet und Narretei. Vor manchen Hexen und Teufeln musste man sich in Acht nehmen. Mit dicken, schwarzen Fettstiften markierten sie gerne die Gesichter ihrer Opfer, schulterten junge Mädchen, banden ihnen die Beine aneinander, machten ein Folienpaket aus ihnen oder klauten Mützen. Es gab auch ganz liebe Hexen, die nur liebevoll mit ihren grusligen Holzmasken und funkelnden Augen mit den Zuschauern schmusten oder den ganz kleinen Zuschauern ein Gutsele zusteckten. Ganz übermütige Hexen wälzten sich auf dem Boden oder schlugen Purzelbäume im Duett.

Vor der Tribüne präsentierten einige eine Hexenpyramide. Rund 20 Musik- und Guggenmusikgruppen heizten immer wieder lautstark den Zuschauern ein, die auf der Stelle tanzend den Temperaturen um den Gefrierpunkt trotzten. Die Moderatoren Cindy Riexinger und Fabian Ochs begrüßten die Zünfte und ihre Zunftmeister mit ihren speziellen Schlachtrufen. Von der Tribüne, auf der sich eine stattliche Anzahl Ehrengäste eingefunden hatten, jubelte Präsidentin Patricia Hoenke mit Prinzessin Jaqueline I. dem Narrenvolk zu.

Die größte Gruppe mit einem gigantischen Aufgebot von rund 300 Personen kam aus der Nachbargemeinde Tiefenbronn. Der Tiefenbronner Carnevalsverein (TCV) kam mit Brunnengeistern, Teufel, Gemmingen-Hexen, Zottelböck vom Forcheneck, Geisterjägern, Lions Family, Schmellenhopfer und den Lehninger Guggen: Dreimal kräftig Hibbele hoi, Hibbele hoi, Hibbele hoi hoi hoi.

Viele der Vereine kommen jedes Jahr wieder zu diesem einzigartigen Event im Enzkreis, das der Narrenbund Schellau zum 14. Mal veranstaltete. Die Vielfältigkeit der Larven, wie die kunstvoll geschnitzten Masken heißen, ist schier unerschöpflich. Jede Maske und das Häs haben eine historische Bedeutung, die mit ihrem Heimatort in Verbindung steht.

Von Anfang an dabei waren die Bietschellen des Hau Hu aus Neuhausen. Ganz junge Vereine wie die Betzenbuckler aus Heimsheim, die Oldstyl-Gugga aus Aidlingen, die Narrenzunft Mihlaleidla aus Unterensingen oder die Esslinger Spätzlesfresser nahmen erstmals teil. „Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Der Nachtumzug ist Kult“, meinte eine Schlossberghexe aus Nagold ebenso wie ein Posaunist von den Odama Katzengugga aus Odenheim und eine Wasserbugglhex aus Böblingen-Sindelfingen. Die Guggenmusiker aus Odenheim sorgten schon bei der Prunksitzung des Schellaus mit fetziger Musik für gute Stimmung in der Schwarzwaldhalle.

Mit 3000 Lichtern geschmückt

Im vergangenen Jahr musste der Umzug zum Bedauern aller kurzfristig abgesagt werden. Umso mehr hatten sich die Narren und das närrische Volk auf die gute Stimmung, das einzigartige Flair mit über 3000 Lichtern über den Straßen in Schellbronn gefreut und auf die Party auf den Straßen während des gut dreistündigen Umzugs. Und sie wurden nicht enttäuscht. „Das ist einfach geil. Da muss man dabei sein“, schwärmte ein junge Besucherin. Bei der Schwarzwaldhalle war mit Zelten ein ganzes Narrendorf entstanden, wo nach dem Umzug die Post abging. Die Guggenmusiker heizten mit fetzigen Klängen die Stimmung ein und die Leute am Ausschank und am Grill hatten alle Hände voll zu tun. wg

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