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Zerplatzter Bädertraum: Fiel Bad Herrenalb auf wertlosen Beleg rein?
Zerplatzter Bädertraum: Fiel Bad Herrenalb auf wertlosen Beleg rein? © dpa
05.06.2014

Zerplatzter Bädertraum: Fiel Bad Herrenalb auf wertlosen Beleg rein?

Bad Herrenalb. Alles nur eine Seifenblase? Bad Herrenalbs gigantisches Bäder-Projekt ist geplatzt. Der Kurort schmiedete seine Pläne auf Grundlage einer wertlosen Zusage eines vorgeblichen Investors. Doch im Rathaus gibt man die Visionen nicht auf.

Der Schwarzwald-Kurort Bad Herrenalb (Kreis Calw) ist bei seinem umstrittenen Erlebnisbad-Projekt nach einem Zeitungsbericht auf einen wertlosen Millionen-Beleg reingefallen. Die Kopie des vermeintlichen Kontoauszugs soll laut «Stuttgarter Zeitung» (Mittwoch) Entscheidungsgrundlage für die geplante, inzwischen begrabene riesige Wellness- und Hotelanlage am Ortseingang gewesen sein. Dem Blatt zufolge hatte der vorgebliche Investor dem Ort die Kopie des Belegs einer Schweizer Privatbank in Höhe von 512 Millionen Euro vorgelegt - mit einem Originalkontoauszug der Bank hatte dies nach Feststellung der Staatsanwaltschaft Tübingen aber nichts zu tun.

Diese hatte wegen möglichen Verdachts des Betrugs und der Urkundenfälschung bereits im vergangenen Sommer Vorermittlungen geführt, sie im Mai aber eingestellt. Grund: «Der vorgelegte Kontoauszug ist nach dem Erscheinungsbild so weit von einem Originalbankauszug entfernt, dass eine Urkundenstraftat durch Vorlage der Kopie nicht in Betracht kommt.» Zudem verwies ein Sprecher am Mittwoch darauf, dass der Stadt kein Schaden entstanden sei.

Der angebliche Investor wollte dem hoch verschuldeten Kurort nach früheren Angaben für 160 Millionen Euro einen gigantischen Badetempel am Ortseingang hinstellen. In einem Bürgerentscheid hatten die Herrenalber im Dezember dafür gestimmt. Die Projektgegner fürchteten dagegen wegen des «monströsen» Projekts um das Landschaftsbild des 7300-Einwohner-Ortes und ehemaligen Klosterdorfes südlich von Karlsruhe.

Bad Herrenalbs Bürgermeister Norbert Mai (parteilos) sagte der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage, für ihn sei das Bäderprojekt seit Anfang April «erledigt» - die angeblichen Geldgeber waren abgetaucht. «Die Enttäuschung ist groß», so Mai. Der 40 000 Euro teure Bürgerentscheid sei jedoch «nicht umsonst» gewesen: Der Ort suche nach weiteren Investoren für das Filet-Grundstück am Ortseingang - für ein anderes touristisches Projekt, wie Mai betont. Der Bürgerentscheid habe gezeigt: «Herrenalb steht dazu, dass es eine Kur- und Tourismusstadt ist. Auf dem Weg wollen wir weiter gehen.» Der Entscheid erleichtere anderen Investoren die Umsetzung.

Die bestehende Therme ist in die Jahre gekommen und macht jährlich eine Million Euro Verlust. Geld, das die mit 16 Millionen Euro verschuldete Stadt dringend für Pflichtaufgaben wie den Unterhalt von Kindergärten, Schulen, Feuerwehr oder Abwasserbeseitigung braucht.

Das ganze sei eine «absurde Provinzposse», meinte Gerhard Geschwill, der frühere Sprecher der inzwischen aufgelösten Bürgerinitiative gegen das Projekt. Und er sprach auch von einer «Riesenschweinerei». Der Bürgermeister habe gewusst, dass die Staatsanwaltschaft prüfe und behauptet, Geld sei da.

Die Bürger haben der Lokalpolitik bei der Kommunalwahl am 25. Mai die Quittung gegeben: 8 von 16 Räten wurden abgewählt; neu im Gemeinderat sind die Vertreter der einstigen Bürgerinitiative.