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Ziegelmuseum geöffnet: Lehm ist Leben – Ziegelkunde auch für Schulklassen.
Ziegelmuseum geöffnet: Lehm ist Leben – Ziegelkunde auch für Schulklassen © privat
24.04.2013

Ziegelmuseum geöffnet: Lehm ist Leben – Ziegelkunde auch für Schulklassen

Im Frühling öffnen Museen wieder ihre Türen. Bei der großen Vielfalt gibt es monumentale Kunsttempel ebenso wie versteckte Kleinode. Spannend bleiben aber immer wieder die Museen, die sich unspektakulären Themen widmen.

Themen, die uns täglich begleiten und daher nicht immer im Fokus unserer Betrachtungen liegen. Ein schönes Beispiel dafür sind Ziegel. Diese unscheinbaren Gebilde werden heute zwar durch unterschiedliche Verfahren hergestellt, entstehen aber seit Jahrhunderten unverändert aus Erde, Wasser, Luft und Feuer.

Eine besondere Art, Ziegel und ihre Geschichte besser zu verstehen, bietet das Museum Bad Herrenalb mit seiner Aktion „Lehm ist Leben“. Grundschüler der 3. und 4. Klasse lernen spielerisch mehr über handgefertigte Ziegel früherer Zeiten sowie die Geschichte der Klöster und Feudalherren, die sich als Erste ein Ziegeldach leisten konnten. „Die Kinder schlüpfen in die Rollen des Klostergründers, eines Klosterbruders und Ziegelhandwerkers, um sich am Beispiel des Herrenalber Klosters in vergangene Zeiten und Lebensbedingungen hinein zu versetzen“, so Sigrid Fiebig, Museumsleiterin und Vorsitzende des Fördervereins Museum Bad Herrenalb e.V., die mit großer Begeisterung von den kleinen Künstlern berichtet, die mit viel Phantasie ihre selbst gefertigten Dachziegel mit eigenen Zeichen markieren.

„Vorbild macht Schule“, lacht Fiebig. Denn zum lebendigen Heimatkunde-Unterricht im eigenen Werkraum gehört auch ein Museumsbesuch. Die Sammlung besteht aus Herrenalber Klosterziegeln sowie den kostbaren Exponaten aus der Feierabendziegel Sammlung Berndt. Das wohl einzigartige Spezialmuseum zeigt eine Fülle von Motivziegeln aus verschiedenen Jahrhunderten und ist damit einzigartig bei der großen Vielfalt und Präsenz der sogenannten Feierabendziegel.

„Die Ziegler formten sie von Hand und markierten die gefertigten Stücke mit Zeichen, an denen man ihre Arbeit erkennen konnte.“ Sigrid Fiebig hat die „Betende Nonne“ in der Hand und erklärt: „Einzelne Ziegel wurden mit Aufschriften versehen. Dieser schöne Firstziegel aus dem Jahr 1781 ist nicht nur außergewöhnlich, sondern auch noch beschriftet. Von Rechnungen ü̈ber Schadensabwehrzeichen, Hinweise auf politische Ereignisse bis zu Persönlichem und manchmal auch Derbem ist bei unseren Ziegeln im Museum alles zu finden.“

Die Inschriften und Zeichnungen vermitteln einen Einblick in die Bereiche des täglichen Lebens, mal signierte der Ziegler sein Werk ähnlich einem Künstler mit Namenszug, Entstehungsjahr und Herstellungsort, Mal nutzte er den nassen Ton als Notizzettel oder Rechenblock für geleistete Wochenrechnungen. Die Inschriften befassen sich auch mit dem Auftraggeber, denn ein Ziegel verrät: „Wer das Drinkgeld thut vergessen, den soll bald der Teufel fressen“. Unabhängig von der Botschaft, den Rechnungen oder sonstigen Notizen – es wurde kein Tonblatt verschwendet. Alle Ziegel wurden gebrannt und überdauerten auf den Dächern oftmals Jahrhunderte. Auf einen der wohl der ältesten datierten Ziegel verweist Sigrid Fiebig und zeigt den ausgestellten Klosterziegel mit der eingeritzten «Rose von Eberstein» und der Jahreszahl 1431. Ebenfalls aus Herrenalb stammt der „Teufelsbock“, ein Herrenalber Ziegel aus dem Jahr 1479. Das eingeritzte Fabeltier ist heute das Wahrzeichen des Museums und steht für kreative Lehm-Kurse für Kinder, spannende Heimatgeschichtliche Vorträge und traditionsbewusste Ausstellungen.

Das Museum wird ehrenamtlich geleitet und betreut durch Mitglieder des Fördervereins Museum Bad Herrenalb e.V. Nach der Winterpause ist das Museum gegenüber der Klosterkirche wieder jeden Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr und ab 12. Mai auch Mittwochs von 14.30 bis 17.00 Uhr geöffnet - Kinder unter acht Jahren zahlen keinen Eintritt, dürfen aber gerne ihren Kindergeburtstag im Museum feiern oder an einem kreativen Kinder-Workshop teilnehmen. Individuelle Führungen – auch für Schulklassen sind nach Absprache jederzeit möglich und buchbar unter

info@museum-bad-herrenalb.de

 

Die Webseite verweist auf aktuelle Konzerte und Ausstellungen.

Besucheradresse: Im Kloster 2, 76332 Bad Herrenalb

Weitere Informationen: www.museum-bad-herrenalb.de