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In Ispringen fest angekommen: die jungen Gambier Ebrima Sanneh (von links), Alieu Daffeh und Masaneh Makalo.
In Ispringen fest angekommen: die jungen Gambier Ebrima Sanneh (von links), Alieu Daffeh und Masaneh Makalo.
07.03.2017

Zurück ist keine Option - Junge Gambier in Ispringen wollen Ruf ihres neuen Präsidenten nicht folgen

Es sind unruhige Zeiten im kleinen westafrikanischen Staat Gambia. Viele der Bürger flohen in den vergangenen zwei Jahren nach Europa. Nun gab es nach 22 Jahren einen Machtwechsel in Gambia und der neue Präsident, Adama Barrow, hat die Flüchtlinge dazu aufgerufen, in ihr Heimatland zurückzukehren.

Für Ebrima Sanneh und die anderen Gambier in Ispringen ist das keine Option. 15 junge Westafrikaner haben in der Enzkreisgemeinde ein neues Zuhause gefunden, sich etwas aufgebaut. Fast alle von ihnen gehen zur Schule, machen Praktika oder hoffen auf eine Ausbildung. „Die politischen Probleme in Gambia sind noch nicht gelöst“, sagt Ebrima Sanneh, „das System ist noch nicht gut.“ In Gambia herrsche militärische Verwirrung, und das könne gefährlich werden. „Der alte Präsident gehört dem Stamm der Jolas an“, erklärt Ebrima Daffeh. Yahya Jammeh war damals durch einen Putsch an die Macht gelangt, seither war in Gambia nichts, wie vorher. Der neue Präsident stamme von einer anderen Ethnie ab, den Mandinkas. Inzwischen hat Jammeh zwar nach einigem Widerstand die Macht an seinen Nachfolger Barrow abgegeben, gut sei in dem Land aber trotzdem noch lange nichts, meinen die jungen Westafrikaner in Ispringen.

Das Problem: die gambische Armee. „Sie besteht aus dem Stamm der Jolas“, erklärt Ebrima Daffeh, „und niemand weiß, ob sie dem neuen Präsidenten folgen wird.“ Die Lebensumstände in Gambia seien nach wie vor schrecklich, sagt Sainey Kambi. „Wir haben zwar einen neuen Präsidenten, aber das Land ist trotzdem gespalten.“ Die verschiedenen Stämme würden sich untereinander bekämpfen.

Auch abgesehen von der politischen Lage können sich die jungen Männer eine Rückkehr nach Gambia nicht vorstellen. „Unser Land hat wirtschaftliche Probleme“, sagt Kambi, „die jungen Menschen gehen zur Schule und haben danach keinen Job.“ Ebrima Daffeh fügt hinzu: „In Gambia hat man keine Zukunft – und dann wird man am Ende des Tages eben kriminell.“ Zudem ist der neue Präsident nur für drei Jahre im Amt – zu kurz, um viel zu bewegen, sind sich alle einig.

Warum die jungen Gambier ihr Heimatland erst nach vielen Jahren unter dem alten Präsidenten verlassen haben? „Wir mussten erst alt genug werden, um zu verstehen, wie die Lage in Gambia ist“, meint Ebrima Daffeh, „und das wir dort keine Zukunft haben.“ Ihre Zukunft sehen die jungen Männer in Ispringen. „Wir sind hier eine Familie“, sagt Sanneh. „Ganz Ispringen ist meine Familie geworden“, lacht Alieu Daffeh. Von dem Aufruf seines neuen Präsidenten hat er wie die anderen aus den Medien erfahren. Ob er Angst hat, dass Gambia zu einem sicheren Herkunftsland werden könnte, und er zurückmuss? „Ja“ sagt Alieu Daffeh. In Ispringen habe er seinen Frieden, ein besseres Leben gefunden.

„Die Gambier hier in Ispringen halten fest zusammen“, sagt Freundeskreis-Asyl-Vorsitzende Ingrid Vogt, „da passt kein Blatt dazwischen.“ Im Großen und Ganzen sei man mit der Integration der Flüchtlinge sehr zufrieden, meint Ispringens Hauptamtsleiter Thomas Ruppender: „Die jungen Männer sind sehr rührig, wenn es etwas zu helfen gibt in der Gemeinde.“ Der Wille, sich voll einzuleben, sei bei allen da. Für die Gambier in Ispringen steht fest: Die Gemeinde ist jetzt ihr Zuhause, sie wollen nicht zurück. „Ich möchte auf jeden Fall hier bleiben, arbeiten, eine Familie haben und mir ein neues Leben aufbauen“, sagt Masaneh Makalo.

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