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Konzentriert im Deutschunterricht: Lehrerin Lisa-Maria Glaser freut sich über den Lerneifer der Flüchtlingskinder in der Nieferner Werkrealschule. Der Enzkreis und die Stadt Pforzheim wollen außerdem jungen Flüchtlingen mit beruflichen Qualifizierungsprojekten den Übergang in die Arbeitswelt ebnen.  Ketterl, Archiv
Konzentriert im Deutschunterricht: Lehrerin Lisa-Maria Glaser freut sich über den Lerneifer der Flüchtlingskinder in der Nieferner Werkrealschule. Der Enzkreis und die Stadt Pforzheim wollen außerdem jungen Flüchtlingen mit beruflichen Qualifizierungsprojekten den Übergang in die Arbeitswelt ebnen. Ketterl, Archiv
05.03.2017

Zusätzliche Kurse: Mehr Bildungswege für junge Flüchtlinge

Während der Flüchtlingswelle kamen viele junge Asylsuchende in die Region. Rund ein Drittel der Flüchtlinge im Enzkreis seien zwischen 13 und 25 Jahre alt, sagt Sozialdezernentin Katja Kreeb bei der jüngsten Konferenz für die ehrenamtlichen Helfer. Die jungen Flüchtlinge stünden vor einem langen und schwierigen Weg, bis sie zu einem Job kommen können, so Kreeb.

Ohne gutes Deutsch und ohne Bildungsabschluss sind sie im regionalen Arbeitsmarkt nahezu chancenlos. Schulen im Enzkreis und in Pforzheim bieten ihnen Bildungswege an, aber auch Vorbereitungskurse für Arbeit und Beruf (VAB) – nach ein- bis zweijährigen Deutschkursen sollen sie einen Hauptschulabschluss anpeilen und in vier bis fünf Jahren stünde für sie ein Arbeitsplatz in Aussicht. Doch nicht jeder wolle in die Schule, so der Enzkreis. Und sind die jungen Leute 18, endet die Schulpflicht, sie sind volljährig.

Wie meistern nun Pforzheim und der Enzkreis die Herausforderung? Mit einem Bildungspaket hat die Stadt Pforzheim auf den Andrang junger Menschen aus dem Ausland reagiert. Rund 1100 Kinder haben laut Bildungs- und Sozialbürgermeisterin Monika Müller Vorbereitungsklassen in den allgemeinbildenden Schulen besucht – darunter im Reuchlin-Gymnasium, in der Insel-Realschule oder den Werkrealschulen. Rund 500 Jugendliche werden in Berufsschulzweigen betreut. „Wir haben bereits seit Jahren mit den jungen irakischen Yeziden die Erfahrung gemacht, dass Schule allein nicht passt. Beschäftigung und Qualifizierungen kombinieren wir mit schulischen Elementen“, sagt Müller.

Zahlreiche Angebote

Außerdem ebne das städtische Jobcenter mit zahlreichen Angeboten den Weg in die Arbeitswelt „einfach sehr konkret“. Und: „Mit derzeit fünf zusätzlichen Projekten werden junge Flüchtlinge auf Bildungs- und Sozialgleise gesetzt“, so die für beide Bereiche verantwortliche Bürgermeisterin. Da ist „PerjuF“ (Perspektive für junge Flüchtlinge) für Asylbewerber unter 25 Jahren mit guter Bleibeperspektive, die längerfristig eine Ausbildung anstreben. Das Projekt „Neustart in Deutschland“ ist für unter 25-Jährige gedacht, die Hartz-IV-Leistungen bekommen – Sprachkenntnisse müssen aber nicht vorhanden sein. „Zukunft in Deutschland“ ist für ausländische Personen vor dem Eintritt in einen Integrationskurs angedacht. Die Einstiegsqualifizierung über die Arbeitgeberberatung des Jobcenters kümmert sich um Lernbeeinträchtigte und sozial benachteiligte Ausbildungssuchende.

Das Angebot „BPJ 21“ hilft Flüchtlingen und Asylberechtigten mit Sprachdefiziten oder Eingewöhnungsschwierigkeiten. Als Einstieg gedacht hat auch das Jobcenter des Enzkreises dieses „BPJ 21“-Projekt sowie weitere Maßnahmen.

Insgesamt rund 250 jugendliche Flüchtlinge zwischen 16 und 20 Jahren habe das Landratsamt versorgt, so Dezernentin Katja Kreeb, vor allem im Berufsschulzentrum in Mühlacker, an Pforzheimer Berufsschulen sowie in der Carlo-Schmid-Schule in Pforzheim. In dieser Bildungseinrichtung sei aktuell eine neue VABO-Klasse mit bisher 12 Schülern gestartet worden. Für rund 50 Personen von 18 bis 20 Jahren, die die Schule nicht mehr besuchen können oder nicht wollen, benötige man alternative Angebote. Ungeklärt seien 20 Fälle, so Kreeb.

Der Enzkreis wolle nun bis Mitte des Jahres eine Strategie für die Integration der 15- bis 25-jährigen Flüchtlinge erarbeiten, sagt Kreeb. Es sei nötig, den „Flickenteppich der verschiedenen Angebote von Stellen und des Jobcenters zielführend zu vernetzen“ und in eine Schiene zu bringen – die von vorbereitenden Deutschkursen über berufliche Einstiege und schulische Abschlüsse letztlich zu Ausbildungsplätzen führe.

Ein wichtiger Faktor sei die Überzeugungsarbeit der haupt- und ehrenamtlichen Betreuer in den Kommunen, den jungen Flüchtlingen zu vermitteln, diesen Bildungsweg zu gehen. Kreeb will nun eine Strategie für den Enzkreis erarbeiten und bis Ende Juli die Ergebnisse vorstellen. Klar sei aber, dass all die Maßnahmen erst nach einigen Jahren zu einem Facharbeiterjob führen.