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© Stadtarchiv Karlsruhe
16.07.2015

150 Jahre Karlsruher Zoo: Ein sumpfiger „Thiergarten“ der Geflügelzüchter war der Anfang

Der Bau eines Wasser-Hochreserviors, der Zweite Weltkrieg, eine Bundesgartenschau: Die Einflüsse, die im Laufe seiner 150-jährigen Geschichte den Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe geprägt haben, könnten unterschiedlicher kaum sein. Welche waren die wichtigsten Stationen auf diesem Weg? Gerade für die letzten knapp 60 Jahre könnte dies eine vierbeinige Zeitzeugin wohl sehr gut benennen. Leider stand sie für ein Interview nicht zur Verfügung.

Doch beginnen wir im Jahr 1865, am 9. September, dem offiziellen Gründungstag des Zoos. Mitglieder des „Badischen Vereins für Geflügelzucht“ gründeten den Zoo bereits an seinem heutigen Standort, sonst hatte der morastige „Thiergarten“ aber wohl kaum Ähnlichkeit mit seinem heutigen Erscheinungsbild.

1877 ging der zwar bereits gut besuchte und stetig wachsende, aber auch dauerhaft in Finanznöten steckende Zoo in den Besitz der Stadt über, erste gärtnerische Anlagen entstanden in der Folgezeit.

1893 wurde der bis heute größte topografische Einschnitt ins Zoogelände fertiggestellt. Man sieht es ihm kaum an, doch der Lauterberg, die höchste Erhebung im Zoo, besteht im Inneren aus einem längst stillgelegten Stahlbeton-Wasserreservoir. Um den Behälter herum wurde der Berg aufgeschüttet, das nötige Erdmaterial entnahm man direkt nebenan. So entstand neben dem Lauterberg auch der Schwanensee, über den heute die Gondolettas fahren.

1913 wurde die Seelöwen-Anlage eröffnet, deren Grundform noch heute erhalten ist. In den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts schärfte sich durch Rosengärten und den Japangarten das Profil des Geländes. Beide bis heute am selben Standort befindlichen Gärten können so auf ihre eigene, hundertjährige Geschichte zurückblicken.

Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs der Zoo immer weiter. Dabei konnte er bereits eine beachtliche Artenvielfalt vorweisen, darunter auch Besonderheiten wie ein Königstiger, ein Krokodil, Kragenbären oder Publikumsliebling „Molly“, ein Elefant.

Zu Kriegsende 1945 lagen der Zoo und Stadtgarten jedoch in Schutt und Asche. Wenn Tiere nicht rechtzeitig in andere Zoos abgegeben werden konnten, starben sie im Bombenhagel. Wo früher Blumen die Wege säumten, wurde jetzt Gemüse für die Hunger leidende Bevölkerung angebaut.

Nur vier Jahre später, 1949, feierte der Zoo Wiedereröffnung, in den Folgejahren wuchsen Gehege und Arten im Zoo rasch wieder an.

1957 kam dann unsere oben erwähnte Zeitzeugin in den Zoo. Es ist die damals etwa zweijährige Elefantendame Rani, die dieses Jahr somit ebenfalls einen runden Geburtstag feiern konnte. Damit ist Rani der älteste Dickhäuter in deutschen Zoos. Mit einem Bewegungsprogramm zum eigens für sie komponierten „The Elefants Walk“ wird dafür gesorgt, dass Knochen und Gelenke der rüstigen Dame noch immer gut in Schuss sind. Kaum ein Tier hat so viel Zoogeschichte am eigenen Leib erlebt. Dies ist in Ranis Fall durchaus wörtlich zu nehmen: 2010, beim Brand des Streichelzoos nahe dem Dickhäuterhaus, zog sich Rani Verbrennungen zu, die glücklicherweise aber wieder verheilten.

 1967 fand im Karlsruher Zoologischen Stadtgarten die Bundesgartenschau statt. Über sechs Millionen Gäste durchquerten das Gelände, das zu diesem Anlass nochmals umgestaltet wurde. Die damaligen Änderungen geben dem zoologischen Stadtgarten bis heute seine Form, etwa die Gartenanlagen und die Gondolettas. Bereits zwei Jahre zuvor entstand mit dem Tierpark Oberwald eine ausgelagerte, bis heute genutzte Dependance des Zoos.

Die Zeit bis 2000 stand vor allem im Zeichen der Modernisierung bestehender Anlagen. Herausstechend sind hierbei das pünktlich zur Jahrtausendwende fertiggestellte neue Eisbärengehege, aber auch umgebaute Elefanten- und Raubtieranlagen.

Am 8. und 9. August 2015 begeht der Zoo nun sein 150-jähriges Bestehen mit einem großen Fest. Pünktlich dazu wird das Exotenhaus eröffnet, das eine der größten Erweiterungen des Zoos in seiner Geschichte darstellt. Im ehemaligen Tullabad finden dabei unterschiedlichste Tierarten der Tropen ein neues Zuhause.