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ARD-Korrespondent Klaus Scherer warnt in der TV-Reportage "Angriff aus dem Internet" vor den mannigfaltigen Gefahren aus dem Netz der Netze.
Klaus Scherer © ARD
26.01.2011

ARD-Reporter Klaus Scherer: "Angriff aus dem Internet"

Online eine Rechnung überweisen, per Webkamera mit der Freundin telefonieren oder einen neuen Businessplan für die Firma als E-Mail versenden – das Internet ist selbstverständlicher Teil unseres Lebens geworden. Dass dabei Gefahren lauern, vergessen viele. Dabei ist ein Virus oft nur das geringste Übel. Das demonstriert ARD-Korrespondent Klaus Scherer in seiner neuen Reportage „Angriff aus dem Internet“ (ARD, Mittwoch, 26. Januar, 23.15 Uhr). PZ-news-Mitarbeiterin Katharina Junkert hat ihn in Washington DC getroffen.

PZ-news: Wurden Sie selbst einmal Opfer eines Internetangriffes?
Klaus Scherer: Ja. Wir hatten zuhause einen angeblichen Hinweis der Sicherheitssoftware-Firma, wonach neue Viren ein zusätzliches Update erforderten, koste nur 50 Dollar, zahlbar per Kreditkarte. Alles täuschend echt. Gangster gewinnen damit gleich dreifach: den Mail-Account, die Dollars und die Kreditkartendaten. Wir fielen zum Glück nicht darauf herein.

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PZ-news: Was für wirtschaftliche Schäden können solche Angriffe aus dem Netz annehmen?
Scherer: FBI-Fahnder nannten uns Fälle, in denen Gangster innerhalb von 24 Stunden Banken um fast 10 Millionen Dollar prellten. Aber sie sind auch hinter Betriebsgeheimnissen her: der neuen Wundermedizin, der umweltfreundlichen Spritformel, das neue Flugzeugdesign.

PZ-news: Ist Deutschland besonders betroffen?
Scherer: Westeuropa und die USA seien stärker betroffen, sagen die Fahnder, weil die Computerdichte hoch sei und der Wohlstand Gangster anlocke. Beim Online-Banking sind die Standards aber höher als bei den eher laxen US-Banken.

PZ: Würden Sie von Online-Banking abraten?
Scherer: So kompetent bin ich nicht. Viele Schäden sind ja noch versichert. Aber beim Bundeskriminalamt haben wir Schadsoftware gesehen, auf die man leicht reinfallen kann. Auf jeden Fall sollte man nie etwas arglos herunterladen und im Zweifel erst mal bei der Bank anrufen.

PZ: Müssen Terrorismus oder Kriegführung nach den jüngsten Online-Attacken zum Beispiel auf iranische Atomanlagen nun neu definiert werden?
Scherer: Terrorismus ist ein Begriff, der schwer zu definieren ist und entsprechend strapaziert wird. Aber Kriminalität, Spionage, Sabotage, Kriegführung wandeln sich durch das Internet in einem Maße, das viele nie für möglich hielten.

PZ: Wie kann man sich schützen?
Scherer: Seit der Recherche für den Film ist beispielweise meine Laptop-Webcam abgeklebt. Dass da unbemerkt Cybergangster durchschauen können, darauf wäre ich im Traum nicht gekommen. Inzwischen empfehle ich das jedem.

 

Zur Person:  

Klaus Scherer, geboren 1961 in Pirmasens, studierte an der Johannes Gutenberg Universität Mainz Familiensoziologie, Geografie und Publizistik. Danach volontierte er beim Sender Freies Berlin und arbeitete dort als Inlandskorrespondent für ARD aktuell sowie für die ARD-Politmagazine. Es folgten Auslandsbeiträge aus Bosnien und den USA.

1995 wechselte er zur "Panorama"-Redaktion beim NDR in Hamburg. Vertretungen in Japan, Singapur und Großbritannien folgten. Vier Jahre später wurde er ARD-Fernost-Korrespondent und Studioleiter in Tokio.

Von 2004 an produzierte Scherer von Hamburg aus Dokumentationen und Reisereportagen aus entlegenen Weltgegenden. Seit 2007 ist er ARD-Korrespondent in Washington. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht und übt eine Lehrtätigkeit für die American University aus. Für seine Reportagen erhielt er unter anderen den Adolf-Grimme-Preis.

Scherer ist verheiratet und hat drei Kinder.