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Das neue iPhone5 soll Apple wieder den alleinigen Spitzenplatz im Smartphone-Markt zurückbringen.  © dpa
Das neue iPhone5 soll die Erfolgsserie von Apple fortsetzen. © dpa
12.09.2012

Apple fordert mit iPhone 5 die Spitze im Smartphone-Markt

Die Spannung vor der Vorstellung des iPhone 5 war gewaltig - und zugleich hat es selten eine Apple-Präsentation mit so wenigen Überraschungen gegeben. Seit Wochen schon war das Internet voll mit angeblichen Fotos und Videos der nächsten iPhone-Generation. Und sie stimmten alle. Das neue iPhone ist dünner, leichter und größer. Es hat eine Rückseite aus Metall statt Glas und beherrscht nun wie Top-Modelle der Konkurrenz auch den Daten-Turbo LTE. Alles kam wie erwartet - doch es machte sich keine Enttäuschung breit. Denn der Clou ist: Bei Apple sind solche technischen Details nur ein Mittel zum Zweck.

Bildergalerie: Apple stellt das neue iPhone5 vor

Der im vergangenen Herbst verstorbene Gründer Steve Jobs predigte immer, dass die Geräte vor allem ordentlich funktionieren müssen. So waren die iPhones bei den technischen Daten meist etwas schwachbrüstiger als die Konkurrenz - die erste Generation hatte noch nicht einmal UMTS, um den Akku zu schonen. Auch jetzt baute Apple in das iPhone 5 weniger ein als andere schon haben: Kein NFC-Chip für drahtlose Bezahlsysteme, keine ausgefallenen Funktionen wie Entsperrung der Geräte durch Gesichtserkennung.

Der neue Apple-Chef Tim Cook bleibt den Grundfesten seines legendären Vorgängers treu. Die Innovationen des neuen iPhone und der erneuerten iPod-Player seien zwar auch für sich genommen «unglaublich», erklärte er bei der Präsentation in San Francisco. «Aber was sie wirklich herausragend macht und uns vor die Wettbewerber stellt, ist, wie gut sie miteinander funktionieren.» 

Apple und Cook bleiben damit den Visionen von Jobs treu. Die Rolle des Online-Speicherdienstes iCloud als Fundament und digitale Datenzentrale wird noch verstärkt. Statt eines Feuerwerks an neuen Funktionen und Diensten wird das Smartphone graduell weiterentwickelt. «Apple bleibt der einzige Hersteller, der durch schrittweise Verbesserungen ein erheblich besseres Nutzererlebnis gewährleistet», betonte Gartner-Analystin Carolina Milanesi. «1+1 kann manchmal 3 ergeben.»

Während Cook und seine Mannschaft bei der großen Strategie konsequent den Jobs-Kurs halten, revidieren sie bei den Details so manche Entscheidung des Gründers. So bekommt das iPhone jetzt schließlich doch einen größeren Bildschirm. Und genauso soll es im kommenden Monat - wenn auch diese Gerüchte stimmen - erstmals eine kleinere Version des iPad geben. Das ist etwas, was Jobs zumindest öffentlich stets ablehnte.

So wie einst Jobs ließ es sich Cook am Mittwoch nicht nehmen, die Stärken von Apple hervorzuheben und den einen oder Seitenhieb auf die Konkurrenz loszulassen. «Wir haben mehr iPads verkauft als jeder PC-Hersteller von seiner gesamten Modellpalette», erklärte er. Es seien zwar mehrere hundert Konkurrenz-Tablets auf den Markt gekommen, aber den Internet-Verkehr von Tablets aus dominiere das iPad mit einem Anteil von 91 Prozent. Die anderen Geräte «müssen in Lagerhäusern, Ladenregalen oder in Schubladen stecken».

Für Cook war das neue iPhone nach einem Jahr an der Spitze der ultimative Eignungstest. Bei der Präsentation suchte er nicht das Rampenlicht, sondern überließ wieder einmal viel Platz auf der Bühne seinen Top-Managern wie Marketingchef Phil Schiller. Die Botschaft bleibt unverändert: Einen Steve Jobs kann man nur als Team ersetzen.

Das iPhone 5 bekommt wie erwartet einen etwas größeren Bildschirm und ist deutlich dünner und leichter. Es unterstützt auch den schnellen Datenfunk LTE. Damit sind Download-Geschwindigkeiten bis 100 Megabit pro Sekunde möglich - 100 Mal schneller als bei der einfachsten DSL-Leitung im Festnetz. Das Gerät kommt auch in Deutschland am 21. September auf den Markt.

Das Design des Vorgängermodells iPhone 4S bleibt weitgehend erhalten, nur die Rückseite besteht jetzt aus Metall statt Glas. Die durchgesickerten Bilder und Videos der vergangenen Wochen erwiesen sich damit als echt. Eine Überraschung war hingegen die erneuerte Modellreihe des Players iPod nano. Er sieht jetzt aus wie ein gut fünf Millimeter dickes Mini-iPhone. Sein großer Bruder iPod touch wurde im Funktionsumfang aufgewertet. Außerdem gibt es neue futuristisch aussehende Ohrhörer, an denen Apple drei Jahre gearbeitet hat.

Das iPhone 5 ist mit 112 Gramm um ein Fünftel leichter als das Vorgängermodell und mit 7,6 Millimetern um 18 Prozent dünner. Der Bildschirm hat jetzt eine Diagonale von 4 Zoll (10,16 cm) und ein Seitenverhältnis von 16:9 wie bei einem Flachbildfernseher. Mit dieser Größe könne man das iPhone immer noch bequem mit einer Hand bedienen, sagte Apple-Marketingchef Phil Schiller bei der Vorstellung in San Francisco am Mittwoch. Seit der ersten iPhone-Generation betrug die Bildschirm-Diagonale unverändert 3,5 Zoll (8,9 cm), während die Touchscreens fast aller Konkurrenzgeräte immer größer wurden.

Preise für das iPhone 5 in Deutschland wurden zunächst nicht genannt. In den USA wird die Preis-Struktur des iPhone 4S übernommen. Dafür werden die Vorgängermodelle 4S und 4 günstiger. Als LTE-Partner in Deutschland nannte Schiller die Deutsche Telekom mit ihrer Tochter T-Mobile.

Zusammen mit dem neuen iPhone bringt Apple die nächste Generation seines mobilen Betriebssystems an den Start. Die Software iOS 6 bietet unter anderem verbesserte Navigationsfunktionen und eine vertiefte Integration des Online-Speicherdienstes iCloud. Außerdem integriert ist die neue App Passbook, die ein digitales Portemonnaie etwa für Flugzeugtickets oder Treuekarten bietet. Es wird erwartet, dass Apple auf dieser Basis mit der Zeit ein mobiles Bezahlsystem aufbaut. Apples Videotelefonie-Dienst Facetime kann man jetzt auch in Mobilfunk-Netzen nutzen und nicht nur in einem WLAN. Und die Multimedia-Software iTunes bekommt Cloud-Funktionen, damit die Nutzer bei Musik und Videos besser zwischen ihren Geräten wechseln können.

Das iPhone ist das wichtigste Apple-Produkt, das den einstigen Nischen-Anbieter zum wertvollsten Unternehmen der Welt mit Bargeldreserven von fast 120 Milliarden Dollar gemacht hat. Das iPhone 5 ist die erste neue Version seit dem Tod des legendären Apple-Gründers Steve Jobs im vergangenen Oktober und wurde weitgehend unter Regie des neuen Chefs Tim Cook entwickelt.

Apple muss die Nutzer mit dem iPhone 5 unbedingt überzeugen, wenn es seine Position halten will. In den vergangenen Monaten ging der Absatz bisheriger Modelle merklich zurück, weil Kunden auf die nächste Generation warteten. Und im Smartphone-Markt mangelt es nicht an Alternativen wie Samsungs Galaxy S3.

Deshalb versprach Apple Verbesserungen in allen Bereichen. «Wir haben noch nie ein Produkt mit einer solchen Präzision und einer solchen Verarbeitung gebaut», sagte Designchef Jonathan Ive in einer Videoeinspielung.

Die erneuerte Kamera behält die bisherige Auflösung von 8 Megapixeln, soll aber besser mit schlechten Lichtverhältnissen umgehen können. Das hatte vergangene Woche auch Nokia bei der Vorstellung seines neuen Top-Modells Lumia 920 versprochen. Die Möglichkeit, Panorama-Aufnahmen zu machen, gehört jetzt zu den Grundfunktionen.

Die Zeit des bisherigen breiten Apple-Steckers für die Verbindung zu einem Computer oder anderen Geräten wie Wecker mit iPhone-Dock ist abgelaufen. Er wird durch einen kleineren digitalen Anschluss ersetzt, es wird aber einen Adapter geben.

Der Wettbewerb im Smartphone-Markt wird immer schärfer. Marktführer ist Samsung mit seiner Vielzahl an Computer-Handys in verschiedenen Preisklassen. Im Herbst will zudem der einstige Branchenprimus Nokia ein Comeback mit dem neuen Betriebssystem Windows Phone 8 von Microsoft versuchen. Auch andere Hersteller wie Motorola und HTC bringen demnächst neue Modelle heraus.

Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android machen mehr als die Hälfte des Marktes aus. Apple kam zuletzt laut Marktforschern auf rund 17 Prozent. Bei Smartphones ist es deutlich schwieriger als im Geschäft mit einfachen Handys, die Nutzer zum Wechsel zwischen verschiedenen Plattformen zu bringen - allein schon weil sie Geld in Apps investieren.

Die Apple-Aktie reagierte mit einem Plus von 0,7 Prozent kaum auf die Ankündigungen - nach dem vielen Berichten der vergangenen Wochen gab es keine großen Überraschungen. Mit 665 Dollar notierte die Aktie am Mittwoch knapp 20 Dollar unter ihrem Allzeithoch von Montag.