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20.05.2008

Artenschutz beginnt im eigenen Garten

HAMBURG/BONN. Wenn über Artenschutz geredet wird, denken viele zuerst an Urwälder und exotische Tiere. Nach Ansicht von Experten fängt Artenschutz aber vor der Haustür an: bei der Garten-Gestaltung und beim Einkaufen.

Bei der UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt in Bonn (noch bis zum 30. Mai) stehen viele Themen im Vordergrund, die deutsche Verbraucher im Alltag wenig zu berühren scheinen. Doch Artenschutz fängt bereits im Kleinen an. Hobbygärtner beispielsweise können ihren Beitrag leisten, indem sie für Tiere Aufenthalts- und Rückzugsorte schaffen.

„Gartenbesitzer sollten einfach mal ein bisschen Wildnis in ihrem Garten wagen“, rät Julian Heiermann, Zoologe und Experte beim Naturschutzbund Nabu in Berlin. Es reiche dabei aus, in einer wenig genutzen Ecke nicht gleich alles herauszureißen, was nicht vom Gärtner gesät wurde, so der Experte.

So ist etwa die Brennnessel ein Lebenselixier für Schmetterlinge. Wer Wildblumen sät, bietet dadurch einen Lebensraum für Laufkäfer, die Feinde vieler schädlicher Käfersorten. Wird Laub zu Haufen aufgetürmt, statt in der Mülltonne zu landen, zieht es Igel an. Beim Heckenschneiden sollten Gärtner zurückhaltend sein, damit sich Vögel darin niederlassen können. Und wer einen Gartenteich hat, sollte auf Fische verzichten, denn dann kommen Frösche und Libellen zu Besuch.Auch auf dem eigenen Speiseplan sollten bestimmte Fische besser nicht länger vertreten sein: Nur der Verzehr von einer Handvoll Fischarten sei ökologisch noch unbedenklich, sagt der Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace in Hamburg. Bei den Seefischen sind das Hering, Makrele und Seelachs, und bei den Teichfischen kommen Karpfen und Forellen infrage - allerdings nur Exemplare aus einer Biozucht.Schillerlocken zum Beispiel, ein Produkt aus den Bauchlappen von Dornhaien, sollten laut Maack dagegen nicht gekauft werden. Die Tiere seien erst mit etwa 20 Jahren geschlechtsreif und in der Nordsee schon ausgestorben. „Finger weg von Haiprodukten“, empfiehlt der Umweltschützer, der auch von Aal abrät. Wichtig sei auch, mit welcher Methode der Fisch aus dem Wasser geholt wurde. Kabeljau etwa wird mit Schleppnetzen gefangen, deren Scherblätter über den Meeresgrund pflügten. Bei Fischarten wie Seezunge oder Scholle falle zudem viel Beifang an, der tot oder verletzt zurück ins Wasser geworfen wird.

Doch nicht nur im Alltag, auch im Urlaub können Verbraucher beim Artenschutz helfen. Viele Touristen seien in dieser Frage zwar schon sensibilisiert, sagt Astrid Deilmann von der Naturschutzorganisation WWF in Frankfurt. Es bleibe allerdings viel zu tun, weil die Globalisierung und der Fernreisen-Boom das Problem verschärften. Am meisten falsch gemacht werde durch den Kauf von Tropenholz-Produkten.

Ketten aus Tropenholz

„Beim Kauf von Ketten und Geschirr aus Holz denken sich viele Touristen: ,Das wird schon passen‘.“ Zum Teil spiele sogar der Wunsch eine Rolle, die lokale Wirtschaft zu unterstützen. „Dass sie dadurch aber auch den Raubbau in den Wäldern vorantreiben, machen sich nur wenige klar“, so Deilmann. In Lateinamerika, Asien und Afrika sollten Urlauber ganz auf den Kauf von Holzprodukten verzichten, die kein FSC-Gütesiegel tragen. FSC ist die Abkürzung der Organisation Forest Stewardship Council, die sich um nachhaltige Waldwirtschaft bemüht.

Auch vor dem Kauf von tierischen Produkten wie Schmuck aus Schildkrötenpanzern machten manche Touristen nicht Halt. Zum Teil sei zwar der Import nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) sogar erlaubt. Nötig seien dazu aber eine Ausfuhrgenehmigung des Urlaubslandes und eine Einfuhrbescheinigung des Bundesamtes für Naturschutz. „Das ist eher etwas für Händler. Urlauber sind damit überfordert, deswegen macht das kaum jemand“, so Deilmann.
Artenschutz im Urlaub geht allerdings über den richtigen Souvenirkauf hinaus. Der WWF rät etwa, auf Bergtouren grundsätzlich keine Blumen und Kräuter zu pflücken. Und am Mittelmeer sei es wichtig, auf Schutzzonen für Schildkröten zu achten, die zur Eiablage an die Strände kommen, etwa auf der griechischen Insel Zakynthos.

Reptilien aus Wildfängen

Auch bei lebenden Tieren, die in Deutschland legal zu bekommen sind, sollte auf den Kauf bestimmter Arten verzichtet werden, raten Fachleute. „Gerade die hier angebotenen Reptilien sind zum großen Teil Wildfänge“, so Sandra Altherr von der Organisation Pro Wildlife in München. Sie sind aus ihrer Heimat in Afrika, Asien und Südamerika herausgenommen worden, wo die Bestände teils drastisch zurückgegangen sind. Bedenklich sei die Einfuhr exotischer Tiere nicht zuletzt auch deshalb, weil viele während des Transports nach Deutschland umkommen.