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02.03.2015

Autonomes Fahren: Allianz will selbstfahrende Autos versichern

Die Elektronik in unseren Autos soll die Fahrt komfortabler und sicherer machen - doch häufig ist auch das genaue Gegenteil der Fall: Navigations- und Entertainmentsysteme haben das Potenzial, den Fahrer während der Fahrt abzulenken. Entsprechende Warnhinweise sollen dies zwar verhindern, in der Praxis steigt das Risiko aber dennoch häufig.

Das künftige, autonome Fahren könnte die Problematik verschärfen und die Frage der Haftung aufwerfen. Die Allianz (www.allianz.de) zeigt sich bereit: Ihre Kfz Versicherung will sogar selbstfahrende Autos versichern - und die Fahrzeughersteller in die Pflicht nehmen.

Schwierige Rechtslage

Bis es so weit ist, müssten allerdings noch einige juristische Hürden genommen werden. Das Wiener Übereinkommen von 1968 schreibt vor, dass der Fahrer seinen Wagen ununterbrochen beherrschen können muss. Doch um das autonome Fahren zu ermöglichen, ist nicht zwingend eine Änderung dieser Rechtslage notwendig. Es genügt vollkommen, wenn der Fahrer das Fahrzeug durch einen Eingriff stoppen kann - sowie das seit Jahrzehnten bei einem Tempomat möglich ist. Somit erübrigt sich die Frage, ob ein gültiger Führerschein auch bei einem selbstfahrenden Auto erforderlich ist, daran dürfte sich offenbar nichts ändern.

Kfz Versicherung der Allianz: Fahrzeugentwickler in der Verantwortung

Für einen Versicherer wie die Allianz rücken dabei ganz andere Fragen in den Fokus: Je geringer die Eingriffe des Fahrers im Betrieb sind, desto mehr Verantwortung erhält das Auto selbst - und damit der Hersteller. Dies könnte Auswirkungen auf die Kfz Versicherung haben, die den Fahrzeughaltern gefällt, nicht aber den Entwicklern der selbstfahrenden Autos. Sind die ersten vollständig autonomen Fahrzeuge am Markt verfügbar, dürfte die Frage der Verantwortung auch die öffentliche Diskussion beherrschen. Dass es so weit kommt, daran sind sich Fachleute einig: Studien zufolge gehören die nächsten 20 Jahre dem autonomen Fahren; schon 2035 könnte sich jedes Zehnte Fahrzeug von selbst bewegen. Die technische Machbarkeit ist bereits längst bewiesen, wie Mercedes-Benz zeigt. C- E- und S-Klasse werden auf Wunsch mit einer Reihe von Sensoren ausgestattet, die den Wagen bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h selbstständig beschleunigen, bremsen und lenken lassen.

Kommt das iCar?

Zudem halten sich hartnäckige Gerüchte, dass Apple bereits an einem autonomen Fahrzeug arbeiten würde. Immer mehr Fachkräfte aus der Automobilbranche werden eingestellt, außerdem sollen schon Auftragsfertiger der Automobilbranche besichtigt worden sein. Dem Konzern könnte gelingen, was bereits seit Jahren bei der mobilen Kommunikation vorgelebt wird: Technik anfassbar und leicht bedienbar zu machen. Ob die Akzeptanz für selbstfahrende Autos überhaupt noch einer Steigerung bedarf, bleibt indes fraglich: Eine aktuelle Studie befragte US-Amerikaner zum autonomen Fahren. Die Ergebnisse erscheinen durchaus verblüffend: Demnach könnten sich 44 Prozent der Studienteilnehmer vorstellen, in den nächsten zehn Jahren ein selbstfahrendes Auto zu kaufen. Immerhin 20 Prozent sind dazu selbst dann noch bereit, wenn die Technologie den Kaufpreis des Wagens um bis zu 5000 Dollar erhöhen würde. Solche Mehrausgaben erscheinen dabei gar nicht notwendig, die nötigte Sensorik ist heute bereits günstig erhältlich - und könnte das komfortable Reisen bald für jeden zur Realität werden lassen.