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Dosenfutter in der Kritik - kann das sogenannte BARFen eine Alternative zur herkömmlichen Tiernahrung aus der Dose sein?
Dosenfutter in der Kritik - kann das sogenannte BARFen eine Alternative zur herkömmlichen Tiernahrung aus der Dose sein? © DoraZett - Fotolia.com
17.04.2015

BARF – ernstzunehmende Alternative zu Dosenfutter?

Sowohl Hunde als auch Katzen gehören für viele Halter zur Familie. Und seiner Familie möchte in der Regel jeder nur das Beste bieten, auch in Bezug auf die Nahrung. Der Markt für Tierfutter ist groß, zahlreiche Firmen haben sich auf Hunde- oder Katzenfutter spezialisiert und konnten sich auf dem Markt etablieren.

Doch gerade in den letzten Jahren ist die Kritik gegen Dosenfutter immer größer geworden, die Angst vor Schadstoffen und Abfällen in der Tiernahrung nimmt bis heute nur bedingt ab und somit haben sich Halter Alternativen gesucht. In einigen Haushalten wird dem Tier das Essen gekocht, andere schwören hingegen auf Fertigfutter direkt vom Tierarzt. Eine relativ neu auflebende Fütterungsmethode ist das BARFen, das sicherlich seine Vorteile bietet, aber auch kritisch betrachtet werden darf.

Was ist BARF überhaupt?

Wer sich ab und an mit Freunden oder Bekannten über Tierernährung unterhält, dem ist der Begriff BARF sicherlich bereits untergekommen. Dabei haben viele zwar eine gewisse Ahnung, was damit gemeint ist, doch eine genaue Definition fehlt den meisten. „BARFer füttern nur rohes Fleisch“ ist die gängige Annahme, die so aber nicht den Tatsachen entspricht.

Der Streit rund um das Thema BARFen beginnt schon bei der Bedeutung der vier Buchstaben. Fakt ist, dass dieser Begriff als Abkürzung für „Born Again Raw Feeders“ (zu Deutsch „wiedergeborene Rohfütterer“) ins Leben gerufen worden ist. Mittlerweile steht BARF aber auch für „Biological Appropriated Raw Food“ und „Bones and Raw Food“ oder im Deutschen für „biologisch artgerechte Rohfütterung“.

Der Name führt tatsächlich etwas in die Irre. Zwar ist der Hauptkern des BARFens die Rohfütterung von Fleisch, jedoch handelt es sich dabei nicht ausschließlich um diese. Vielmehr kann „roh“ in diesem Zusammenhang auch für Rohkost stehen, denn die alleinige Ernährung von rohem Fleisch wäre ungesund, auch Gemüse, Eier und Knochen sind wichtig.

Was sind die Beweggründe für diese Fütterungsmethode?

In erster Linie wurde die Methode des BARFens für Hunde entwickelt. Der Hund stammt vom Wolf ab und ein Wolf in freier Natur hat sich sicherlich noch keine Dose mit Futter oder eine Packung Leckerlis aufgemacht. Aufgrund seiner Abstammung liegt es also nahe, den Hund ähnlich wie einen Wolf zu ernähren. Auch Hauskatzen stammen von Wildkatzen ab, die sich ebenfalls von Rohkost ernähren, wodurch auch hier das BARFen Einzug gehalten hat.

Aber das ist nicht der einzige Beweggrund und für viele auch nicht der entscheidende. Der wichtigste Grund für manche BARFer besteht darin, dass die industrielle Herstellung von Hundefutter nicht so durchsichtig ist, wie manch einer sich das wünschen würde.

Stiftung Warentest hat in diesem Jahr einen umfangreichen Test bezüglich industriell hergestelltem Hundefutter durchgeführt. 30 verschiedene Nassfutter wurden überprüft, wobei herausgekommen ist, dass nur jedes dritte davon alle wichtigen Nährstoffe enthält. Bei 20 Fabrikaten fehlte es an Kalzium, Vitaminen & Co, dabei sind gerade diese Stoffe sehr wichtig für einen Hund. Kalzium zum Beispiel schützt die Knochen, Linolsäure ist wichtig für das Fell.

Fehlen solche Bestandteile im Nassfutter, kommt es zu einer Mangelernährung des Tieres. Aufgrund solcher und ähnlicher Tests, wie sie bereits in der Vergangenheit auch für Katzenfutter durchgeführt wurden, sind viele Tierhalter skeptisch geworden. Siemöchten die ausgewogene Ernährung ihres Tieres lieber in die eigene Verantwortung legen, nicht in die der Futtermittelindustrie. Doch BARFen bedeutet nicht automatisch, dass keine Mangelernährung zustande kommen kann – dazu später mehr.

 

Der BARF-Speiseplan eines Hundes

Den BARF-Speiseplan einfach nur mit „rohes Fleisch“ abzutun, ist wie eingangs erläutert falsch. Tatsächlich stehen auf dem BARF-Menü für Hunde unterschiedliche Nahrungsmittel – was auch wichtig ist, um eine gesunde Abwechslung an Vitaminen, Mineralien und Nährstoffen bieten zu können. Besonders gut geeignet sind aufgrund ihrer Inhaltsstoffe folgende Nahrungsmittel:

 

Bestenfalls sollte Hundefutter aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen zusammengestellt werden, um eine vollwertige Mahlzeit darzustellen. Wichtige Mineralien, Vitamine und Nährstoffe gilt es dabei zu berücksichtigen.

 

 

  1. Fleisch (entsprechend dem BARF-Prinzip natürlich roh):

    1. Rindergulasch

    2. Lammfleisch

    3. Putenfleisch

    4. Kängurufleisch

    5. Kalbfleisch

    6. Muskelfleisch vom Pferd

    7. Straußenfleisch

    8. Schlundfleisch vom Rind

 

WICHTIG: Eine Ausnahme bildet hier das Schweinefleisch. Dieses sollte einem Hund niemals roh gefüttert werden, da es Erreger einer Krankheit enthalten kann, die beim Hund bis zum Tod führen. Wenn Schweinefleisch gefüttert werden soll, dann in diesem Fall gut gebraten. Dies gilt im Übrigen auch für Katzen.

 

  1. Innereien:

    1. Rinderlunge

    2. Rinderherz

    3. Rinderniere

    4. Rinderleber (in Maßen aufgrund des hohen Vitamin A Gehalts, etwa einmal die Woche)

    5. Schweineleber (ebenfalls in Maßen)

    6. Rinderzunge

    7. grüner Pansen (Rind)

    8. Blättermagen (Rind)

    9. weißer Pansen (Rind)

 

  1. Fisch:

Fisch enthält viele Fettsäuren und zeichnet sich durch einen hohen Jod- und Vitamingehalt aus. Aufgrund weiterer Inhaltsstoffe sollte Fisch aber nur etwa einmal die Woche gefüttert werden. Besonders geeignet ist Lachs, da hier viele Omega-3-Fettsäuren enthalten sind.

 

  1. Knochen:

Knochen sollten unbedingt auf dem BARF-Speiseplan eines Hundes stehen. Zum einen dienen sie der Zahnpflege, zum anderen enthalten sie wichtige Mineralien, Eisen, Fett und Kalzium. Wichtig hierbei ist, dass die Knochen tatsächlich roh sind und nicht bereits gekocht wurden. Denn ansonsten verändert sich die Knochenstruktur und es kann zu gefährlichen Absplitterungen kommen, die den Hund schwer verletzen können.

 

  1. Obst und Gemüse:

Auch diese Rohkost gehört aufgrund der enthaltenen Vitamine auf den Speiseplan. Hier gilt allerdings nicht, dass alles, was für den Menschen gesund ist auch gut für den Hund ist. Manche Obst- und Gemüsesorten sind sogar sehr gefährlich (zum Beispiel Weintrauben, Zwiebeln, Tomaten und Avocados). Unbedenklich und gut zu füttern sind hingegen:

    1. Apfel

    2. Karotte

    3. Salat

    4. Gurke

    5. Banane

    6. Fenchel

    7. Zucchini

 

Auch Johannisbeere, Pflaume, Preiselbeere und Heidelbeere eignen sich für den Hund, allerdings sind diese Nahrungsmittel hochgiftig für Katzen – hier muss der Ernährungsplan also abgewandelt werden.

 

  1. Zu guter Letzt sind noch rohe Eier zu nennen.

 

WICHTIG: Der Speiseplan einer Katze sieht keineswegs gleich aus, denn sie ist anders als der Hund tatsächlich ein vollwertiger Karnivore, der KEIN Gemüse oder gar Kohlenhydrate benötigt. Da ein Stück Fleisch einem frisch gefangenen Beutetier außerdem nicht komplett gleichzusetzen ist, müssen Vitamine und Mineralstoffe beigemengt werden. Entscheidend ist außerdem die Zufuhr von Taurin, denn diese Aminosäure wird vor allem durch Mäuse geboten (der Tauringehalt ist höher als bei anderen Säugetieren) und kann von den Katzen selbst nicht gebildet werden – es ist für die Vierbeiner jedoch lebensnotwendig. Genauere Infos gibt es hier.

Im Gegensatz zum Hund ist die Katze ein "“echter"“ Karnivore, sie kann also nicht vegetarisch ernährt werden und ist in jedem Fall auf proteinreiches Fleisch angewiesen.

 

 

Den BARF-Start nicht auf die leichte Schulter nehmen

Wer sich dazu entscheidet, seinen Hund oder seine Katze ab sofort zu BARFen, sollte sich im Vorfeld ausführlich informieren und nicht spontan damit starten. Es erfordert deutlich mehr Zeit als das Füttern von Fertigprodukten, denn das Futter muss nicht nur zubereitet, sondern auch wohl bedacht werden, um eine ausgewogene Ernährung bewerkstelligen zu können. Das größte Problem stellt die Unwissenheit vieler dar, wodurch sie ihrem Tier wichtige Mineralien und Vitamine vorenthalten und es daher zu einer Mangelernährung kommen kann. BARFen kann letztendlich nur funktionieren, wenn der Tierhalter genau weiß, was er tut und sich eingehend mit der Materie beschäftigt hat. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem das Wissen rund um die richtigen Mengen, denn ein aktiver, junger und sportlicher Hund benötigt zweifellos mehr als ein älterer Vierbeiner, der lieber gemütlich auf der Couch sitzt. Weiterhelfen kann hierbei ein Blick auf den BARF-Kalkulator von ZooRoyal.

 

Kritik an der Fütterungsmethode

Viele Experten – darunter auch zahlreiche Tierärzte – stehen dem BARFen sehr kritisch gegenüber. Das liegt zum einen daran, dass das Haustier nun mal ein Haustier und kein Wildtier ist und dementsprechend nicht zwingend die Ernährung seiner Vorfahren braucht, die schlicht und einfach keine andere Wahl zur Ernährung hatten und haben.

Zum anderen ist aber die Unwissenheit vieler BARFer ein Grund für die negative Einstellung. Denn wie bereits erwähnt besteht ein hohes Risiko, dass das gut gemeinte BARFen schlussendlich zu einer falschen Ernährung führen kann, die Mangelernährung und Magen-Darm-Probleme zur Folge hat.

Ein weiterer Punkt, den Kritiker immer wieder hervorheben, ist die erhöhte Möglichkeit von Erkrankungen durch die Fütterung von rohem Fleisch. Besonders auf die Salmonellen-Gefahr und die mögliche Übertragung von Parasiten, Viren und Bakterien wird hingewiesen, die sowohl für das Tier als auch für den Menschen bestehen kann.

Es sollte auch nicht vergessen werden, dass der Hund zwar vom Wolf abstammt, aber eben nicht so ist wie sein Vorfahr. Er hat andere Bedürfnisse, hat sich im Laufe der Jahre an den Menschen und die Nahrung angepasst und sollte demnach nicht wie ein Hauswolf behandelt und gefüttert werden – eventuell ist daher für viele Tierhalter eine abgeschwächte Form des BARFens ideal, also eine Mischung aus Rohkost und industriell hergestelltem Hundefutter.

 

 

BARFen ist für Hund und Katze zwar nicht zwangsläufig notwendig, die Ernährungsmethode hat aber durchaus einiges für sich. Eine Kombination aus Dosen- und Rohfutter bietet sich für interessierte Einsteiger zum Antesten an.

Fazit

Der Streit um das Für und Wider wird wahrscheinlich in Bezug auf das BARFen noch viele Jahre anhalten und ein allgemeiner Tipp an Hunde- oder Katzenhalter kann kaum gegeben werden. Letztendlich sollte jeder Tierhalter selbst entscheiden, welche Fütterungsmethode er für sein Tier als die beste empfindet (idealerweise nach Rücksprache mit einem Tierarzt), theoretisch ist das BARFen an sich aber nichts schlechtes – wenn es denn vernünftig durchgeführt, sich die Zeit dafür genommen und das Geld investiert wird. Ob diese Ernährungsform letztendlich auch die beste ist, ist Ermessenssache, denn auch Verfechter müssen sich eingestehen, dass es bis heute noch keinen Nachweis dafür gibt, ob BARF tatsächlich die gesündeste Art der Ernährung für Hunde und Katzen ist.

 

Abbildung 1: Welpe mit Dosenfutter© DoraZett - Fotolia.com

Abbildung 2: Dog food© Bertold Werkmann - Fotolia.com

Abbildung 3: Dog and cat playing together outdoor.Lying on the back together.© vvvita - Fotolia.com