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Bier auf Wein, das lass' sein? Nur Weicheier katern? Rund um die Folgen des Alkoholrauschs kursieren etliche Weisheiten. Nicht alle halten einer wissenschaftlichen Prüfung stand.
Bier auf Wein, das lass' sein? Nur Weicheier katern? Rund um die Folgen des Alkoholrauschs kursieren etliche Weisheiten. Nicht alle halten einer wissenschaftlichen Prüfung stand. © dpa
03.03.2019

Der Morgen danach - Das sagt die Wissenschaft zum Kater

Wer in der fünften Jahreszeit ein paar Gläser mehr trinkt, könnte einen ungebetenen Gast bemerken: den Kater nach dem Rausch. Die Wissenschaft hat sich den Folgen des Alkoholkonsums ausgiebig gewidmet. Bier auf Wein, lass das sein – stimmt das wirklich? PZ-news räumt mit Mythen rund um den Kater auf.

IN WELCHER REIHENFOLGE MAN TRINKT, IST DEM KATER EGAL.

«Bier auf Wein, das lass' sein. Wein auf Bier, das rat' ich dir.» Forscher der Universität Witten/Herdecke haben den prominenten Rat zur Katervermeidung mit einem feuchtfröhlichen Experiment als Mythos entlarvt. Ihre Erkenntnis: Für den Kater spielt es keine Rolle, in welcher Reihenfolge man Bier und Wein in sich hineingeschüttet hat. Die Teilnehmer der Studie tranken an zwei verschiedenen Abenden zunächst nur Wein oder Bier und wechselten bei 0,5 Promille Alkohol im Blut auf das jeweils andere Getränk. Für den Morgen danach machte das keinen Unterschied. «Wir haben eindeutig gezeigt: Das Sprichwort stimmt nicht – zumindest für Weißwein und Lagerbier», sagt der Mediziner Kai Hensel, der das Experiment in Witten geleitet hat.

WER KATERT, MUSS KEIN WEICHEI SEIN.

Nach einer durchzechten Nacht mit Kater aufzuwachen, ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist das Fazit einer Befragung niederländischer Studenten, die Wissenschaftler der Universität Utrecht durchgeführt haben. Es gab keine Unterschiede beim Wohlbefinden oder der sonstigen Widerstandsfähigkeit zwischen denen, die anfällig für Kater sind und denen, die weniger unter den Folgen des Trinkens leiden. «Am Ende des Tages ist das Katerempfinden aber natürlich subjektiv, denn es ist ja eine Form von Schmerz», sagt Wissenschaftler Hensel dazu.

MÜDE, DURSTIG, UNKONZENTRIERT.

Die Utrechter Alkoholforscher haben niederländische Studenten auch dazu befragt, wie sich ihr Kater äußert. Dabei kam heraus: Müdigkeit, Durst und Konzentrationsprobleme sind die Symptome, die von mehr als 95 Prozent der an Kater leidenden Befragten genannt wurden. Außerdem sehr häufig waren Kopfschmerzen und Übelkeit. Gut jeder fünfte Befragte berichtete von Angstzuständen.

ES KOMMT DRAUF AN, WAS DRIN IST.

Ein Experiment US-amerikanischer Forscher zeigte: Bourbon verursacht einen heftigeren Kater als Wodka. Die Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass Bourbon einen rund 37-fach höheren Anteil an sogenannten Kongeneren hat - das sind chemische Substanzen, die bei der Gewinnung von Alkohol entstehen.

ROTER GINSENG HILFT BEIM ABBAU VON ALKOHOL - ZUMINDEST BEI GESUNDEN MÄNNERN IN KOREA.

Koreanische Forscher verabreichten einer Gruppe von 25-jährigen Männern erst 100 Milliliter Whiskey und dann eine Wasserlösung mit rotem Ginseng. Eine Kontrollgruppe bekam nach dem Whiskey nur ein wirkungsloses Placebo. Bei der Ginseng-Gruppe verringerte sich der Alkoholgehalt im Blut deutlich schneller - und damit auch das Risiko eines üblen Katers.

Was tun, gegen den Kater?

Selbst Liegen ist unerträglich, der Kopf brummt, der Magen fühlt sich flau an. Den Kater nach einem feucht-fröhlichen Abend kennen nicht nur Jecken allzu gut. Rund um den fiesen Morgen danach ranken sich viele Mythen, von der Grundlage bis zum Konterbier. Doch was davon stimmt wirklich? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was ist ein Kater überhaupt?

«Die typischen Symptome beruhen auf einem Flüssigkeitsmangel», sagt der Ernährungswissenschaftler Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung in Bonn. Die Abbauprodukte des Alkohols fördern nämlich das Ausscheiden von Wasser über die Niere. Der Körper verliert dabei wichtige Mineralstoffe, gerät quasi aus dem Gleichgewicht.

Gibt es dagegen Medikamente - abgesehen von der Schmerztablette?

Von etwaigen Anti-Kater-Produkten oder Hangover-Kits, die Elektrolyte oder Mineralstoffe enthalten, rät Seitz eher ab. «Ernährungspsychologisch finde ich das bedenklich.» Alkoholkonsum, so Seitz, habe auch etwas mit Sucht zu tun. In einer Tablette oder in einem Pulver sollte man kein «Zaubermittelchen» gegen die Symptome sehen, sondern sich lieber eine Gemüsebrühe machen. «Bevor ich mir eine künstliche Brausetablette mit irgendwelchen Zusatzstoffen reinpfeife, nehme ich doch lieber etwas einigermaßen Natürliches.»

Hilft die oft genannte Grundlage gegen den Kater?

Tatsächlich beginnt der Kampf gegen den Kater schon vor dem ersten Schluck. «Trinken Sie nie auf leeren Magen», rät Seitz. Eine gute Grundlage ist für ihn aber gerade kein fettiges Essen, weil das den Magen zusätzlich belastet. Besser sei eine leichte Mahlzeit aus ballaststoffreichem Gemüse und Rohkost mit Kartoffeln, Getreide, Reis oder Nudeln. Sie sorgt dafür, dass der Alkohol nicht so schnell ins Blut gelangt.

Kann ich beim Trinken schon etwas gegen den Kater tun?

Ja. «Langsam trinken», rät Seitz. Je mehr Alkohol in kurzer Zeit getrunken wird, umso weniger komme der Körper mit dem Abbau hinterher. In der Leber entsteht so ein Rückstau des Alkoholabbau-Zwischenprodukts Acetaldehyd. Das sei giftig und hauptsächlich für den Kater verantwortlich.

Gibt es das perfekte Katerfrühstück?

Für den Morgen nach der Karnevalsfeier empfiehlt Seitz ein mineralstoffhaltiges Frühstück - zum Beispiel mit sauren Gurken, Matjes, Gemüsebrühe oder einem Gemüseeintopf. Das enthaltene Salz helfe, den Mineralhaushalt in Ordnung zu bringen. Ganz wichtig außerdem: Viel Flüssigkeit trinken, und anschließend Bewegung an der frischen Luft.

Hilft das Konterbier wirklich?

Ein Bier gegen den Kater könne die Beschwerden zwar tatsächlich kurzfristig lindern, «zumindest bei manchen», wie Seitz erklärt. Der Kater verzögert sich damit aber nur - und verlängert sich im schlimmsten Fall auch noch.