nach oben
Seit 20 Jahren ermitteln Ballauf und Schenk in Köln. Im Gegensatz zu anderen «Tatort»-Teams wollen Schauspieler und Sender hier keine Experimente, sondern setzen auf Bewährtes - nach dem Motto «Da weiß man, was man hat». Das gilt auch für die nächste Folge.
Seit 20 Jahren ermitteln Ballauf und Schenk in Köln. Im Gegensatz zu anderen «Tatort»-Teams wollen Schauspieler und Sender hier keine Experimente, sondern setzen auf Bewährtes - nach dem Motto «Da weiß man, was man hat». Das gilt auch für die nächste Folge. © dpa
26.03.2017

Die Kommissare und das «klassische Ritual» - 20 Jahre Kölner «Tatort»

Köln (dpa) - Ein Mann feiert mit seiner Familie Geburtstag, auf dem Balkon gegenüber hängt eine Frau Wäsche auf, im Garten nebenan pflanzt ein Nachbar ein Bäumchen: Idylle pur - vermeintlich. Denn in der kleinen Kölner Vorstadtsiedlung gärt es. Dass sich hinter der Fassade dunkle Geheimnisse verbergen, bemerken die Kölner «Tatort»-Kommissare schnell, als sie nach dem gewaltsamen Tod eines Anwohners dessen Nachbarn befragen. Schließlich sind Ballauf und Schenk ein eingespieltes Team: Seit 20 Jahren ermitteln sie in der Domstadt.

Im März 1997 fiel die erste Klappe für «Willkommen in Köln», den Premieren-«Tatort» mit Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Nur die Kollegen aus München, Batic und Leitmayr, und Kommissarin Odenthal aus Ludwigshafen sind noch länger dabei. Wobei im Gegensatz zu Odenthals Kollegen Kopper die beiden Kölner nach eigenem Bekunden nicht die Absicht haben, in absehbarer Zeit den Dienst zu quittieren. Und auch WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn sagt, einer «Silberhochzeit» des Senders mit Ballauf und Schenk stehe aus seiner Sicht nichts im Wege. Die beiden seien ein tolles Team, das gut zum WDR passe.

Im Gegensatz zu anderen «Tatort»-Teams setzt man in Köln bei der filmischen Umsetzung am liebsten auf Bewährtes. Experimente wie die umstrittene SWR-Folge «Babbeldasch» aus Ludwigshafen wären dort schwer vorstellbar. «Viele Menschen freuen sich über das klassische Ritual mit uns», meint Schenk-Darsteller Dietmar Bär. «Die Zuschauer mögen das, es geht immer nur um gute Unterhaltung.»

Die zahlreichen verschiedenen «Tatort»-Teams hätten viele Leute verunsichert, «so dass die gar nicht mehr wissen, wer wer ist», hat Bär festgestellt. Behrendt vergleicht die Situation mit der Bundesliga: «Jede Mannschaft spielt einen anderen Stil, jede Mannschaft hat andere Fans. Und wir spielen im oberen Viertel.»

Die Eigenart der Kölner, im «Tatort» regelmäßig Sozialkritisches unterzubringen, soll beibehalten werden, wie WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke betont: «Auch in Zukunft wird der Kölner "Tatort" Gesellschaftspolitik stark thematisieren. Das ist sein Markenkern.»

Die nächste Folge «Nachbarn» (Sonntag, 20.15, ARD) dreht sich weniger um ein großes aktuelles Thema, sondern um ein eher kleines, das für viele Menschen aber ärgerlicher Alltag ist: Den Streit am Gartenzaun. Die Ermittlungen zeigen bald, dass es in der Nachbarschaft seltsame Verstrickungen gibt und gleich mehrere Anwohner ein Motiv für den Mord an Werner Holtkamp gehabt hätten.

Leo Voigt (Werner Wölbern) konnte den Toten nicht leiden, weil dieser seine Zypressen zu dicht an die Grundstücksgrenze gepflanzt hat. Jens Scholten (Florian Panzner) ist der Vater von Voigts Enkelin und wohnt mit seiner neuen Familie nebenan. Er verhält sich ebenso seltsam wie Voigts Stieftochter Sandra (Claudia Eisinger), die unter rätselhafter Heiserkeit leidet. Anne Möbius (Birge Schade) hatte ein Verhältnis mit dem Toten, was auch ihrem Mann Frank (Stephan Grossmann) nicht verborgen geblieben ist.

Hat man sich als Zuschauer erst einmal durch den zunächst recht unüberschaubaren Personen-Dschungel gekämpft, nimmt die Folge (Regie: Torsten C. Fischer) zunehmend an Fahrt auf - mit einer überraschenden Wende. Dass Ballauf und Schenk den Fall schließlich routiniert lösen, ist klar - und darf nach 20 gemeinsamen Dienstjahren wohl auch erwartet werden.