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PZ-Redakteurin Miriam Fuchs (rechts) im Interview mit Katja, Liebesdienerin, die dominanten Service anbietet.
PZ-Redakteurin Miriam Fuchs (rechts) im Interview mit Katja, Liebesdienerin, die dominanten Service anbietet. © Seibel
29.01.2013

Dominanter Sex: Interview mit einer Liebesdienerin über SM

Eine Frau, die beruflich gern mal ihre Kunden auspeitscht hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Groß, schwarzhaarig, angsteinflößend. Und nicht klein, blond und stupsnasig. Mit einem offenen Lachen begrüßt mich Katja, nach Angaben ihrer Internetseite 30 Jahre alt. In ihrer Wohnung bietet sie mir Kaffee und Wasser an.

Ich bin erstaunt, denn ich fühle mich wohl auf ihrem Stoffsofa zwischen Gleitmittel, Peitsche und Andreaskreuz mit Handschellen. Das Telefon klingelt und Katja, Liebesdienerin, die ihren Kunden auch dominanten Service anbietet, hebt ab und mimt ganz die Professionelle. Ich frage sie, wie viel Zeit sie mir für mein Interview gibt. Sie versichert, es sei alles kein Problem. Falls spontan ein Kunde käme, könne sie ihn kurz im Nebenzimmer bedienen und wir reden einfach danach weiter. Ich beschließe, mich zu beeilen.

PZ: Sind Sie eine Domina?

Katja: Ich biete dominanten Service an. Das ist ein Unterschied. Den ganzen klinischen Bereich, den eine Domina abdeckt, bediene ich nicht. Das wären zum Beispiel Nadeln und alles, wobei Blut fließt.

PZ: Wer in Ihrem familiären Umfeld weiß von Ihrem Beruf?

Katja: Ich habe zwei Kinder, mein älterer Sohn weiß davon und meine engste Familie. Ich habe vor über zehn Jahren zusammen mit meiner Schwester mit diesem Job angefangen. Damals gingen wir zusammen nach Köln.

PZ: Wie fühlt es sich an, andere Menschen zu erniedrigen?

Katja: Das kommt auf meine Tagesform an. Wenn ich einen guten Tag habe, kann es mich manchmal richtig nerven, wenn dann ein Gast kommt und von mir gedemütigt werden will. Da muss ich dann schnell umschalten.

PZ: Haben Sie einem Kunden schon einmal einen Wunsch abgeschlagen?

Katja: Ja, so etwas kam schon vor. Ich lehne Rollenspiele ab, die mit körperlichen Exkrementen zusammenhängen. Manche Fantasien sind so heftig, dass ich das danach erst einmal verarbeiten muss. Da komme ich dann nur schwer damit klar, wenn der Nächste an der Türe klingelt und die softe Nummer verlangt.

PZ: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, den Beruf zu wechseln?

Katja: Ich habe früher bei der Post gearbeitet. Das war eigentlich der Job meines Lebens. Aber irgendwann kamen die finanziellen Probleme. Ich bin geschieden, finanziere meine beiden Kinder, mein Auto und zwei Wohnungen. Da gab es für mich nur diese Option. Ich kann mir heute aber auch nicht mehr vorstellen, in meinen alten Job zurückzugehen. Ich möchte den Beruf, den ich jetzt ausübe so lange wie möglich machen. Wenn er auch stellenweise sehr hart ist. Ich hatte bereits Stalker und stand kurz vorm Burnout.

PZ: Haben Sie noch Respekt vor Männern?

Katja: Im Job habe ich den natürlich. Privat ist das nicht so. Es ist für mich nicht einfach, einen Partner zu finden. Wenn ich bereits am Anfang meinen Job erwähne, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts werden. Sage ich es später, können die meisten auch nicht damit umgehen.

PZ: Warum kommen Männer zu Ihnen?

Katja: Generell kommen Männer aller Alters- und Berufsklassen zu mir. Ab 40 Jahren werden die Wünsche besonders pervers. Diese Neigungen teilen sie nicht mit ihren Ehefrauen.

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