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24.03.2008

Düfte zum Anbeißen

BERLIN. Manche Männer finden Frauen beizeiten „zum Anbeißen“. Sie kommen in dieser Saison bei den Parfüms auf ihre Kosten. Denn die Duftkreateure haben sich für die Sommerkompositionen bei allerlei Süßem bedient.

Frische Früchte von Erdbeere über Pfirsich bis hin zu Papaya oder Mango liegen zum Beispiel im Trend, sagt Werner Hariegel vom Bundesverband der Parfümerien in Recklinghausen. „Und auch Schokolade ist in.“ Allerdings sind immer nur Anklänge davon in den einzelnen Parfüms zu finden, die das Spektrum erweitern. „Das ist wie in der Musik: Je mehr neue Instrumente hinzukommen, desto größer wird die Klangfülle.“
Gerade die Kopfnoten bei Damendüften werden „richtig lecker“, findet auch Martin Ruppmann vom Kosmetikverband VKE in Berlin. „Himbeere, Grapefruit, Brombeere, fruchtig-floral ist angesagt.“ Beispiele finden sich in den Regalen der Parfümerien und Drogerien derzeit viele. So stellt der neue Duft „My In-solence“ von Guerlain zum ersten Mal die Himbeere ins Rampenlicht. Kylie Minogue setzt bei „Showtime“ auf einen Cocktail aus Walderdbeere, Brombeere und Erdbeere. Und bei Yves Saint Laurents „elle“ gesellen sich Zitrone und Litschi zur klassischen Pfingstrose.

Appetitliche Sache

Auch bei Tommy Hilfiger, Mauboussin und Kate Moss geht es appetitlich zu: Das Herz von Hilfigers Duft „Dreaming“ ist weißer Pfirsich, in der Herznote von Mauboussins „emotion devine“ kommen dazu noch Mango und Passionsfrucht. Und in der „Kate-Luxury Edition“ wird weißer Pfirsich mit Vanille vermischt. Zu Fruchtnuancen werden Blumendüfte kombiniert.
„Zarte Blüten prägen eine florale Transparenz und vermitteln so Leichtigkeit“, sagt Britta John von der Parfümeriekooperation Beauty Alliance in Bielefeld. „Gerade in den Herznoten geht es in dieser Saison quer durch den ganzen Blumengarten“, sagt auch Martin Ruppmann. „Maiglöckchen, Freesien, Lilien, Rosen, aber auch exotische Komponenten wie Jasmin, Mandel und Lotus sind gefragt.“ Das kann zum Beispiel einen Retro-Touch vermitteln, wie es zum Beispiel bei Marc Jacobs' Duft „Daisy“ der Fall ist, der bewusst das einst als altmodisch abgestempelte Veilchen in den Mittelpunkt stellt. Der Blütenduft kann aber auch für ein modernes, erotisches Frauenbild stehen: Claude Montana sieht seinen blumig-orientalischen Duft „Parfum de femme“ aus Bergamotte und Freesie, Jasmin, Alpenveilchen, Pfingstrose und Iris gar als Aphrodisiakum für „nonkonformistische und aktive Frauen“. Auf fast identische Ingredienzen greift auch Modeikone Vivienne Westwood zurück: „Let it rock“ rundet Bergamotte, Freesie und Jasmin mit Patchouli und Amber ab.

Chloé mit „Chloé“ und Paul Smith mit „Rose“ dagegen halten sich lieber an den Duftklassiker schlechthin: Die üppig duftende Rose bildet bei beiden die Basis für ein florales Parfüm. Und auch Tom Ford gibt sich nicht verspielt mit kleinen Blümchen am Wegesrand ab. Er greift lieber zur edlen Variante: Eine speziell für diesen Anlass gezüchtete schwarze Orchidee bildet das Zentrum seiner Kreation „Orchid Voile de Fleur“.
Damit süßes Obst und duftende Blüten den Kopf nicht allzu sehr vernebeln, sorgen in vielen Fällen holzig-würzige Noten in der Basis für die nötige Erdung und Eleganz, erläutert Martin Ruppmann. Burberry setzt mit „The Beat“ sogar explizit auf einen holzig-floralen Duft für Frauen: Weißer Moschus, Vetiver und Zedernholz sollen für eine „sinnliche, sexy wirkende Aura“ sorgen.