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Fuchs in the City: Alles nur Achsel-Haarspalterei.
Fuchs in the City: Alles nur Achsel-Haarspalterei © thefuturistics flickr.com
25.03.2014

Fuchs in the City: Alles nur Achsel-Haarspalterei

„Lange Haare ... mir doch egal“ schrieb Popqueen Madonna jüngst unter ein von ihr auf Instagram veröffentlichtes Foto, das sie mit behaarter Achsel zeigt. Damit schockierte sie die Online-Welt. Ja, richtig gelesen. Heutzutage muss ein weiblicher Star nicht splitterfasernackt durch die Straßen einer Großstadt flanieren, um Aufsehen zu erregen. Es genügt, ein paar Achselhaare zu zeigen.

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Umfrage

Wie finden Sie Achselhaare?

Nicht gut, ich rasiere sie mir immer ab 62%
Ich lasse sie gern auch mal sprießen 9%
Lang, oder kurz - jedem so wie es gefällt 29%
Stimmen gesamt 1183

Einen wahren „Shitstorm“ löste das Foto im WorldWideWeb aus. „Ich muss mich übergeben“, lese ich in einem Forum. Neben böser Beschimpfungen aller Art raten die meisten Forumsnutzer der haarigen Madonna, sich dringend einen Rasierer zu besorgen.
Aber mal ehrlich, wer läuft schon jeden Tag mit perfekt rasierten Achseln herum? So wie uns das die Kosmetikindustrie empfiehlt. In einem Werbespot der Firma „Dove“ zeigen Frauen ihre „schön gepflegten Achseln“. Weich wie Babypopos, glatt wie Pfirsiche sollten sie sein. Das schließt kategorisch all jene Frauen aus, die sich dem Rasurprogramm nicht pedantisch unterwerfen. Und es lässt folgende Schlussfolgerung zu: Eine gepflegte Achsel ist glatt, eine ungepflegte behaart.
Auch die Medien sind sich einig: Madonnas Achseln finden sie „bäh“. Der „Focus“ spricht sogar von „Ekelalarm“. Dabei kenne ich vor allem Männer, die sich zu ihren haarigen Achseln bekennen und das auch bei Frauen tolerieren würden.
Zugegeben, Letzteres überraschte mich. Denn für Frauen in meinem Alter sind diese Diskussionen eigentlich kein Thema. Die Überzeugung, dass Haare an dieser Stelle vor allem unästhetisch sind, ist in meinem Kopf tief verwurzelt. Seit Popmusikerin Nena zuletzt in den 80-ern damit noch selbstbewusst auf der Bühne herumsprang, hat es in den vergangenen Jahren niemand mehr ernsthaft versucht, Achselbehaarung wieder salonfähig zu machen.
Körperbehaarung ist für viele heute eher ein Fetisch. Trichophilie heißt das. Gut, dass es für solche Fälle Online-Beichthäuser gibt, in denen sich die User ihre Neigung von der Seele reden können. Dort lese ich unter der Rubrik „Fetisch, Begehrlichkeit, Manie“ über Männer, die sich dazu bekennen, auf Frauen mit reichlich Achselhaaren zu stehen. Wenn das zur Normalität wird, dürfte Madonna sich bald etwas Neues einfallen lassen müssen, um wieder weltweit Aufsehen zu erregen. Alles Achsel-Haarspalterei, wenn Sie mich fragen.