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Fuchs in the City: Klassische Rollenverteilung am Grill.
Fuchs in the City: Klassische Rollenverteilung am Grill © Ketterl
25.06.2013

Fuchs in the City: Am Grill zeigt sich, wer der Mann ist

In meiner Familie grillt der Mann. Ist das Fleisch zu dunkel, zu zäh, zu blutig, schiebt man die Schuld daran auf ihn. Ein tolles Gefühl, denn die restlichen Tage im Jahr sind doch wir Frauen fürs Essen zuständig. Und für die Reklamationen daran. So wie neulich bei mir.

Umfrage

Wer grillt bei Ihnen zu Hause?

Nur der Mann 59%
Nur die Frau 4%
Mal der Mann, mal die Frau 20%
Ich grille nicht 17%
Stimmen gesamt 649

Ich hatte zum Diner geladen. Bis zur Hauptspeise gab es Lob. Nicht, weil sich keiner traute, zu motzen, sondern weil mir das Chili tatsächlich endlich einmal gelungen war. Lange Gesichter gab es erst beim Dessert. Das Tiramisu war steinhart. Eine Säge zum Zerteilen wäre geschickt gewesen.

Dann nächstes Mal lieber einen Mann grillen lassen. Dabei hängt es stark vom Geschlecht des Gastgebers ab, wie hungrig man nach einem Grillabend als Frau nach Hause geht. Lädt ein Mann ein, sollte sich eine Frau auf ein übersichtliches Mahl mit nur einem Hauptbestandteil einstellen: Fleisch! Gewürfelt und aufgespießt oder um einen Holzstäbchen gewickelt, mariniert, in Wurstpellen gedrückt, vom Nacken, Bauch oder von der Hüfte. Erstaunlich, welch kompetentes Lebensmittel-Fachwissen Männer zeigen, wenn es um Fleisch geht. Frische Beilagen sucht Frau allerdings vergeblich. „Was essen wir eigentlich dazu?“ fragte ein Gastgeber kürzlich, als das Fleisch bereits auf seinem Gasgrill bräunte. „Ich habe leider nur noch etwas Knoblauchbaguette im Gefrierfach“, skizzierte er seine Auswahl.

Ein Grillabend unter Freundinnen sieht anders aus. Natürlich muss ein Mann dabei sein, der sich die Finger mit Holzkohle, Brennspiritus und Fett besudelt. Dafür biegt sich der Tisch vor Salatschüsseln. Oft bin ich schon satt, bevor das erste Würstchen auf dem Teller landet. Das Problem ist nur der Wettbewerb, denn jede Freundin will mit ihrer Salatkreation auftrumpfen. Couscous-Salat mit Chili und Kardamom aus der neuen „Brigitte“ oder chinesischer Nudelsalat mit Morcheln und Litschies aus dem neuen „Landlust“-Heft. Da fließen Tränen, wenn keine Freundin nach dem Rezept fragt. Ich selbst halte mich an Mamas Kartoffelsalat und bete, dass die „Sieglinde“ sich von ihrer bissfesten Seite zeigt. Vielleicht habe ich ja beim Tiramisu das Falsche gebetet, denn die Nachspeise war eindeutig zu bissfest.

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