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Fuchs in the City: Bleib' mir vom Leib.
Fuchs in the City: Bleib' mir vom Leib © Türschmann
03.06.2014

Fuchs in the City: Bleib' mir vom Leib

Kennen Sie das? Sie fahren im Aufzug und ein Mitfahrer steht viel zu dicht neben Ihnen. Oder: Sie warten in der Schlange an der Kasse und ihr Nachfolger rückt Ihnen so auf die Pelle, dass Sie seinen Atem riechen können. Sie mögen das auch nicht?

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Der Grund, warum uns so etwas unangenehm auffällt, ist die unsichtbare Intimzone. Die übrigens je nach Kontinent unterschiedlich groß ausfällt. So schreibt „Focus.de“, dass sie in Mitteleuropa vom direkten körperlichen Kontakt bis zirka 50 Zentimeter weit reicht. Also 50 Zentimeter vor und hinter einer Person. In diese Zone dürfen nur Menschen eindringen, die die Erlaubnis dazu haben. Alles andere empfinden wir als unangenehm. Mit alltäglichen Gesprächspartnern halten wir normalerweise eine Distanz von 60 bis 150 Zentimetern.

Durchdringen Fremde diesen Bereich, ergibt sich ein merkwürdiger Effekt: Wir behandeln den anderen als „Non-Person“, wie der österreichische Psychologe Werner Stangl weiß. Menschen ergreifen Abwehrmaßnahmen. Sie machen sich steif, fixieren nur einen Punkt, um Blickkontakt zu vermeiden. So will man der Person neben einem zeigen, dass man so gar nicht an einem Gespräch interessiert ist.

Leider klappt das nicht immer. Ich erinnere mich an Zugfahrten zu Studentenzeiten, bei denen ich als Schutzschild eine weit aufgeklappte Zeitung einsetzte. Penetrante Gesprächspartner schrecken davor allerdings nicht zurück und wenden den Mitlese-Trick an, um die eben gesichtete Überschrift zu kommentieren: „Ach, der Bumm-Bumm-Boris und die kleine Sandy - sieh mal einer an.“ Eine solche Nervensäge auf Distanz zu halten gelingt nicht immer – es sei denn man teilt die Zeitung und gibt ihm den Sportteil. Und hofft auf ein paar Minuten Ruhe.